Antikriegstag Dortmund 2010

Geschichte des Antikriegstages
Den Antikriegstag oder auch Weltfriedenstag gibt es offiziell erst seit 1966 und er soll an den Beginn des 2. Weltkriegs am 1.9.1939 erinnern, als deutsche Truppen in Polen einmarschierten. Dieser Tag wird oft auch genannt wenn es um die erste militärische Aktion Nazi-Deutschlands geht. Diese geschah allerdings bereits am 26.4.1937 mit dem Luftangriff auf die spanische Stadt Guernica, welcher heutzutage leider oft verschwiegen wird um die spanische Republik und die damit verbundenen bisher besten anarchistischen Gesellschaftsstrukturen in weiten Teilen Spaniens zu vergessen.
Seit 2005 versuchen Neonazis den Antikriegstag zu ihren Gunsten zu missbrauchen. Mit dem sogenannten „nationalen Antikriegstag“ am ersten Samstag im September versuchen sie nicht nur die Geschichte des Nationalsozialismus zu relativieren, sondern auch durch verkürzte Kapitalismuskritik mehr Jugendliche auf ihre Seite zu ziehen. Die Kapitalismuskritik der Neonazis beschränkt sich zusammenfassend auf Antiamerikanismus und Antisemitismus. Verantwortlich für die Ausbeutung von Natur und Menschheit (bzw. bei den Nazis „Völkern“) ist nicht die gesamte Struktur dieser Gesellschaft, sondern ein kleiner Teil bzw. wenige Völker. Somit beinhaltet auch die Kapitalismuskritik der Nazis Rassismus.
Der „nationale Antikriegstag“ begann eher klein mit unter 300 Teilnehmern, wuchs aber im Laufe der Jahre zu einem der größten Naziaufmärsche Deutschlands an. Somit wuchs aber auch der antifaschistische Widerstand. Im Jahr 2009 stellten sich über 10.000 Menschen den Nazis entgegen. Vom bürgerlichen Würstchengrillen über Kundgebungen bis hin zu einer Antifa-Demonstration mit fast 2000 Teilnehmern war alles dabei. Und auch dieses Jahr gab es wieder lautstarken Protest in verschiedensten Formen.

Donnerstag 2.9.: vorläufiges Verbot für die Nazis

Am Donnerstag Mittag verbot die Polizei den Naziaufmarsch, da in einer Wohnung eines Aachener Neonazis selbstgebaute Sprengkörper gefunden wurden. Auffällig wurde dieser Nazi, weil er bei dem Angriff auf die alternative Kneipe „Hirsch-Q“ in der Dortmunder Innenstadt dabei war. Die Nazis reagierten auf dieses Verbot indem sie eine Demonstration für den Donnerstag Abend anmeldeten an der dann circa 100 Nazis teilnahmen.

Freitag 3.9.: Nazikonzert und Gegenaktionen

Mit einer Demonstration versuchte das antifaschistische S4-Bündnis in der Nordstadt nochmal Leute für die Gegenaktionen am Samstag zu mobilisieren, da klar war, dass Polizei, Politik und Gerichte niemals effektive gegen Nazis vorgehen. Leider war die Demonstration eher enttäuschend. Die Teilnehmerzahl lag bei unter 80 Personen. Wenn wir die Bullen neben der Demo mitzählen aber vielleicht doch bei 150. Auch die mit dem Lautsprecherwagen abgespielte Musik war alles andere als antifaschistisch. Einige politische Lieder waren zwar zu hören, aber die BlackEyedPeas hatten wir auf einer Antifa-Demo nicht erwartet. Gut war hingegen das Verteilen von Flyern neben der Demo.
Zu dem Nazikonzert zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt kamen circa 250 Neonazis. Auch hier waren eher wenige Gegendemonstranten. Dafür wurde der Protest allerdings laut. Mit ferngesteuerten Sirenen wurde das rechte Konzert nicht nur stark beschallt und verzögert, sondern die Nazis erlitten bestimmt auch einige Kopfschmerzen. An dieser Stelle nochmal danke an „Sirenen-Silke“!
Die Polizei hatte im Umkreis von mindestens 50 Metern Hamburger-Gitter aufgestellt und Gegendemonstranten und auch alle anderen normalen Menschen nicht aufs Konzert gelassen. Dazu kam dann auch noch, dass circa 300 Menschen um das Konzert herum mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas oder auch der eigenen Stimme viel Lärm machten. Somit erreichten die Nazis wieder mal absolut niemanden mit ihren menschenverachtenden Ideen und blieben unter sich.
Die ach so tolle Kapitalismuskritik der Nazis wird in eigenen Reihen wohl nicht so ernst genommen. Einige Neonazis kauften beim nahegelegenden McDonalds FastFood-Restaurant unter Polizeibegleitschutz ein paar echt amerikanisch-kapitalistische Burger ein und gingen damit zu ihren Kameraden. Konsequent ist nun mal ein Wort welches Neonazis wohl nicht so ernst nehmen.

Samstag 4.9.: Verwirrung und wunde Füße

Bereits in der Nacht wurde in Dortmund ein kleiner Polizeistaat gegründet. Im Vergleich zu den vorherigen Tagen wurde nochmal eine Schüppe drauf gelegt. Mehrere tausend Bullen im Einsatz, unzählige Bullenkarren unterwegs, subjektiv-empfunden fast kilometerweise Hamburger-Gitter und Absperrungen, Wasserwerfer, Räumfahrzeuge und zwei fast komplett abgesperrte Stadtteile. Und das alles für ein paar hundert unterbelichtete Neonazis. Jetzt wissen wir auch endlich wo der Staat beim Sparen anfängt…oder auch nicht.
Gegen 10Uhr war dann auch den letzten klar, dass Widerstand von unten kommen muss, denn das Verfassungsgericht hob das Verbot für die Nazi-Demo auf. Daraufhin versuchten viele Leute in die Nordstadt zu gelangen, wo die Nazis ursprünglich ihre Demo veranstalten wollten. Obwohl dieser Stadtteil von den Bullen stark abgeriegelt war, gelang es trotzdem hunderten Antifaschisten in die Nordstadt zu gelangen.
Gegen Mittag wurden dann am Hauptbahnhof einige Gleise mehr oder weniger erfolgreich blockiert bis die Polizei in gewohnter Tradition brutal gegen die Blockierer vorging.
Als bekannt wurde, dass den Nazis doch nur eine Kundgebung an einem P+R Parkplatz am Hafen gestattet wurde, begaben sich immer mehr Menschen westlich richtung Hafen. Die Polizei hatte jedoch alle Straßen gesperrt und ließ niemanden in die Nähe der Nazi-Kundgebung an der knapp 400 Nazis mehr oder weniger begeistert teilnahmen. Circa 500 Nazis versuchten in der Zwischenzeit im Dortmunder Osten zu demonstrieren, wurden aber von der Polizei aufgehalten.
Ein einsamer Nazi, welcher von seiner Oma im Smart durch die Gegend kutschiert wurde, musste einige Zeit stehen bleiben da die Straße von mehrere Antifas blockiert wurde. Die Polizei schien zunächst etwas überfordert mit der Situation versuchte dann aber durch Schubsen und Wegdrücken die immernoch anwesenden Blockierer zu verdrängen. Doch erst nach dem Einsatz von Pfefferspray konnten die meisten Antifaschisten vertrieben werden.
Nur wenige Minuten später sammelten sich an der Münsterstraße / Leopoldstraße mehrere hundert Antifaschisten aus vielen verschiedenen Spektren. Als die obligatorische Fahrraddemo der Grünen die Kreuzung überquerte, ließ man diese zwar passieren aber nicht ohne ein wenig Kritik in Form von Parolen loszuwerden. So sahen sich die netten Damen und Herren auf ihren Fahrrädern konfrontiert mit Sprüchen wie „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wer war mit dabei? Die grüne Partei!“. Mehr als einen verbalen Angriff gab es aber hier nicht.
Im Gegensatz zu dem Verhalten manch anderer Leute im Umgang mit Kritik an Speziesismus. Ein Aktivist hielt ein Schild mit folgender Aufschrift hoch: „Für Tiere sind (fast) alle Menschen Nazis – Lebe Vegan“. Anstatt die Diskussion mit dem Aktivisten zu suchen wurde er körperlich angegangen und einige Antifas und Bürger mussten dazwischen gehen um Schlimmeres zu verhindern. Natürlich war der Spruch sehr provokativ, aber es ist traurig zu sehen, dass einige Menschen sich sofort angegriffen fühlen wenn man ihren unnötigen Tierproduktkonsum kritisiert. Wir fanden die Aktion des vegan lebenden Aktivisten aber gut und freuen uns immer wieder über Menschen, die radikale Ansichten vertreten und in die Öffentlichkeit tragen.
Nach einiger Zeit wollten einige Antifas eine Spontandemo zum Bahnhof machen, da die Nazis von dort aus wieder nach Hause gebracht werden sollten. Circa 80 Leute zogen zunächst richtung Osten, da der direkte Weg von der Polizei blockiert war. Doch bereits nach kurzer Zeit zündete jemand völlig unnötiger Weise einen Böller. Somit nahm die Polizei dankend die Legitimation zum Kesseln an. Die Antifas liefen zurück zur Kreuzung und die Polizei in voller Montur hinterher. Daraufhin entschlossen sich einige Kommunisten (zumindest sahen sie danach aus wenn man den Hammern und Sicheln auf ihren roten Fahnen glauben darf) Flaschen und sogar dicke Pflastersteine zu werfen. Dadurch eskalierte die Situation dann endgültig. Als ein paar Menschen die Kommunisten baten damit aufzuhören, da es in der Situation nichts bringen würde gegen eine solche polizeiliche Übermacht zu kämpfen, wurden diese friedlichen Aktivisten von den Roten angepöbelt und mit Schlägen bedroht. Antifaschismus heißt nicht andere Antifaschisten anzugreifen. Wir distanzieren uns ausdrücklich von solch einem Verhalten.
Ohne den dämlichen Böllerzünder und die anderen Riot-Kiddies hätte man wenige Minuten später noch eine tolle Demonstration mit bis zu 600 Leuten zum Hauptbahnhof machen können. Aber einigen Idioten ist das kleine Jugendabenteuer wohl wichtiger als eine zumindest symbolische Aktion gegen den Faschismus und die an dem Tag wahrscheinlich am größten gewesene Demonstration. Die Polizei nahm an der Kreuzung über 100 Personen fest.
Gegen Abend versammelten sich dann noch vielleicht 200 Antifaschisten vor dem Eingang des Hauptbahnhofs und an den Katharinentreppen, da die Nazis eine extra bereitgestellte U-Bahn bekamen um von Hafen zum Hauptbahnhof zu kommen. Die Polizei riegelte jedoch den ganzen Bahnhof ab und es war unmöglich durchzukommen. Einige Nazis versuchten am Abend in Bochum doch noch eine Demonstration hinzubekommen, doch als sie ankamen hatten linke Gegendemonstranten bereits eine Kundgebung angemeldet und die nazis erreichten nichts mehr.

Fazit:
Die Nazis haben wie im letzten Jahr keine Demonstration geschafft. Stattdessen gab es für sie wieder nur eine Kundgebung an ihrem bekannten Parkplatz am Hafen. Auch die Teilnehmerzahl konnte bei den Nazis nicht wesentlich erhöht werden.
Hört sich zunächst gut an, aber im Gegensatz zu den meisten anderen antifaschistischen Seiten sprechen wir auch die negativen Punkte an:
Dass die Nazis gegenüber des Bahnhofs ein Rechtsrockkonzert abhalten konnten darf nicht verschwiegen werden! Es ist unglaublich, dass Politik und Polizei den Nazis so etwas erlaubt. Es zeigt ganz klar, dass wir uns niemals auf den Staat verlassen können. Zwar gab es Gegenaktion doch diese blieben weit unter unseren Möglichkeiten. Natürlich machte das enorme Polizeiaufgebot die Sache auch nicht leichter, aber es hätten auf jeden Fall mehr Leute für Freitag mobilisiert werden müssen.
Das Dortmund-stellt-sich-quer-Bündnis enttäuschte schon im Vorfeld mit hierarchischen Strukturen und machte auch am Samstag keinen guten Eindruck. Im Vergleich zu Dresden war die Organisation und Durchführung der Blockaden nicht gelungen. Wir wissen, dass solch eine Organisation sehr schwer ist, aber es wirkte am Samstag einfach nur chaotisch und im Endeffekt war jeder auf sich allein gestellt.
Das S4-Bündnis versuchte nicht auf Biegen und Brechen eine Demonstration hinzubekommen, sondern konzentrierte sich auf wichtigere Sachen wie ein gutes Convergance-Center. Neben lecker veganem Essen konnte man dort Infos bekommen, sich sammeln und organisieren. Enttäuschend war allerdings die Freitagsdemonstration.
Wir hoffen, dass die Dortmunder Antifa-Szene endlich mal wieder aufhört sich gegenseitig fertig zu machen und anfängt zusammen für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. Gegen eine vereinte Antifabewegung hätten die dortmunder Nazis keine Chance!

Es war ein ereignisreiches Wochenende mit positiven und negativen Aspekten. Lasst uns aus unsere Fehlern lernen und in Zukunft noch stärker gegen die Neonazis vorgehen!

No Pasaran!
Alerta Antifascista!

anarchistischer Funke


5 Antworten auf „Antikriegstag Dortmund 2010“


  1. 1 sickel 06. September 2010 um 15:41 Uhr

    wenn für euch erfolgreich bedeutet „lecker veganes essen“ zu bekommen, kann ich nur noch lachen!!! Die s4 hat nicht auf biegen und brechen versucht eine Demo zu starten, weil sie erbärmlich klein gewesen wäre!!! Jede große Antifa die sich selber und seinen prenzipien treu bleibt, Demonstriert nicht mit Kriegsbefürwortenden, Faschistischen Antideutschen! Sogar die größte Antifa (ALB) spricht sich gegen diese aus. Ey jungs nix für ungut, aber ihr seit echt lächerlich!

  2. 2 Administrator 06. September 2010 um 21:38 Uhr

    das essen war in dem sinne sehr gut, da man nach wenigen stunden schon einige kilometer zurück gelegt hatte. eine leckere mahlzeit kam da gerade recht um wieder etwas mehr kraft zu schöpfen.
    denke nicht, dass die demo erbärmlich klein gewesen wäre. letztes jahr war sie auch schon recht beachtlich. klar finden wir diese antideutsche-einstellung eigentlich auch nicht gut, aber letztes jahr hat man auf der demo gesehn, dass sehr viele anarchos oder andere antifas dabei waren. und mit den antiimps wollen wir uns auch nicht all zu sehr anfreunden. für uns sind beide seiten nicht das gelbe vom ei in sachen antifa.
    traurig, dass die bewegung gerade in dortmund so geteilt ist. wäre gut wenn sich alle mal wieder annähern würden, dann könnte man zumindest gegen die nazis mehr erreichen.

  3. 3 sickel 07. September 2010 um 21:00 Uhr

    aha und warum wird eurer seits dann so gegen Kommunisten gehetzt? Besagt irgendwie was anderes!

  4. 4 Administrator 07. September 2010 um 21:38 Uhr

    weiß nich ob man das „hetzen“ nennen kann.
    wir richten uns auch nicht total gegen alle kommunisten. aber die ideologie ist scheiße. sie ist kontrarevolutionär. das hat nicht nur die geschichte bewiesen. die leute lesen immernoch aus marx büchern aber leugnen total, dass er zb. ein antisemit war.
    außerdem ist der kommunismus nun mal hierarchisch aufgebaut. und da ist es egal ob das ziel eine klassenlose gesellschaft ist oder irgendwas anderes. man draf die leute nicht zu dingen zwingen. so werden sie niemals von etwas überzeugt sein und mit ihrem leben zu frieden sein.
    wir sind anarchisten. damit sind wir gegen jede form von herrschaft. und der kommunismus ist herrschaft. ganz einfach. ist egal ob der kommunismus und der anarchismus die selben feinde haben. nur weil beide gegen den kapitalismus sind heißt das nicht, dass man auch für das selbe kämpft.

  1. 1 Antifa Leichlingen Pingback am 06. September 2010 um 15:01 Uhr
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