Aufruf aus Serbien zu internationalen Solidaritätsaktionen zum Belgrad 6 Verfahren am 8. Februar 2012

Liebe GenossInnen,

wir möchten Euch darüber in Kenntnis setzen, daß, als Teil des Konstrukts gegen die Belgrad 6 (BG6), ab 8.Februar 2012 ein Berufungsverfahren gegen vier MitgliederInnen der Anarchosyndikalistischen Initiative (ASI) und gegen 2 weitere unorganisierte Belgrader AnarchistInnen anläuft.

Die sechs Belgrader Libertären wurden angeklagt, Ende August 2009 aus Solidarität mit einem damals hungerstreikenden griechischen politischen Gefangenenen (Thodoros Iliopoulos) zu einem einen Angriff auf die griechische Botschaft in Belgrad angestiftet, dabei assistiert und ausgeführt zu haben. Kurz nach dem Angriff auf die Botschaft wurden die BG6 (Tadej Kurepa, Ratibor Trivunac, Ivan Savic,Ivan Vulovic, Nikola Mitrovic and Sanja Dojkic) unter “Internationalen Terrorismus” verhaftet und die nächsten sechs Monate in U-Haft gesteckt.

Aufgrund von massenhafter Unterstützungsmobilisierung, sowohl weltweit als auch vor Ort, wurden sie kurz vor ihrem Prozess entlassen. Im Juni 2010 wurden sie letztlich von einem Gericht höherer Instanz, das befand, daß in keinem einzigen Anklagepunkt irgendwelche Grundlagen für eine Verurteilung bestanden, freigesprochen.

Dagegen ging die Staatsanwaltschaft in Revision. Allerdings antwortete das Berufungsgericht darauf nicht, bis zu dem Zeitpunkt als geschmeidige politische Gründe dafür auftauchten. Denn nur Tage nach antimilitaristischen Protesten, die im Juni 2011 in Belgrad gegen einen NATO-Gipfel stattfanden und wobei Ratibor Trivunac eingefahren war, entschied das Berufungsgericht im Sinne der Anklage und beschloß den Prozess erneut zuzulassen.

Zur Zeit gibt es strafrechtliche Verfahren gegen insgesamt sieben Mitglieder der Ortsgruppe von ASI und sie sind alle politisch motiviert.

Die Wiedereröffnung des Verfahrens gegen BG6 kann nur als Kontinuität der staatlichen Unterdrückung all derjenigen gesehen werden, die gegen Plünderung und Ausbeutung aufstehen. In Anbetracht der Tatsache, daß Serbien eine Bananenrepublik der Peripherie ist, die von einem Ableger der Kompradoren-Bourgeoisie regiert wird, hat sich gezeigt, daß in dieser Phase des Kampfes die stärkste Waffe gegen den repressiven Apparat des Staates, die internationale Solidarität ist.

Dazu rufen wir alle Genossen und Genossinnen, AnarchosyndikalistInnen, revolutionäre Gewerkschaftsleute und klassenkämpferische AnarchistInnen zu einem Tag der internationalen Solidarität am 6. Februar 2012 vor den Konsulaten, Botschaften und Kulturinstitutionen der serbischen Republik. Die Proteste sollte die klare Forderung nach dem Ende aller Verfahren und dem Fallenlassen aller Konstrukte gegen die Belgrader Libertären in sich tragen.

Die Freiheit unserer GenossInnen hängt zu einem großen Teil von den Aktivitäten der internationalen libertären Bewegung ab, aber wir sind davon überzeugt, daß wieder einmal die internationale Solidarität ihre Stärke zeigen wird.

Sofortige Freiheit für die BG6 und alle angeklagten GenossInnen!

Tod dem Staat und dem Kapital!

–Internationales Sekretariat der ASI

Start der Veranstaltungsreihe „Es ist keine Krise – es ist das System“ des Anarchistischen Netzwerks Südwest*

Am Freitag, den 27.01.2012, finden in Frei­burg und in Karls­ruhe die ersten in­halt­li­chen Ver­an­stal­tungen der Reihe „Es ist keine Krise – es ist das System“ des An­ar­chis­ti­schen Netz­werks Süd­west* statt.
Bis Ende Fe­bruar können Men­schen im Ein­zugs­ge­biet des Netz­werks (Baden-Würt­tem­berg, Saar­land,…) sich so durch die ge­bo­tenen Vor­träge und den fol­genden Dis­kus­sionen mit den Themen Krise und Ka­pi­ta­lismus herr­schafts­kri­tisch aus­ein­an­der­setzen.

Wäh­rend in Grie­chen­land, Spa­nien und Por­tugal der so­ziale Kahl­schlag die Schul­den­krise lösen soll, wetten Ra­ting-Agen­turen schon auf den Bank­rott wei­terer Staaten. Hieß es noch vor drei Jahren, der Neo­li­be­ra­lismus sei ge­schei­tert, treibt er heute seine wil­desten Blüten in den von der Krise be­fal­lenen Län­dern. De­mo­kra­ti­sche Wahlen werden zur Farce und die Reste von di­rekter De­mo­kratie werden ent­weder ent­sorgt oder so ma­ni­pu­liert, dass sie keinen Ein­fluss mehr auf die Po­litik haben. Hinter dem Diktat von EU, Eu­ro­päi­scher Zen­tral­bank, dem IWF und der Fi­nan­z­in­dus­trie steht das In­ter­esse, die ka­pi­ta­lis­ti­sche Ei­gen­tums- und Ge­sell­schafts­ord­nung auf­recht­zu­er­halten, wenn es sein muss auch mit stei­gender Re­pres­sion nach innen und ver­hee­renden Kriegs­e­in­sätzen nach außen.

Der Krieg und die Krise – sie sind aus dem­selben Stoff ge­macht. Krisen treten uns in ver­schie­denen Formen ent­gegen: als Kli­ma­krise, Über­ak­ku­mu­la­ti­ons­krise, Kul­tur­krise oder Wäh­rungs­krise. In zwei In­puts wollen wir uns aus herr­schafts­kri­ti­scher Per­spek­tive der Frage nä­hern, wie es zur so­ge­nannten Schulden- und Eu­ro­krise kam, wie die Re­gie­rungen und das Ka­pital ver­su­chen, die Pro­bleme in den Griff zu kriegen, wer dafür zahlen muss und wie der Wi­der­stand da­gegen or­ga­ni­siert werden kann. Wir wollen auch der Frage nach dem Cha­rakter der Krise nach­gehen, ob sie eine zy­klisch wie­der­keh­rende Er­schei­nung ist oder ob sie per­ma­nent statt­findet, welche ver­schie­denen Formen sie an­nimmt und welche Ge­sell­schafts­be­reiche be­troffen sind.

Nach der gleich­na­migen De­mons­tra­tion im ver­gan­genen Ok­tober in Karls­ruhe wollen wir die ersten Mo­nate des neuen Jahres dazu nutzen, in ver­schie­denen Städten im Süd­westen der BRD diese Fragen ge­meinsam mit Ak­ti­vist_innen und In­ter­es­sierten zu dis­ku­tieren. Dabei wollen wir nicht nur un­sere Stimmen zu Wort kommen lassen, son­dern auch mit Freun­dinnen und Freunden aus Grie­chen­land Er­fah­rungen aus­tau­schen und un­sere Ver­bin­dungen stärken. Des­wei­teren bieten die Vor­träge Raum, um über den in­ter­na­tio­nalen, an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ak­ti­onstag „M31 – ca­pi­ta­lism is the crisis“ am 31. März diesen Jahres zu in­for­mieren.

An­ar­chis­ti­sches Netz­werk Süd­west* im Ja­nuar 2012

Zu den beiden Ver­an­stal­tungen:

Schock­the­rapie! – Zur Lage in Grie­chen­land

Zwei Jahre ka­pi­ta­lis­ti­sche Kahl­schlags­po­litik in Grie­chen­land

„Wäh­rend die Vi­bra­tionen der Ge­schichte immer spür­barer werden und uns be­stä­tigen, dass wir tat­säch­lich eine his­to­ri­sche Epoche er­leben, gleicht Grie­chen­land täg­lich mehr einem un­re­gier­baren Land. Staat­liche In­sti­tu­tionen werden missachtet, ele­men­tare de­mo­kra­ti­sche Re­geln funk­tio­nieren nicht, Ge­setze werden straflos ge­bro­chen. Im Gleich­schritt mit Ar­beits­lo­sig­keit und Armut steigt die Ge­walt auf allen Ebenen spek­ta­kulär an, der Staats­ap­parat scheint in Auf­lö­sung be­griffen und die Ver­wal­tungs­bü­ro­kratie hält die Re­gie­rung schon seit ge­raumer Zeit für ihren Feind. Diese ist nicht in der Lage, die schu­li­sche Aus­bil­dung zu ge­währ­leisten, die Ge­sund­heits­vor­sorge si­cher­zu­stellen, Steuern ein­zu­treiben und Steu­er­hin­ter­zieher aus­findig zu ma­chen, gen­auso wenig wie sie es schafft, die selbst ver­ab­schie­deten Ge­setze um­zu­setzen. Die Lage ist ex­trem un­si­cher und nie­mand weiß wohin die Reise geht.“ (Eleft­he­ro­typia, 6.11.2011)

Die Ver­an­stal­tung be­han­delt:

die Po­litik der Troika aus EU-Kom­mis­sion, EZB und IWF und ihre Aus­wir­kungen auf die grie­chi­sche Ge­sell­schaft

den Wi­der­stand gegen die ka­pi­ta­lis­ti­sche Ausplün­de­rung

Land­be­set­zungen, Kol­lek­tiv­be­triebe, Ba­sis­ge­werk­schaften, die an­ar­chis­ti­sche Be­we­gung und an­dere eman­zi­pa­to­ri­sche Chancen der „Krise“?

rechts­ra­dikal-christ­liche Fun­da­men­ta­listen in der Re­gie­rung und das Er­starken ras­sis­ti­scher und fa­schis­ti­scher Or­ga­ni­sa­tionen

die in­ter­na­tio­nale Zu­sam­men­ar­beit an­ti­au­to­ri­tärer, an­ar­chis­ti­scher und links­ra­di­kaler Gruppen und an­ar­cho­syn­di­ka­lis­ti­scher Ge­werk­schaften und den an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ak­ti­onstag am 31. März 2012.

Es be­richtet Ralf Dreis, FAU-Frank­furt. Der Grie­chisch-Über­setzer und freie Jour­na­list schreibt seit Jahren für die linke und an­ar­chis­ti­sche Presse über das po­li­ti­sche Ge­schehen in Grie­chen­land. Zwi­schen 1996 und 2001 in der an­ar­chis­ti­schen Be­we­gung Thes­sa­lo­nikis aktiv, pen­delt er seitdem zwi­schen Deutsch­land und Grie­chen­land.

Hellas 21 – Sy­sifus und die sieben Krisen

Krisen jeg­li­cher Art scheinen in­zwi­schen zum Nor­mal­zu­stand zu ge­hören, sei es als Wirt­schafts-, Klima-oder Wäh­rungs­krise. Doch wo liegen die Ur­sa­chen dafür, dass sich die In­sti­tu­tionen in Staaten wir Grie­chen­land Tag für Tag mehr in Luft auf­lösen und die Men­schen dort vieles ver­lieren, was einst­mals si­cher schien? Wel­chen Cha­rakter hat die ka­pi­ta­lis­ti­sche Krise? Tritt sie zy­klisch auf oder findet sie per­ma­nent statt?

Diesen Fragen werden die beiden Re­fe­renten des Li­ber­tären Bündnis Lud­wigs­burg [LB²] in zwei In­puts nach­gehen, um an­schlie­ßend mit den in­ter­es­sierten Men­schen vor Ort dar­über zu dis­ku­tieren. Beide sind lang­jäh­rige po­li­ti­sche Ak­ti­vist_innen und be­schäf­tigen sich in diesem Rahmen seit ge­raumer Zeit mit dem The­men­kom­plex „Krise“ aus herr­schafts­kri­ti­scher Per­spek­tive.

Wei­tere In­for­ma­tionen findet ihr unter http://esist­das­system.blogs­port.de und http://a-netz.org

Kon­takt: info{at}a-netz.org

Quelle: a-netz.org

Wir können auch anders!


Wir können auch anders – Widerstand gegen Cops, Staat und Repression

Wir alle kennen das, ob auf antifaschistischen Demonstrationen, Antinazidemos oder auf Antiglobalisierungsprotesten, kurz gesagt immer da wo Menschen die Entwicklung der Gesellschaft kritisieren und sich den Verhältnissen von Herrschaft und Ausbeutung widersetzen, steht uns Aktivist_innen ein riesiges Aufgebot der Polizei gegenüber, dass uns mit Schlagstöcken, Reizgasen, Wasserwerfern, Hundestaffeln und auch Schusswaffen entgegentritt.
Jedes Jahr werden tausende Menschen durch Schläge, Tritte oder Folter von Polizist_innen verletzt oder durch deren Waffen getötet.
Aus diesem Grund werden am 17. März 2012 bereits zum 16. Mal am internationalen Tag gegen Polizeibrutalität Menschen auf die Straße gehen.
Auch wir setzten uns nun zum 3. Mal mit dem Thema auseinander und wollen in Dortmund demonstrieren.

Von Repression in Dortmund…

Anlass besteht zur Genüge.
Eine große Anzahl von Polizeiskandalen und Gewaltexzessen macht es erneut deutlich, wie wichtig es ist sich gegen Polizeigewalt zu wehren.
Eines der größten Beispiele ist die Repression gegen die Antifaschist_innen und Antirassist_innen die am 2. und 3. September 2011 den Naziaufmarsch in Dortmund verhindern wollten.

Der Republikanische Anwaltsverein berichtet von massiver Missachtung der Grundrechte, rechtswidriger Freiheitsentziehung aufgrund fehlender Haftrichter in der Gefangenensammelstelle und unverhältnismäßigen Knüppel und Pfeffersprayeinsätzen.

Viele Anwält_innen wurden in ihrer Berufsausübung durch die Polizei eingeschränkt, da es ihnen mehrfach nicht gestattet wurde Kontakt zu ihren Mandant_innen aufzunehmen.
Der hochgerüstete Repressionsapparat schützte die Nazis durch die Abriegelung eines gesamten Stadtteils, attackierte alle die sich diesem näherten und prügelte den Nazis letztendlich den Weg frei.

In Folge der gezielten Eskalationsstrategie wurde mindestens eine Person bis zur Ohnmacht geprügelt, viele weitere erlitten schwere Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper sowie blutende Verletzungen an Hinterkopf, Mund und Nase.
Da auch auf fliehende Nazigegner_innen eingeschlagen wurde erlitten etliche Verletzungen und Schürfwunden aufgrund von Stürzen auf den Asphalt.
Dabei drohten und beleidigten die Polizist_innen ihre Opfer mit Sprüchen wie: „Jetzt hauen wir den Schwuchteln richtig auf die Schnauze!“

Doch die wohl erschreckenste Form der Gewalt war der flächendeckende Einsatz von chemischen Kampfstoffen, die ohne Vorwarnung gegen alle Menschen eingesetzt wurden, die sich der „Roten Zone“ näherten.
Die Polizei handelte dabei keinesfalls ausschließlich gegen sie gefährdende Personen, sondern kontaminierte ganze Straßenzüge ohne Rücksicht auf Demonstrant_innen, Passant_innen und Journalist_innen.
Gegen fliehende oder am Boden liegende Menschen wurden die Reizgase ebenfalls gezielt eingesetzt.
Auf diese Weise wurden im Laufe des Tages hunderte Menschen an den Augen, den Atemwegen und der Haut verletzt. Dutzende Personen hatten Kreislaufprobleme infolge der Gaswolken und der Paniksituationen.

…und den Todesopfern

Der Einsatz von Pfefferspray ist überaus gefährlich und die schweren physischen Folgen sind noch nicht gänzlich bekannt.
Der Einsatz von Reizgasen kann in Kombination mit Allergien, Erkrankungen der Atemwege oder Drogenkonsum schnell zum Tod führen.
Ein trauriges Beispiel für diese Gefahr ist der Übergriff auf einen 32-Jährigen Dortmunder am 23. Juni 2010.
Anwohner_innen alarmierten die Polizei da der Mann zur nächtlichen Uhrzeit starken Lärm verursachte.
Der scheinbare Routineeinsatz endete tödlich.
Die Polizist_innen entschlossen sich dazu, den Mann der sich gegen seine Festnahme wehrte, durch den Einsatz von Pfefferspray “zu beruhigen”.
Durch das Reizgas ging der Mann zu Boden und verlor das Bewusstsein, er kollabierte noch auf dem Weg zum Krankenhaus.
Wenige Stunden später starb er aufgrund eines „Multiorganversagens infolge eines schweren Kreislaufschocks“.
Einen unsachgemäßen Einsatz von Pfefferspray habe es laut Ermittlungen jedoch nicht gegeben.
Der plötzliche Tod wurde allein dem Drogenkonsum des Opfers zugeschrieben.
Am selben Abend demonstrierten über 50 Angehörige und Freund_innen des Opfers vor der Polizeistation in Dortmund-Mengede.

Ein weiteres Todesopfer aus Dortmund ist der 23-Jährige Dominique Kouamadio, der am 14. April 2006 im Stadtteil Eving von der Polizei erschossen wurde.
Laut Aussage der Beamt_innen habe er sie mit einem Messer angegriffen.
Doch die genauen Umstände geben ein Rätsel auf.
Augenzeugen berichten, dass sich zwischen Dominique und den Beamten mehre Meter abstand befanden, als diese das Feuer eröffneten.
Die Schüsse trafen ihn sowohl in das linke Bein als auch in die Brust.
Doch warum schossen die Polizist_innen einem bereits verletzen Menschen gezielt in die Brust?

Die folgenden Proteste wurden ebenfalls von Repression überschattet, so gestattete man den Demonstrant_innen nicht, die Polizei als Verantwortliche für Dominiques Tod darzustellen.
Seine Freund_innen und Familie fordern noch heute die Aufklärung der Todesumstände.
Der Kampf bleibt international
Auch in allen anderen Staaten der Welt werden fortschrittliche Menschen täglich Opfer von der Repression staatlicher Organe.
Beispielsweise sind in der Türkei im Jahr 2010 die Arbeiter_innen eines staatlichen Konzerns in den Streik gezogen, um gegen die geplante Privatisierung zu Demonstrieren, welche mit Massenentlassungen einhergegangen wäre.
Der staatliche Repressionsapparat versuchte diesen Streik mit dem Einsatz von Wasserwerfen und Pfefferspray niederzuschlagen.

Wegen eines angeblichen Putschversuches werden in der Türkei all jene festgenommen, die dem Staat ein Dorn im Auge sind.
Darunter fallen Parteien, antikapitalistische Organisationen, aber aber auch Journalist_innen und ranghohe Militärs.
Seit dem Beginn des so genannten “Ergenekon-Ermittlung” sind hunderte Menschen festgenommen worden.
Ähnlich wird auch im Iran gegen die kommunistische Opposition vorgegangen.
Nach der Revolution von 1979 begann die Regierung mit Massenverhaftungen und Massenhinrichtungen, die sich bis in die heutige Zeit ziehen.

Auch werden Proteste gegen die Regierung blutig niedergeschlagen, zuletzt im Jahr 2009, als sich nach der Präsidentschaftswahl bei den Protesten gegen den amtierenden Präsidenten Achmadinidschad, bis zu 3 Millionen Menschen landesweit versammelten.
Es gab mehrere tausend Festnahmen.
Die Anzahl der Toten ist unbekannt.
Aber auch auf der anderen Seite des Globus sind Menschen der Willkür und der Repression des Staatsapparates unterworfen.

In Chile wurden im Jahr 2011 mehrere Hundert Schüler_innen und Student_innen beim Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray verletzt.
Das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt.

Es ist das System

Wenn Menschen von Polizist_innen verprügelt oder sogar getötet werden ist das abscheulich.
Doch manche repressiven Instrumente werden neben der exekutiven des Staats oft übersehen.
Gegen Polizeibrutalität zu demonstrieren ist wichtig, doch sind Brutalität und Unterdrückung Mittel zur politischen Machtausübung.
Diese äußert sich immer in Form von Gewalt.

Die ausführende Gewalt beschränkt sich nicht nur auf Polizist_innen die unter anderem damit beauftragt sind Demonstrant_innen zu verprügeln.
Es sind auch andere unterdrückende Instrumente wie Schulen, in welchen Lehrer_innen damit beauftragt werden junge Menschen zu gehorsamen und fleißigen Staatsbürgern zu erziehen, sowie Behörden, die damit beauftragt sind Flüchtlinge in Abschiebeknäste zu stecken oder desozialisierte Menschen zu schikanieren.
All diese Beamt_innen erhalten die Legitimation für ihr scheußliches Tun durch Gesetze und die gesetzgebende Gewalt. Das sind in Deutschland der Bundestag und die jeweiligen Landesparlamente.
Verstößt jemand gegen ein geltendes Gesetz, beginnt ein komplexer Prozess der ausführenden Gewalt mit dem Ziel, den Störenfried dingfest zu machen und vor die richtende Gewalt zu stellen.
Diese entscheidet dann in Form von Richter_innen in welchem Maße der oder die Schuldige bestraft werden soll, um ihn oder sie mit Gewalt und Unterdrückung zum Gehorsam zu zwingen.

Gewalt ist Alltag

Betrachten wir die Definition von Gewalt, nach der unter den Begriff Handlungen, Vorgänge und Szenarien fallen, die auf Menschen, Tiere und Gegenstände beeinflussend, verändernd und/oder schädigend einwirken, dann müssen wir feststellen, dass unser gesamtes Leben durch Gewalt bestimmt wird.
In jeder Phase unseres Lebens gibt es Menschen die die Macht dazu haben ihren Willen gegen unseren per Gewalt durchzusetzen.
Aus Angst vor Bestrafung und weiteren Folgen akzeptieren wir diese Autoritäten.
Die meisten Menschen nehmen diese alltägliche Gewalt jedoch nicht nur hin, sie halten diese auch noch für notwendig.
Dies liegt an der ständigen Atmosphäre der Konkurrenz und dem Glauben der Staat sei als Aufsicht notwendig.
Doch ein Staat wird in seinem Handeln nicht durch den Willen seiner Bürger_innen eingeschränkt.
Im Gegenteil, er emanzipiert sich von der Zustimmung seiner Bürger_innen durch das Gewaltmonopol.
Naziaufmärsche, die gegen den Willen der Bürger_innen durchgesetzt werden, sind hierfür ein gutes Beispiel.
All das nehmen die Menschen aber leider als selbstverständlich hin, sodass sie nicht hinterfragen wozu der Einsatz von Gewalt dient, sondern diese lediglich auf ihre gesetzliche Legitimation hin prüfen.

Wenn zum Beispiel ein „unrechtmäßiger“ Polizeieinsatz bei einer Demonstration untersucht wird, ertappt man etliche Kritiker_innen beim Vorwurf die Polizeibrutalität hätte gegen das Gesetz verstoßen.
Sie kritisieren also nicht die Gewalt die von sämtlichen Polizist_innen verkörpert wird, sondern nur solche Gewalt, die „ungesetzlich“ angewandt wird.
Damit arrangieren sie sich nicht nur mit den herrschenden Verhältnissen von Gewalt und Ausbeutung, sie geben den Akteur_innen einen Freifahrtschein.
Aus diesem Grund sehen wir in der Ablehnung der staatlichen Gewalt einen ersten Schritt hin zu einer befreiten Gesellschaft.

Wir können auch anders!

Wir wollen uns nicht mit diesen Verhältnissen arrangieren, denn Gewalt und Unterdrückung dürfen nicht akzeptiert werden.
Wir fordern ein schönes Leben für alle Menschen.
Doch das kann nur in einer von Konkurrenz und struktureller Gewalt befreiten Gesellschaft funktionieren.
Um so einen Zustand zu erreichen, müssen wir den größten Gegner dieses Zustandes überwinden.
Das ist zweifelsfrei jeder Staat, der durch den Einsatz der drei Gewalten die bestehenden Verhältnisse aufrecht hält.
Für ein schönes Leben in Abwesenheit von Herrschaft und struktureller Gewalt brauchen wir keine Regierungen, keine Monarchen und keine Religionen.
Wir brauchen lediglich unsere Mitmenschen.

Doch bis es soweit ist, wollen wir daran arbeiten die Ablehnung von Herrschaft und Repression in der radikalen Linken zu verstärken, denn diese hat mit organisierten Nazibanden, gesellschaftlichem Rassismus und Antisemitismus, sexistischen Medien und Kriminalisierung durch den Staat an vielen Fronten zu kämpfen.
Dazu kommt, dass die exekutive Gewalt am brutalsten gegen jene Menschen vorgeht, die Autorität und Herrschaft kritisieren oder gegen diese vorgehen.
Kurz, radikale Antifaschisten und Antifaschistinnen.
Deshalb ist es wichtig, die Diskussion in emanzipatorischen Kreisen zu führen, und die gemeinsame Kritik durch öffentlichen Protest in die Gesellschaft zu tragen.

Auf die Straße? Na, aber sicher!
Es ist an uns der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht!

| 17.03.2012 | 17:30 Uhr | Dortmund HBF |

Quelle: ajdortmund.blogsport.de

Aufruf: „Demonstration“ von Pro Köln verhindern!

Zum zweiten Mal innerhalb von 3 Monaten wollen Rechtspopulist_Innen aus dem Dunstkreis von Pro-Köln am 28.01.12 in Köln-Kalk ihre Hetze gegen das Autonome Zentrum auf die Straße tragen. Beim ersten Versuch am 19.11.11 wurde das Häuflein Elend bereits an der Kalker Post durch entschlossenen antifaschistischen Widerstand gestoppt.

Das Autonome Zentrum: ein Ort für alternatives Leben

Seitdem die KHD-Kantine am 16.4.10 in Kalk besetzt wurde und dort ein Autonomes Zentrum entstand, wurde ein Freiraum geschaffen. Dort ist Platz für ein Kino, eine Fahrradwerkstatt, ein Fotolabor, Ateliers, Gruppenräume uvm. Außerdem haben hunderte Veranstaltungen zum Thema (Anti-)Politik, Kultur, Kunst usw. stattgefunden. Genau diese unkommerzielle Kultur passt nicht in das verengte Weltbild der Rassist_Innen der Pro-Szene, welche versuchen das Autonome Zentrum als Hort von Drogenkonsum, Straftäter_Innen und Vandalismus darzustellen. Weil sich dieser Raum dem „rechtsstaatlichen“ Chaos entzieht, wird dieser Ort der Gegenkultur als Propaganda von ihnen für einen starken Staat missbraucht.

Nationalstaat und Rassismus

Dabei haben wir bereits einen allumfassenden Nationalstaat, der jeden Tag auf’s Neue den Nährboden für diese Rassist_Innen bereitet. Denn der Rassismus beschränkt sich nicht nur auf einige wenige Köpfe, sondern ist ein strukturelles gesellschaftliches Problem, welches sich in Form von staatlichen Abschiebungen bishin zu Alltags-Rassismus äußert. Beispiele wie Rostock-Lichtenhagen zeigen, dass eine rassistische Atmosphäre jederzeit in gewaltätige Progrome umschlagen kann. Dass die Polizei Aufmärsche von Rassist_Innen durchprügelt und beschützt, ist nur der Gipfel.

Bratwurst und Wegschauen

Das Bündnis „Köln stellt sich quer“, bestehend aus Parteien, Kirchen und Arbeitgeberfreundlichen Gewerkschaften (DGB), praktiziert einen geheuchelten offensiven Widerstand. Allein der Name „Köln stellt sich quer“ suggeriert eine Taktik der Verhinderung von rassistischen Aufmärschen, die aber in der Realität nicht praktiziert wird. Stattdessen verfolgen sie eine Philosophie des passiven Widerstandes, wie von dem Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers gepredigt: „Wegschauen und Bratwurst essen“. Gleichzeitig nutzen Parteien wie z.B. Die Linke, Bündnis ´90 die Grünen, Kirchen usw. derartige Proteste für ihre staats- und herrschaftstreuen Inhalte.

Pro Szene und der Islam

Wir nehmen nicht am Widerstand gegen die Pro-Szene teil, um den Islam zu verteidigen. Da wir alle Religionen ablehnen, kritisieren wir den Islam aus einem religionskritischen Kontext heraus und nicht wie die Pro-Szene, aus einem sozial-chauvinistischen und rassistischen Weltbild.

Wir rufen daher zu entschlossenem „kreativem“ Widerstand auf!

Gegen jede Form von Herrschaft!
No Pasaran! Sie werden nicht durchkommen!

ASJ Köln

Quelle: ASJ Köln

Anti-WEF-Demo: Polizei demonstriert ihre Macht in Bern

Kommende Woche findet einmal mehr das World Economic Forum (WEF) in Davos statt. Dort treffen sich vom 25. bis zum 29. Januar 2012 führende Vertreter_innen aus Politik und Wirtschaft. Unter dem Motto „The Great Transformation: Shaping New Models“ (Die grosse Transformation: neue Modelle gestalten) sollen Auswege aus der gegenwärtigen Krise gefunden werden. Für Samstag, den 21.1.2012, wurde eine Anti-WEF-Demo in Bern angekündigt: Das WEF ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Der Kapitalismus kann nicht transformiert, sondern muss überwunden werden. Deshalb: WIPE OUT WEF!

Die Demonstration hätte sich um 14 Uhr bei der Heilliggeistkirche in Bern versammeln wollen. Doch bereits die Auftaktkundgebung wurde von einem Großaufgebot von Polizeikräften aus verschiedenen Kantonen verhindert. Insgesamt wurden etwa 200 mutmassliche Demonstrationsteilnehmer_innen im Bollwerk, am Bahnhof Bern, am Bärenplatz und in der Speichergasse eingekesselt. Teilweise wurden die eingekesselten Personen gleich wieder freigelassen, teilweise lediglich einer Personenkontrolle vor Ort unterzogen und teilweise wurden Personen festgenommen, um auf dem Posten einer Kontrolle unterzogen zu werden. Auch wurden einzelne Personen außerhalb der Kessel – sogar im Innern des Bahnhofs – festgenommen. Nach welchen Kriterien die Polizei hierbei vorging, war nicht ersichtlich. Dem Antirep sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch über 30 Festnahmen bekannt. Konkrete Tatvorwürfe wurden bislang keine genannt.

Begründet wird dieser Polizeieinsatz mit dem angeblichen Gewaltpotential, welches von der angekündigten Demonstration ausgehen soll. Die Organisator_innen hatten auf der Internetplattform Indymedia gestern aber betont, dass die Demonstration reibungslos und ohne Zwischenfälle verlaufen soll. Die im Bollwerk eingekesselten Personen hatten durch die Lautsprecher mitgeteilt, dass die Demonstration friedlich verlaufen soll und das Angebot gemacht, sich zurück zu ziehen. Die Polizei hat sich hierauf jedoch nicht eingelassen.

Noch am Freitag räumte die Polizei ein, dass das Vorgehen vom 10. Septmber 2011 während des SVP- Festes, „nicht rechtens“ gewesen sei. Damals wurden zahlreiche Personen willkürlich festgenommen oder aus der Innenstadt verwiesen. Die Beschwerde gegen eine solche Wegweisungsverfügung wurde gutgeheissen. Der Polizei sei hier ein Fehler unterlaufen und es sei prioritär, dass solche Fehler vermieden werden können, beteuerte gestern der Polizeisprecher gegenüber den Medien. Dennoch ist es nicht erstaunlich, dass die Polizei am Samstag in Bern an diese willkürliche Vorgehensweise anknüpft. Rund 200 Personen wurden ohne ersichtlichen Grund und auf blossen Verdacht hin eingekesselt, kontrolliert oder verhaftet. Betroffen waren friedliche Demonstrant_innen, ebenso wie unbeteiligte Passant_innen.

Quelle, Fotos:Linksunten.Indymedia



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