Der Gipfel der Macht

Am Fre­itag, den 10. De­zem­ber 2010, fand in Fre­iburg zum zwe­iten Mal der de­utsch-französisc­he Gip­fel statt. Link­sra­dika­le Grup­pen und Zu­sam­menhänge, aber auch lin­ke Par­te­ien und Ge­werk­schaf­ten mo­bili­si­er­ten da­gegen, nach­dem der Ter­min Mit­te No­vem­ber be­kannt wur­de. Auf­ge­rufen wur­de zu an­ti­nati­ona­len Ak­ti­ons­ta­gen vom 9.-11. De­zem­ber.

Di­ese be­gan­nen mit einer Ver­netzungskne­ipe in der KTS mit war­mem Es­sen al­lerletz­ten In­fos. Da die Po­lizei für di­esen Abend wohl Größeres er­warte­te, stand am Re­vi­er Nord die Fre­ibur­ger Ein­satz­hun­dert­schaft in vol­ler Mon­tur in ih­ren Fahr­ze­ugen be­re­it. Gle­ich­ze­itig wur­den in der In­nens­tadt die letz­ten Gul­li­dec­kel zu­gesc­hweißt, Ham­burger Git­ter ver­te­ilt und Mens­chen willkürlich kont­rol­li­ert. Zi­vil­po­lizist_in­nen und Se­curi­tas säum­ten den We­ih­nacht­smarkt und die ge­sam­te In­nens­tadt.

Der nächste Tag be­gann um et­wa 8 Uhr mit einem Brunch in der KTS und einer an­ti­mili­taris­tisc­hen Fahr­rad­de­mo aus dem Stadt­te­il Va­uban in Rich­tung In­nens­tadt.

Di­ese wur­de je­doch an der Ec­ke Bas­ler Straße/He­in­rich-von-Step­han-Straße von der Po­lizei ges­toppt. Von et­wa 20 Mens­chen wur­den die Per­so­nali­en auf­ge­nom­men. Außer­dem wur­de ein qu­al­mender „Dre­irad-Pan­zer“ besc­hlag­nahmt und zum Po­lize­ire­vi­er Süd geb­racht.

Dass es der Po­lizei an der größtmögli­chen Be- bzw. Ver­hinde­rung der Pro­tes­te lag, wur­de spätes­tens am frühen Fre­itag­morgen sich­tbar: Hun­dert­schaf­ten der Po­lizei aus Ba­den-Württem­berg, Ba­yern, Rhe­in­land-Pfalz und Hes­sen ri­egel­ten die In­nens­tadt her­me­tisch ab. Mens­chen wur­den kont­rol­li­ert, Tasc­hen durc­hsucht und ers­te Platz­ver­we­ise er­te­ilt. Gle­ich­ze­itig wur­de der Ber­toldsbrun­nen – dem gep­lanten Treff­punkt für den bun­ten, kre­ati­ven „Car­na­val de résis­tance“ – von Ham­burger Git­tern und qu­ers­te­hen­den Wan­nen „ein­gezäunt“, an kle­inen Durc­hgangsschle­usen wur­de kont­rol­li­ert.

Et­wa 25 Mens­chen wur­den bei Müllhe­im von der Po­lizei an­ge­hal­ten, durc­hsucht und in Po­lize­iwan­nen zurück an die Schwe­izer Gren­ze ge­fah­ren. Ih­re Autos muss­ten sie ste­hen las­sen.

Als sich ge­gen 10:30 Uhr eine Mi­ni-Clowns-Ar­my auf den Weg zum Ber­toldsbrun­nen mach­te, wur­de di­ese von BFE-Ein­he­iten aus Böblin­gen fest­ge­setzt, ED-be­han­delt und da­zu gez­wungen, sich in der Uni aus­zu­zi­ehen. Zum wi­eder­holten Ma­le stell­te die Uni­ver­sität Fre­iburg Räum­lich­ke­iten für rep­ressi­ve Maßnah­men zur Verfügung.

Noch während die Clowns „ab­ge­ar­be­itet“ wur­den, ta­uch­te im „Ber­mu­dad­re­ieck“ eine et­wa 25-köpfi­ge Sam­ba­band mit Trans­pa­ren­ten auf, welc­he eben­falls von he­ranstürmen­den BFE-Ein­he­iten ges­toppt wur­de. Nach und nach wur­den die De­mons­trant_in­nen von der Ka­iser-Jo­seph-Straße ab­gedrängt und im „Ber­mu­dad­re­ieck“ ein­ge­kes­selt. Da­bei kam es ve­re­in­zelt zu Überg­rif­fen auf fri­ed­li­che Ak­ti­vist_in­nen, welc­he na­che­inan­der aus dem Kes­sel he­ra­us­ge­zogen und in eigens dafür he­ran­ge­karr­ten „Büro­wan­nen“ der Po­lizei kont­rol­li­ert wur­den. Die Ins­tru­men­te der Sam­ba-Band wur­den besc­hlag­nahmt, we­il mit ih­nen an­geblich schwe­re Körper­verlet­zung (Lärmbelästi­gung) be­gan­gen wur­de.

Rund 200 Mens­chen un­terstützten die Ein­ge­kes­selten mit Sprechchören, Tril­lerp­fe­ifen und Trans­pa­ren­ten und ve­re­in­zelt wur­den Böller ge­wor­fen. Et­wa 13 Mens­chen wur­den vorrüber­ge­hend in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Selbst Pres­se­vert­re­ter_in­nen wur­den bedrängt, gesc­hubst und mit Platz­ver­we­isen vert­ri­eben.

Trotz der mas­si­ven Si­cher­he­its­vor­kehrun­gen war es möglich, auf den Münster- und Rat­ha­usp­latz zu ge­lan­gen. Doch so­bald hi­er Pro­test geäußert wur­de, kam es zu In­ge­wahr­sam­nahmen.

Nach­dem die letz­te Per­son aus dem Kes­sel ge­zogen wur­de, be­weg­te sich eine spon­ta­ne De­mons­tra­ti­on mit über 200 Mens­chen über die Rem­partstraße in Rich­tung Platz der Al­ten Sy­nago­ge, um die Kund­ge­bung des „Wir zah­len nicht für eure Kri­se“-Bündnis­ses zu er­re­ic­hen. Die Po­lizei spi­el­te auf Ze­it, ließ ni­eman­den pas­si­eren und schick­te den La­uts­pre­cher­wa­gen des DGB über die Ka­iser-Jo­seph-Straße wi­eder zurück. Ein Te­il der De­mo schloss sich ihm aus So­lida­rität an. Doch ans­tatt den La­uts­pre­cher­wa­gen zur an­ge­mel­de­ten Kund­ge­bung durc­hzu­las­sen, wur­de di­eser wi­eder zurück auf die Rem­partstraße gesc­hickt. Die Po­lizei er­re­ich­te ihr Zi­el: die Te­il­nehmer_in­nen der Pres­se­kon­fe­renz ver­ließen das Stadt­the­ater, noch be­vor der an sie ge­rich­te­te Pro­test sie er­re­ic­hen konn­te. Für die Kund­ge­bung stand nicht mal ein Drit­tel des Plat­zes der Al­ten Sy­nago­ge zur Verfügung.

Die an­ge­mel­de­te De­mons­tra­ti­on li­ef schließlich über den Ber­toldsbrun­nen in die Rem­partstraße. Der „bürger­li­che“ Te­il fand sich wi­eder auf dem Platz der Al­ten Sy­nago­ge ein, der Rest zog Rich­tung Grün und li­efer­te sich eine ein­se­iti­ge Schne­eballschlacht mit den zahl­re­ich an­we­sen­den Zi­vil­po­lizist_in­nen. Als be­re­its al­les vor­bei war, be­weg­ten sich BFE-Hun­dert­schaf­ten aus Rhe­in­land-Pfalz und Ba­den-Württem­berg ink­lu­sive Re­iters­taf­feln und Ein­satz­stab ins „Grün“, zo­gen je­doch nach kur­zer Ze­it un­verrich­te­ter Din­ge wi­eder ab.

Der Abend klang mit dem um kurz nach 17 Uhr ges­tarte­ten „an­ti­nati­ona­len Straßen­fest“ im Grün mit „elect­roc­rust aga­inst the sum­mit“ aus. Et­wa 80 Mens­chen tanz­ten, aßen und wärmten sich an Fe­uer­tonnen auf.

Quelle: AG-Freiburg