Archiv für Juli 2011

Wer lebt mit wem Camp – Bericht

Erneut fand zum dritten mal das „Wer lebt mit wem Camp“ vom 24-31. Juli auf Burg Lutter statt. Der inhaltliche Schwerpunkt, liegt bei diesem Camp insgesamt auf Gender und damit zusammen hängende Themen, sowie auf dem Zusammenleben mit Kindern und wie Eltern politisch aktiv bleiben können.

Das Organisationskonzept setzt darauf das nicht zu viel im Vorfeld geplant ist, sondern vor allem Workshops Diskussionen usw. sich während des Camps entwickeln und sich so, viele an der Gestaltung beteiligen können. Das hat unserer Einschätzung nach anfangs weniger gut, später jedoch gut Funktioniert. Es gab vor allen in den ersten Tagen wenig Programm und vieles was an Programm stand fand nicht statt, oder fiel aus. Als sich die anfänglichen Startprobleme legten und immer mehr Leute kamen, gab es ein volles Programm und das Camp konnte so richtig los gehen. Zwischen den Workshops war immer viel Zeit um interessante Gespräche zu führen, sich auszuruhen und die tolle Atmosphäre zu genießen. Gefallen haben uns die guten Antispe Workshops und Diskussionen die aber leider schlecht besucht waren.

Es gab zwar das ganze Camp über leckeres Veganes Essen (Fetten Dank an die Vokü!). Dennoch kritisieren wir stark, dass es eine Fleischküche gab, was auf einem Herrschaftsfreien Camp nichts zu suchen hat. Die Fleischküche war auch Grund für heftige Diskussionen und Konflikte. Dieser Konflikt symbolisiert auch das gemischte Publikum des Camps, das Anarchisten über Esoteriker bishin zu Reformisten beinhaltete. Viele Eltern mit Kindern waren dem Sinn des Camps entsprechend angereist. Insgesamt war das Camp die meisten Tage gut besucht, schade war allerdings das schon so viele Samstags abgereist sind.

Freitag und Samstag gab es dann ein gutes, abwechslungsreiches Musikprogramm mit TUNA, FaulenzA, Option Weg und anderen. Welche das Camp gut abrundeten und schon Lust aufs nächste Jahr machten.

Insgesamt hat das Camp einen eher positiven Eindruck bei uns hinterlassen. Auch wenn wir manchen Dingen kritisch gegenüberstehen, ist auch die Burg Lutter der perfekte Ort für eine solche Veranstaltung.

Seite des Wer lebt mit wem Camp: wlmw.blogsport.de

anarchistischer Funke

Chania, Insel Kreta: Banner in Solidarität mit dem besetzten Haus Skaramanga aufgehängt

Das Banner, das im alten Hafen von Chania aufgehängt wurde, war eine Solidaritätsaktion des besetzten Hauses Rosa Nera. Auf dem Banner ist zu lesen:

SOLIDARITÄT MIT DEM BESETZTEN HAUS SKARAMANGA
NEHMT EURE HÄNDE VON DEN BESETZTEN HÄUSERN WEG

Quelle: Contra Info

Besetztes, anarchistisches Haus Skaramanga in Athen durchsucht

Heute morgen am 29.07. wurde das besetzte Haus Skaramanga in Athen in einem polizeilichen Großeinsatz geräumt. Die Räumung folgte nach Einleitung rechtlicher Schritte durch den Hausbesitzer. Eine Person, die in das Gebäude eindrang, um die Räumung zu verfolgen, wurde festgenommen. Weitere 70 Menschen, die versuchten in das Gebäude zu gelangen wurden von massiven Polizeieinheiten zurückgedrängt in der Umgebung wurde von 150 Menschen eine Kreuzung blockiert. Das Gebäude wurde mitllererweile von Aktivist_innen wieder besetzt. Die Menschen versammeln sich mehr und mehr und für heute Abend wurde ein Treffen angekündigt.

Bereits am 10. Mai kam es zu Angriffen von Faschist_innen und Polizei auf das Projekt. An diesem Tag hielten Faschisten eine Kundgebung an der Kreuzung Straße des 3. Septembers Ecke Epirus ab. Der Kundgebungsort liegt parallel zur Patission-Straße ist ca. 5 Minuten von den beiden Squats „Villa Amalias“ und „Skaramanga“ entfernt. Ca. 100 Leute waren auf der rechten Kundgebung die sich gegen Migrant_innen richtete. Schon während der Kundgebung wurden Menschen mit migrantischem Hintergrund gejagt und verprügelt. Nach der Kundgebung zogen Faschist_innen, unter dem Schutz der Aufstandsbekämfungseinheit (MAT), durch die umliegenden Straßen und verprügelten Migrant_innen und zerstörten einige Geschäfte.

Die Squats, Villa Amalias und Skaramanga, stellten während und nach der Kundgebung ihre Häuser als Rückzugs-und Schutzräume für Migrant_innen und Antifas zur Verfügung. Ca. 200-300 solidarische Menschen schützten die Häuser. Die Bullen griffen darauf hin Skaramanga an und versuchten in den Eingangsbereich zu gelangen. Sie schossen Tränengas und die Faschist_innen attackierten zur selben Zeit mit Steinen. Die Menschen im Squat verteidigten sich mit Feuerlöschern und Wurfgeschossen.

Ähnliches spielte sich vor der Villa Amalias ab, wobei die Angreifer auch dort erfolgreich zurück gedrängt wurden. Dies war nicht der erste Angriff von Faschist_innen und Bullen gegen MigrantInnen oder gegen besetzte Häuser. Mehrmals wurde z.B. die Villa mit Molotovs angegriffen, wobei vor 3 Jahren der Bar-und Konzertbereich ausbrannte. Der letzte Molotov-angriff ereignete sich im Februar 2011 (Molotovs erloschen von selbst).

Die jetzige vorübergehnde Räumung und Durchsuchung ist daher kein isoliertes Ereignis, sondern eigebunden in eine ganze Reihe von Angriffen auf besetzte Häuser und Projekte in Griechenland. Wir sind solidarisch mit den Besetzer_innen und deren Kämpfen gegen Rassismus, Faschismus und staatliche Gewalt.

Quelle: florableibt.blogsport.de

Schwarz Roter Tresen 28.08.2011

Quelle: ASJ Recklinghausen

Der Countdown läuft: Räumung am Montag?

Pressemitteilung von Kommando Rhino vom 29.07.2011

Nächste Woche Montag, dem 1. August, steht dem Wagenkollektiv Kommando Rhino die polizeiliche Räumung bevor. Das Abschleppunternehmen Kurier wurde mit der Beschlagnahmung der Wagen beauftragt. Wie einer Äußerung eines Mitarbeiters des Abschleppunternehmens zu entnehmen war, war ursprünglich 0.01 Uhr, als Räumungstermin angedacht, der jedoch noch bis in die frühen Morgenstunden verschoben wurde.

Die Stadtverwaltung hält bis zum Ende an ihrer ignoranten Linie der Verdrängungspolitik fest und blockiert jegliche friedliche Lösung. Trotz aller Bemühungen um ebendiese stehen die Zeichen auf Räumung. Gerade in den letzten zwei Monaten wurde eine Vielzahl von Alternativvorschlägen, die von einem Kauf des M1-Geländes bis hin zur Pacht eines real existierenden Alternativgeländes reichen, ausgearbeitet. Die Stadtverwaltung blockiert jedoch all diese Bemühungen. Auch der Versuch ein Privatgelände zu pachten scheiterte an dem Flächennutzungsplan.

Das Kollektiv stellt sich daher auf eine gewaltsame polizeiliche Räumung und die Beschlagnahmung ihrer Wagen ein. Dies bedeutet zum einen den Verlust ihres Wohnraums, Obdachlosigkeit und Vereinsamung und stellt zum anderen einen gezielten Angriff auf das Kollektiv dar. Aus Erfahrungen von der Räumung der Schattenparker und der Beschlagnahmung der Straßenpunks haben wir berechtigte Angst um unsere Wagen, da schon damals mutwillige Beschädigungen kein Einzelfall waren. Doch die Repression endet nicht hier. Auch die Kosten für die Räumung und Beschlagnahmung werden auf das Kollektiv abgewälzt. Diese liegen erfahrungsgemäß im Zehntausender Bereich und sind für das Kollektiv nicht tragbar­.

Wir werten das Verhalten der Stadt als Teil ihrer der Verdrängungslogik folgenden Wohnraumpolitik und als politischen Angriff auf ein Kollektiv, das sich gegen Verwertungszwang und „Mainstream“ stellt. In dieser politischen Auseinandersetzung finden sich die Grüne Stadtverwaltung und Kommando Rhino in gegensätzlichen Positionen, die sich nicht vereinbaren lassen. Deutlich wird dies in dem Offenen Brief der Grünen, der als Reaktion auf eine Pressekonferenz der UL veröffentlicht wurde. Die Äußerung „Wer versucht Lebensverhältnisse gegen den Mainstream zu gestalten, muss immer damit rechnen vom Mainstream überrollt zu werden.“ ist eine direkte Drohung, die ab Montag in die Tat umgesetzt werden soll.

Wir fordern die Stadtverwaltung auf, sich auf eine friedliche Lösung des Konfliktes einzulassen und somit die polizeiliche Räumung zu verhindern.


Für die freie Wahl der Wohnform!

Für die Selbstbestimmung aller Lebensbereiche!

Kommando Rhino ist und bleibt in Freiburg

Quelle: rhino.blogsport.de

Abendveranstaltung zu Anarchosyndikalismus!

Anarchosyndikalismus ist eine anarchistische Gewerkschaftsbewegung. Die Organisationsform ist basisdemokratisch, von unten nach oben, Mittel sind Streiks und die
Direkte Aktion. Das langfristige Ziel ist eine gesamtgesellschaftliche Veränderung: die herrschaftsfreie, klassenlose Gesellschaft.
Das Wort “Anarchosyndikalismus“ setzt sich aus den beiden Wörtern „Anarchismus“ und „Syndikalismus“ zusammen, denn Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich die junge syndikalistische Gewerkschaftsbewegung und der anarchistische Teil der Arbeiter_innenbewegung
zusammen.

Rudolf Mühland ist in der Ortsgruppe Düsseldorf der
anarchosyndikalistischen Gewerkschaft
„FreieArbeiter_innenUnion“ (FAU).
Ab 19:00 Uhr gibt es veganes Essen
20:00 Uhr ist Beginn des Vortrags
Anschließend kalte Getränke und Musik

Veranstaltet vom:
ANT Anarchistischen Netzwerk Tübingen
http://ant.blogsport.de/

Quelle: ant.blogsport.de

Wer lebt mit wem, warum und wie 2011

Ein Camp für kritische Freiheit(en) und lebendige Alternativen, für radikale Traumverwirklichende jeden Alters

Erneut1 trifft vom 24.-31. Juli 2011 auf Burg Lutter die radikale Infragestellung der bestehenden Verhältnisse auf Kleckerburgen im Planschbecken und die praktische Veränderung des Gegebenen auf Badelatschen am Lagerfeuer.

Worum es geht? Um die Suche nach Antworten auf die Frage, ob es ein richtiges Leben im Falschen geben kann und wie dieses gestaltbar wäre. Um den Umgang mit Strukturen und Kategorien wie u.a. gender, race, ableism, Alter, Bildung, Adultismus und Heteronormativität. Um die darüber generierten Normen, Diskriminierungsmechanismen und Ungleichverhältnisse und ihr Hineinwirken in unsere Beziehungen und Lebenszusammenhänge.

Wie könnte das gehen? Zum einen mit der Anhäufung von Wissen und Tatkraft: Vernetzung, Workshops und Aktivitäten bis zum Umfallen, (Vor-)Lesungen, Erfahrungsaustausch, etc. – und zum anderen mit Müßiggang und ’savoir-vivre‘: vegane Vokü, selbstorganisiertes „Entspannungsprogramm“ (Konzerte, Filme, Spiele, Mucke…) und allabendliches Lagerfeuer. Das alles für alle und von allen, vor allem auch für, mit und von Kinder/n!

Wenn ihr bis hierher gelesen habt, dann nun die großen Fragen:

Wie schaffen wir es, aus der heteronormativen Matrix und deren Auswirkungen auf unser Leben auszubrechen? Wie können unterschiedliche Konstellationen von Beziehungen und Familie selbstbestimmt und frei gelebt werden? Wie ist es machbar, neben und in (Erwerbs‑)Arbeit und Alltag, Inklusions- und Exklusionsmechanismen entgegen zu wirken? Welche ökonomischen und strukturellen Zwänge wirken, wie mächtig sind sie und was für Gegenstrategien können entwickelt und umgesetzt werden? Warum fällt der Aufbau kollektiver Strukturen so schwer und welche Lebensrealitäten werden be- bzw. missachtet? Wo und wie können wir ansetzen, um Diskriminierungen zu vermeiden, nicht zu (re‑)produzieren und solidarisch zu lernen, gemeinsam Verantwortung für einander zu übernehmen? Was gibt es für Modelle an emanzipatorischen Praxen und Lebensformen? Welches Unmögliche zu fordern ist im Rahmen unserer Lebenswirklichkeiten realistisch? Zum wiederholten Mal stellen wir uns gemeinsam die Frage: Wer lebt mit wem, warum und wie?

Das Camp soll möglichst herrschafts- und barrierefrei sein und zwar sowohl in (räumlich) zugangstechnischer, als auch sprachlicher und organisatorischer Hinsicht.

Wer sich bis jetzt angesprochen fühlt, kann diese überaus spannende Theorie- und Praxisverknüpfung live mitgestalten, Workshops und Aktivitäten anregen und/oder selbst anbieten, sich und andere anmelden, nochmal genauer nachlesen oder einfach nur Senf dazu geben unter:
www.wer-lebt-mit-wem.de und kontakt: wer-lebt-mit-wem(at)riseup.net

1. So wie schon 2009 und 2010

Quelle: wer-lebt-mit-wem-warum-und-wie-2011

Get Organized!

Zunehmender Leistungsdruck in Schule, Studium und Ausbildung. Stress und sich verschlechternde Bedingungen am Arbeitsplatz und im Jobcenter. Probleme mit Behörden und Polizei, Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Verhältnisse, in denen Du lebst, erscheinen Dir grundverkehrt, und Du denkst, die Dinge müssen verändert werden?

Ständig stoßen wir im Streben nach Verwirklichung unserer Wünsche und Interessen auf Hindernisse, Beschränkungen und Vorschriften. Sei es, wie und wo wir unsere (Frei-)Zeit verbringen wollen, die Möglichkeit am Aussehen unseres Stadtteils mitzuwirken oder sei es die Gestaltung unseres Arbeitsplatzes. Und obwohl wir alle mit ähnlichen oder gleichen Bedingungen und Herausforderungen konfrontiert sind, fühlen wir uns oft auf uns allein gestellt und hilflos. Dabei gibt es viele Menschen, die von den selben Problemen betroffen sind, die die selben Wünsche, Interessen, Ängste und die selbe Wut im Bauch haben. Verstärkt wird diese Unsicherheit durch die ständige Betonung einer Eigenverantwortung, die alle Menschen in Konkurrenz zueinander stellt.

Doch das muss nicht so sein. Immer wieder können wir sehen, wie Menschen ihre Umgebung konkret verändern und gestalten. Sie finden sich zusammen und organisieren Projekte zur Verbesserung von Lebensumfeld und -bedingungen. Beispielsweise durch Initiativen von Jugendlichen, als Bewohner_innen von Stadtteilen oder in anderen selbstorganisierten Gruppen, die sich zusammen in Bewegung setzen.So hängt die Existenz von Jugendhäusern, Proberäumen, Skate- und Spielplätzen, Graffitiwänden und anderen unkommerziellen Alternativen oft vom Einsatz der Menschen vor Ort ab – auch wenn gesetzliche Hindernisse und politische Ignoranz im Weg stehen.

Vielleicht hast Du dich auch schon an Demonstrationen und einzelnen Kampagnen beteiligt und jetzt willst Du mehr. Denn nicht nur im Kleinen können wir direkt Einfluss nehmen: Viele Verbesserungen von Arbeitsbedingungen, „soziale Absicherungen“ und Schritte in Richtung Gleichberechtigung konnten nur durch freiwillige Organisation von Menschen und langen Kampf gegen Widerstände erreicht werden.

Allein geht das nicht und natürlich lassen sich Probleme nicht über Nacht lösen. Daher ist es wichtig, sich zu organisieren und aktiv für seine Vorstellungen und Rechte einzutreten. Andere sitzen vielleicht nur eine Straßenecke weiter und machen sich die gleichen Gedanken. Zwei bis drei Gleichgesinnte zu finden ist gar nicht so schwer und gemeinsam kann man sich auf die Suche nach mehr begeben. Eine Lösung wäre, selbst eine neue Gruppe zu starten oder sich einer bestehenden Struktur anzuschließen. Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit, die (Um-)Welt zu verändern, um eine freie, gerechte und menschliche Welt zu schaffen – vor allem, wenn sich Menschen zusammentun, um die Veränderungen gemeinsam zu tragen und voranzutreiben. Es kann zwar anstrengend sein, sich politisch zu engagieren und zu organisieren. Es ist aber auch befreiend und motivierend, wenn etwas erreicht wird und es Spaß gemacht hat.

Und keine Angst vor Rückschlägen oder Fehlern: einfach aus ihnen lernen!

Quelle: getorganized.tk

Warum ich kein Patriot bin

von Mihai Rusu

Ich bin überzeugt, dass die meisten jener, die sich Patrioten nennen und dies durch einen Hang zu heimischen Orten oder lokalen Traditionen rechtfertigen, gute Absichten haben. Ich bin aber der Ansicht, dass ihr Hang zum Patriotismus ein Fehler ist, aus Gründen die ich unten ausführen werde.

Auch ich fühle mich meiner Stadt oder meinem Land, in dem ich lebe, aufgrund der einfachen Tatsache verbunden, dass die Sprache, die ich hier spreche, diejenige ist, auf der ich mich am besten ausdrücken kann, aufgrund der Tatsache, dass ich einfach hier lebe und die Personen, mit denen ich meine Zeit verbringe, dieselbe Kultur teilen, die sich mit uns weiterentwickelt oder ändert. Wo immer menschliche Gemeinschaften existieren entsteht eine eigene Kultur dieser Gemeinschaften. Jeder von uns ist unweigerlich an die Kultur gebunden, in der wir uns entwickeln. Jedoch ist dieser Hang von dem ich spreche nichts weiter als eine Sache meines persönlichen Komforts. Ich muss mich nicht außergewöhnlich anstrengen, mich hier anzupassen, wie ich es irgendwo machen müsste, wo beispielsweise eine Sprache gesprochen wird, die ich nicht sehr gut beherrsche.

Nun meine ich zwei Dinge, die die vulgäre Erweiterung dieses natürlichen Gefühls der Zugehörigkeit zu heimischen Orten und den Patriotismus repräsentieren:

Sobald dieses Gefühl der Zugehörigkeit die Grundlage einer Ideologie stellt, ist es egozentrisch – die Quelle von Konflikten statt Kooperation, der Feindseligkeit statt des Verständnisses und friedlichen Zusammenlebens, im Gegensatz stehend zum sozialen Draht des Menschen. Patriotismus als Manifestation des gesellschaftlichen und politischen Lebens schadet der individuellen Freiheit, da man ihn am Meisten als Vorwand heranzieht, um Machtmissbrauch und das Dienen von Massen ihnen eigentlich entgegengesetzten Interessen gegenüber zu bewahren.

1. Der Patriot ist egozentrisch. Er reduziert seine gesamte Existenz auf den Ort, an dem er zufällig und unverschuldet geboren wurde. Diese Eigenschaft wird oftmals durch einen Komplex der Überlegenheit der restlichen Welt gegenüber verstärkt. “Es ist beklagenswert, dass jemand der Feind der gesamten Menschheit werden muss, um ein guter Patriot zu sein”, stellt der Philosoph und Illuminat Voltaire fest. Der Patriot ist unfähig, andere Kulturen, andere Gemeinschaften zu bewundern und wenn er sie sieht, macht er das mit Neid oder Verachtung. Es ist kein Zufall, dass der Patriotismus als Ideologie Hand in Hand mit dem Militarismus oder einem Heldenkult einhergeht. „Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalt und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg: ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen!“, sagte Albert Einstein in einer Epoche, in der der deutsche Patriotismus der Grund für die größte Zerstörung in der Geschichte der Menschheit war.

Der Fetisch der Patrioten ist die Geschichte, eine nationale Geschichte, eine Interpretation der eigenen Geschichte, die sich in den meisten Fällen in Unstimmigkeit mit der geschichtlichen Realität befindet. Eine Geschichte, die eine lange Reihe von Männern des Volkes als Retter präsentiert, eine Geschichte die den Heldenkult aufrechterhält. Ich will nicht auf diesen Punkt beharren, doch ist offensichtlich, dass die wirkliche Geschichte fern von diesem romantischen Bild ist, das von Patrioten propagiert wird. Sowohl das Mittelalter als auch die Moderne sind geschichtliche Perioden in denen es von Missbrauch seitens der Kleriker, der Feudalen, der privilegierten Klassen nur so strotzte, und dabei ist nichts Heldenhaftes. Es strotzt vor Kriminalität, Ungerechtigkeit, unnötiges Opfern so sehr, dass ich im Innern unserer Gesellschaft ein größeres “Übel” identifizieren kann als ein “Übel” von außen. Patrioten aber verstehen sich darin, das Elend unter den Teppich zu kehren. Sie beziehen sich in den meisten Fällen auf eine gefälschte Geschichte oder einer, die ihnen recht kommt und ignorieren, was nicht ihrer Sache dient. Das machen sie nicht nur mit der Geschichte. Ihre Gefühle sind leicht zu verletzen. Kritisiert jemand Fremdes ihre Gesellschaft, ziehen sie es vor die Realität zu mystifizieren und ein anderes Bild jenseits vom Realen zu präsentieren. Ich erinnere mich an das Beispiel der an AIDS erkrankten Kinder oder denen aus Waisenhäusern in den 90er-Jahren. Die gesamte rumänische, öffentliche Meinung war betrübt, weil der Westen mit dem Finger auf Rumänien zeigte, als Land, in dem Kinder aufgrund unmenschlicher Bedingungen, denen sie ausgesetzt waren, sterben gelassen wurden. Die Patrioten waren über dieses Bild aufgebracht und ihre Bemühung diente nicht der effektiven Verbesserung der Leben jener Kinder. Diese Kinder waren lediglich eine Schande, etwas, das versteckt werden musste. Ich kann es nicht vermeiden, die Oberflächlichkeit, mit der Patrioten das Leben sehen, feststellen. Sie hätten alles getan um jene Kinder vor der fremden Presse zu verstecken und hätten auf jegliche externe Hilfe verzichtet, nur weil die Kinder einen Schandfleck auf der Backe Rumäniens repräsentierten. Verlangt nun von dieser Generation von Kindern (jener, die überlebt haben), patriotisch zu sein – warum sollten sie? Für die Patrioten wurde das “Böse” durch die fremde Presse verkörpert und nicht durch die Art und Weise, in der der Staat mit jenen Kindern umging. Eine patriotische Gesinnung steht im Widerspruch zur Evolution einer Gesellschaft. Patriotismus macht dich blind gegenüber Machtmissbrauch (ich werde auf diese These zurückkommen).

2. Patriotismus als soziale oder politische Manifestation schadet der individuellen Freiheit und wird am Meisten als Vorwand herangezogen, um Machtmissbrauch und das Dienen von Massen ihnen eigentlich entgegengesetzten Interessen gegenüber zu bewahren. Weiter oben habe ich verdeutlicht, dass die nationale Geschichte, so wie sie in Schulbüchern oder von patriotischen Organisationen präsentiert wird, eine Lüge ist. Auch habe ich verdeutlicht wie diese Geschichte einen Heldenkult betreibt und das dies in der Realität ein propagandistisches Mittel ist. Aus diesem Grund sind Antipatrioten gleichzeitig Antimilitaristen. Wie könnte ich diesen Kult der Helden, der Soldaten verehren, wenn die Armee diejenige war, die im Laufe der Geschichte nicht wenige Male zum Töten des eigenen Volkes benutzt wurde: 11.000 Tote in der Bauernrevolte 1907, als sich die von Verzweiflung getriebenen Bauern gegen die Ungerechtigkeit aufrichteten; Grivita, [Eine Eisenbahnwerkstatt in Bukarest – Anm. ASIR] 1933, als Gendarmen das Feuer auf Streikende eröffneten; Dezember 1989, als staatliche Strukturen das Feuer auf die nach Freiheit strebende Bevölkerung eröffneten. Ich könnte viele Beispiele dieser Art finden.

Wenn diese autoritäre Regime waren und sich dadurch ihre Gewalt erklärt, ist es naiv zu glauben, dass andere, an anderen Idealen orientierten, besser wären. Das aufgrund der einfachen Tatsache, dass Gewalt der Macht innewohnend ist und hilft, diese zu konservieren. Diese Konservierung wird im Guten oder mit Gewalt gemacht, entweder durch Patriotismus, Gehorsam oder durch Gewalt, sobald Protest zu einer Warnung an die Macht und die Machthabenden heranwächst. “Je größer der Staat ist, desto falscher und roher ist der Patriotismus und umso größer ist die Summe der Leiden, auf denen seine Macht gegründet ist”, beobachtete Leo Tolstoi.

Es ist kein Zufall, dass alle nationalistischen Regime ein Anwachsen der staatlichen Autorität anstreben. Sie berufen sich auf die Disziplin und die Naivität der Patrioten um ihre Macht zu konservieren und im Falle einer Opposition werden sie stets an die Gewalt appellieren. Herrmann Göring selbst stellte aufrichtig fest: “… Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg, weder in Russland noch in England, noch in Amerika, und ebensowenig in Deutschland. Das ist klar. […] Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.”

Das Identifizieren eines solchen äußeren Feindes ist ein gemeinsames Element aller Patrioten. Britische Patrioten verachten Franzosen und umgekehrt, französische Patrioten Deutsche und umgekehrt, rumänische Patrioten Ungaren und so weiter. Das hält selbst in Friedenszeiten ein Maß an Anspannung aufrecht, das dass patriotische Gefühl bewahrt. Ist dieser dämliche Stolz etwas, für das es sich zu sterben lohnt oder für das es sich lohnt, die Tatsache zu negieren, dass auch die Anderen ein Recht auf Leben haben? Für Patrioten ja, weil “Patriotismus die Bereitwilligkeit ist, aus trivialen Gründen zu töten und getötet zu werden” – Bertrand Russell.

Patriotismus ist nur das Dogma, das dich in den Tod schickt, und an diesem Tod ist nichts heldenhaftes. Welches Heldentum ist im Falle eines getöteten Militärs, beispielsweise im Irak oder in Afghanistan, zu finden, der dort hingegangen ist, um einen höheren Sold als den hierzulande zu bekommen und der jungen Alters in einem Krieg stirbt, der ihm nicht gehört? Macht ihn eine Zinnmedaille zum Helden, die er post-mortem bekommt? Macht ihn die Tatsache zum Helden, dass er Menschen tötet, die er nicht einmal kennt? Menschen wie er, mit Familien, mit Freunden, die sich am Leben erfreuen oder schuften um sich über Wasser zu halten.

Politiker werden sich immer des Patriotismus bedienen, um eine Politik zu rechtfertigen, mit der du nicht einverstanden bist, um ihre Privilegien zu konservieren oder um dich blind gegenüber dem Missbrauch von Macht zu machen, weil “Patriotismus das Plädoyer für Raub im Interesse der privilegierten Klassen des staatlichen Systems ist, in das wir zufällig hineingeboren wurden” – Leo Tolstoi.

Als eine Antwort auf all das finden Patrioten immer Definitionen für den Patriotismus, die entweder oberflächlich (und somit eine tiefgründigere Analyse dessen, was der Patriotismus ist, verhindern) oder emotional (die ihren Mangel an rationalen Argumenten kompensieren sollen) sind. Zusätzlich können sich diejenigen, die vor 1989 gelebt haben, daran erinnern wie einem der Patriotismus durch Erziehung und allen propagandistischen Mitteln eingeimpft wurde, die dem Staat zugänglich waren. Ein leichtes Mittel der Kontrolle in der Hand der Macht – unabhängig ihrer Art, unabhängig der Epoche, sei es vor 1945, sei es danach, sei es in der Gegenwart.

Aus all diesen Gründen bin ich kein Patriot.

Aus dem Rumänischen übersetzt.

Original: Salpetru
Quelle: Verfallen

GEGENSEITIGE HILFE in Zeiten des Internet – Vorhandenes und Ausblick

Veranstaltung in Hamburg mit dem Genossen Frank Pott (ASJ Berlin)

Es geht bei der Veranstaltung darum, einige Websites vorzustellen, die sich im Prinzip der Organisation der Gegenseitigen Hilfe widmen, Ideen zur Umsetzung mitbringen bzw. auch Offline aktiv sind. Vorgestellt werden u.a.: die Nachbarschaftsbeteiligung Niriu aus Hamburg, ein Land-Sharing-Portal aus Großbritannien, ein Fenster-Gartenprojekt aus den Vereinigten Staaten und Amerika. Es handelt sich hierbei um Projekte, die jenseits der libertären und anarchistischen Bewegung stattfinden, die aber für uns interessant sein könnten.

Sonnabend, 30. Juli 2011 – 18 Uhr
Wo? Im Café Libertad Kollektiv eG – Stresemannstr. 268 – Altona (S-Bahn Holstenstraße)

Veranstalter: ASK │ VAB Hamburg-Altona

Quelle: syndikalismus.tk