Archiv für September 2011

Vorstellung der anarchopazifistischen Bewegung

Hier die Selbstdarstellung der anarchopazifistischen Bewegung:

Anarchopazifistisch verstehen wir hierbei als grundlegend radikale, antimilitaristische, Personen gegenüber gewaltfreie, darüber hinaus in Mitteln und Strategien offene Position.

Bewegung verstehen wir hierbei im sozialwissenschaftlichen Sinn: als ‚kollektiven Akteur‘ mit mannigfaltigen Mobilisierungs- und Handlungsstrategien, um gesellschaftlichen Wandel zu beschleunigen

Unser Ziel ist hingegen nicht offen, ist nicht Reform, nicht Revolte, nicht Verbesserung des bestehenden Systems, sondern nichts weniger als ein Ende desselben. Unser Ziel ist die Revolution, ist eine anarchistische, freie Welt – durch allumfassende Befreiung und Emanzipation aller Menschen.

Keinesfalls verstehen wir uns als avantgardistische Ideengeber, als voranschreitende Wegbereiter, sondern vielmehr als fragender, doch stringenten Teil einer weltweiten, sozialen Bewegung: für Freiheit und Emanzipation, von unten und von links.

Entsprechend sehen wir uns auch nicht als singuläre Gruppe, sondern diffundierend in verschiedenen Bewegungen. Wir wünschen uns maximale Vernetzung und ständigen Austausch mit allen wirklich antiautoritär freiheitlichen Bestrebungen – immer und überall.

Wir sind viele und wir sind wach!
Wir träumen, doch wir schlafen nicht!

„Preguntando caminamos – Fragend schreiten wir voran.“ (EZLN)

„Niemand kann frei sein, solange es nicht alle sind.“ (Erich Mühsam)

„Wie aber sollte eine egalitäre und freie Gesellschaft aus einer autoritären Organisation hervorgehen? Das ist unmöglich.“
(Juraföderation)

„Revolutionäre haben die Pflicht, anderen dabei zu helfen, ebenfalls Revolutionäre zu werden, aber nicht die Pflicht, ‚Revolutionen zu machen‘. Und das ist nur möglich, wenn der Revolutionär oder die Revolutionärin zuerst bei sich selbst mit der Veränderung anfängt.“ (Murray Bookchin)

Quelle: apb.blogsport.de/apb/

28. – 30. Oktober: ANTI-KNAST-TAGE in Köln

KNAST GEHT UNS ALLE AN:
Seit einigen Jahren gibt es ein Bündnis anarchistischer/libertärer/autonomer/systemkritischer Antiknast-Gruppen im deutschsprachigen Raum. Jedes Jahr organisiert eine der beteiligten Gruppen in ihrer Stadt öffentliche Antiknast-Tage. Für 2011 haben wir vom Autonomen Knastprojekt Köln diese Aufgabe übernommen. Vom 28.-30. Oktober finden die diesjährigen Antiknasttage im AZ Köln statt. Wir würden uns wünschen, wenn das Wochenende in Köln nicht nur ein Treffen von „FachidiotInnen“ wird.

Knast ist ein zentrales Mittel von Herrschaftssicherung. Dabei denken wir jetzt gar nicht mal in erster Linie an die Spezialverfahren gegen uns als radikale Linke. Die wichtigste Funktion des Knasts ist die Erzeugung von Angst. Nicht nur die Gefangenen sind Opfer des Knasts. Unsere Angst vor dem Knast ist viel wichtiger für das System. Obwohl wir für die kostenlose

Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind, kaufen wir manchmal doch Fahrkarten. Wenn wir denn schwarzfahren, zahlen wir dann die 40 Euro bevor es zum Verfahren kommt. Oder wir lassen uns auf Sozialstunden ein. Alles in dem Bewußtsein, daß mensch als SchwarzfahrerIn in den Knast kommen kann. Als Hartz 4-EmpfängerIn nehmen wir es hin, daß wir mit Almosen abgespeist und schikaniert werden. Manche gehen betteln, sind froh, wenn über Suppenküchen und Tafeln einige Krümel vom kapitalistischen Kuchen abfallen. Wenn wir uns natürlich verhalten und uns am reichlich gedeckten Tisch bedienen, landen wir ja schließlich im Knast. Wenn wir gegen das System demonstrieren, holen wir uns häufig vorher eine Genehmigung des Systems. Absurdistan läßt grüßen.

Die Angst vor dem Knast bestimmt unser Leben mehr, als wir uns manchmal selbst eingestehen. Oberstes Ziel linker Politik ist deshalb zu verhindern, dass mensch selbst oder seine GenossInnen in den Knast kommen. Das Ziel einer Gesellschaft ohne Knäste wird zwar manchmal plakativ propagiert, aber ernsthaft glauben nur die Wenigsten innerhalb der Linken dran. Dies liegt einerseits daran, daß die Wenigsten von uns daran glauben, dass wir das herrschende kapitalistische System überwinden könnten. Andrerseits haben viele Linke selbst eine Liste von Leuten im Kopf, die sie gerne einsperren würden. Das sind schon einige Gründe, warum es für viele GenossInnen so schwierig ist, sich zur Antiknastarbeit zu verhalten.

Hinzu kommen Probleme, die wir auch aus anderen Bereichen kennen. Beispiel Erwerbslosenbewegung: Die Aufbruchstimmung aus den Anfängen der Zahltag-Bewegung ist längst Ernüchterung gewichen. Die große Mehrheit der Erwerbslosen ist alles andere als linksradikal. Sie versuchen individuell zwischen den Mühlsteinen der Bürokratie zu überleben. Unsere Strategie gemeinsamer Gegenwehr findet nur bei wenigen von ihnen Resonanz. So ist die Erwerbslosenbewegung überwiegend zu einer Rechtsberatung verkommen. Obdachlose und Junkies haben leider auch wenig mit uns zu tun. Auch die Millionen prekär Beschäftigter neigen selten zu revolutionären Aktionen. Das sind aber die Menschen, die überwiegend in die Fänge der Klassenjustiz geraten.
Da ist es logisch, dass die Mehrheit der Gefangenen sich ähnlich verhält, wie sie sich draußen als Erwerbslose, Obdachlose oder Junkies verhalten haben.

Trotzdem – unter der extremen Drucksituation des Knast entdeckt der Eine oder die Andere ihr rebellisches Potential. Das sind unsere BündnispartnerInnen. Außerdem – es gibt einfach Dinge, die wir als radikale Linke grundsätzlich ablehnen. Wir sind grundsätzlich gegen Krieg, auch wenn die Kriegsgegner die letzten Arschlöcher sind. Es gibt keinen gerechten Krieg. Das sehen wir anders als die Mehrheit der Grünen. Wir sind gegen Hartz 4 und Billiglöhne, auch wenn uns viele Erwerbslose und Hungerlöhner nicht grade sympathisch sind. Wir sind auch gegen Kapitalismus, selbst wenn uns die Mehrheit der Ausgebeuteten den Vogel zeigt.

Wie schwer sich große Teile der Linken damit tun, sich in gesellschaftlichen Diskussionen zum Thema Knast überhaupt zu verhalten, zeigt folgendes Beispiel: Seit einiger Zeit versuchen die Nazis gesellschaftliche Ängste vor Sexualstraftätern, vor allem sogenannten Kinderschändern für sich zu nutzen. In einem Klima von „Wegsperren für immer“ scheint ihre Forderung
nach Todesstrafe gar nicht mehr so weit entfernt von dem, was ein reaktionärer Teil der Bevölkerung sich wünscht. Auf Dauer wird es nicht reichen, dem nur ein „Nazis raus“ entgegenzusetzen und dem allenfalls hinzufügen, dass mensch natürlich gegen die Todesstrafe sei. Diese Strategie wird allenfalls gegen ein kleines Häufchen organisierter Faschos
erfolgreich sein. Es wird uns aber nicht gegen den reaktionären Stimmungssumpf helfen, in dem die Nazis fischen wollen. Da müssten wir uns schon die Mühe machen, uns selbst inhaltlich mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs zu beschäftigen und zu versuchen, über „Lösungen“ nachzudenken, die sich vom „Wegsperren für immer“ unterscheiden. Neben Workshops zu solch grundsätzlichen Fragen wird es bei den Antiknasttagen aber auch um ganz praktische Dinge gehen, z.B. darum, welche rebellischen Gefangenen uns besonders nahestehen und wie wir die unterstützen können, oder wie wir die Öffentlichkeitsarbeit gegen das Knastsystem verbessern können.

Hier erst mal das vorläufige Programm :
Vorläufig deshalb, weil noch nicht alle Workshops feststehen und es auch möglich ist, noch während der Antiknast-Tage spontan Workshops zu machen, wenn das Bedürfnis da ist. Damit sind alle systemkritischen Gruppen angesprochen, die Berührungspunkte erkennen zwischen ihrem Aktionsbereich und den Fragestellungen zu Strafen, Repression, Ausgrenzung u.ä. Wenn Ihr einen Workshop anbieten wollt, ist es wünschenswert, diesen vorher bei uns anzumelden. Das ermöglicht mehr Planung. Aber zur Not lässt sich auch (s.o.) was während des Anti-Knast-Wochenendes improvisieren.

ANTI-KNAST-TAGE in Köln
Vom 28.-30.Oktober 2011 im Autonomen Zentrum Köln, Wiersbergstr.,44,
Köln-Kalk (U-Bahnhaltestelle Kalk-Kapelle, Linie 1 oder 9)

Freitag 28.10.
18.Uhr Gemeinsames Abendessen mit unseren Freunden aus anderen Städten und Pennplatzverteilung

19.30 Uhr
„Die Nazis gehen für die Todesstrafe auf die Straße. Was setzen wir dem entgegen?“
Diskussionsveranstaltung im Plenum

Samstag 29.10.
10 Uhr Frühstück

ab 11 Uhr
verschiedene Workshops
bisher vorgesehene Themen:
- Sicherungsverwahrung
- Hungerstreik von Werner Braeuner
- Kommunikation mit Gefangenen
- 129a-Verfahren in Dresden
- Sucht und Knast

15 Uhr: VoKü

Ab 16 Uhr
Fortsetzung der Workshops

18.30 : VoKü

20 Uhr
„Politisch“ – „Sozial“? Fragen zu unkritischer Begrifflichkeit. Wer sind
eigentlich „unsere“ Gefangenen? Und wie kooperieren wir mit denen?“
Diskussionsveranstaltung im Plenum

Sonntag 30.10.
Ab 11 Uhr Brunch
13.Uhr Abschlußplenum

Im Anschluß wollen bzw. können wir zur Entspannung noch gemeinsam einen Film gucken.
Bei Interesse könnten wir den Sonntag auch noch nutzen zu regionaler Koordination zwecks verbesserter zukünftiger Zusammenarbeit. (Die aus der Region haben ja kürzere Rückwege)

Wie gesagt, das Programm ist erst mal vorläufig, aber es gibt Euch einen Anhaltspunkt über den Ablauf des Wochenendes. Leute aus anderen Städten, die zu uns kommen wollen, würden wir bitten, uns möglichst vorher schon Bescheid zu geben, mit wie vielen ihr kommen wollt (wegen Pennplätzen und Essen).
Wir freuen uns schon auf Euch.

Autonomes Knastprojekt Köln
Kalk-Mülheimer-str. 210
51103 köln

Quelle: Politival-Prisoners.net

Action Days am Wochenende

Am Wochenende gibt es viel zu tun. Hier ein vorrübergehender Überblick:

Freitag: Naziaufmarsch in Unna

Die Neonazis kündigen im Internet an, dass am Freitagabend auch eine Neonazi-Demonstration durch die Unnaer Innenstadt stattfinden soll. Laut der Sonderseite zum Naziaufmarsch soll der Naziaufmarsch um 19.00 Uhr am Rathausplatz starten.
Infos unter: antifaunited.blogsport.de

Samstag: Naziaufmarsch in Hamm

Bereits seit längerem ist bekannt, dass die Nazis am 1. Oktober in Hamm demonstrieren wollen.
Hier der Link zu dem Gegenbündnis: okt1.noblogs.org

Samstag bis Montag: Einheitsfeierlichkeiten in Bonn

Gegen die Einheitsfeierlichkeiten in Bonn hat sich ein Bündnis aus verschiedenen linksradikalen Gruppen gebildet. Das Protestbündnis hat eine Reihe von Gegenveranstaltungen zum Einheitsfest vorbereitet, darunter zwei Demonstrationen, Konzerte und inhaltliche Gegenveranstaltungen. Für uns steht fest: Die Feier der Nation ist ein Angriff auf das schöne Leben und die befreite Gesellschaft!
Infos dazu gibt es hier: friede-freude-eierkuchen.net

Kein Gott. Kein Staat. Kein Vaterland.
Grenzenlose Solidarität statt beschränkten Nationalismus!
Wir sehn uns auf der Straße!

Aufruf zur Beteiligung zu den Aktionstagen gegen die Einheitsfeierlichkeiten vom 1.-3.10.2011 in Bonn

„Friede, Freude, Eierkuchen?“

„Freiheit, Einheit, Freude!“ ist das Motto, unter dem sich vom 1.-3.10.2011 die Nation Deutschland gemeinsam mit 500.000 erwarteten Besucher_innen beim Deutschlandfest abfeiern und selbst bestätigen möchte. Hierfür werden die komplette Innenstadt und weite Teile des ehemaligen Regierungsviertels in Bonn für drei Tage zur Ausnahmezone erklärt, in der lärmend und unverhohlen Nationalismus und Standortpolitik zelebriert werden können.
Neben einiger Widerlichkeiten, wie der sogenannten „Blaulichtmeile“, auf der sich die Polizei als Freund und Helfer zeigen wird, und der Selbstinszenierung der Bundeswehr (mit Kriegsgerät), soll der deutsche Freudentaumel am 3.10., dem „Tag der deutschen Wiedervereinigung“, in einer Festparade gipfeln, die unter dem Motto „Freue dich Deutschland“ steht.

„Gegen die Feier der Nation“

Diese Feier von Staat und Nation ist für uns nicht hinnehmbar.
Nicht, weil wir uns nicht auch gerne freuen, sondern vielmehr weil beides für uns nichts Positives ist. Das Konstrukt der Nation soll in uns ein diffuses „Wir“-Gefühl erzeugen. Anhand einer herbei halluzinierten „Gemeinsamkeit“ aufgrund einer „Leitkultur“ sollen wir uns den Menschen, die mit uns gemeinsam der „Nation“ zugerechnet werden, besonders stark verbunden fühlen.
Dieses kollektive „Wir“-Gefühl löscht dann alle Reibungen und Unterschiede, alle Kämpfe und Spannungen aus.
Angeblich.
Wie Nation beim deutschen Michel funktioniert, ist gerade zu WM-Zeiten hervorragend zu beobachten – unter dem faden Schein von Schwarz-Rot-Gold liegt sich dann alles in den Armen, was sich im grauen Alltag des Kapitalismus mit Beharrlichkeit ignoriert und sabotiert wird: Der tägliche Frust auf der Arbeit, in der Schule, im Jobcenter und in der sogenannten „Freizeit“, alle Kleinlichkeiten zwischen Nachbarn, die tagtägliche eigene Ohnmacht gegenüber den gesellschaftlichen Zwängen – all dies wird vergessen, wenn es darum geht, sich für ein paar Wochen „Schwarz-Rot-Geil“ zu geben. Und gerade auch der gut gelaunte deutsche Feier-Michel zeigt hierbei deutlich das Problem am Nationalismus: Denn mit dem geistig-verwirrten Herbeibeschwören einer nationalen Gemeinschaft impliziert dieser auch immer den Ausschluss aller „Fremden“ aus ihr. Nicht verwunderlich, dass neben den Feiermeilen auch fremdenfeindliche Übergriffe in WM-Zeiten zunehmen und deutlich machen, wie sich die „Gemeinschaft“ gegen außen zu behaupten weiß. Und dass es eben nicht ausreicht, sich der „Nation“ verbunden zu fühlen – oder wenigstens in ihr zu leben –, um auch als ein Teil von ihr akzeptiert zu werden.

Wir sagen: „What the fuck?“

Es bleibt für uns unverständlich, warum wir uns z.B. einem Gensaat-Bauern, einer Prügelpolizistin, dem Arbeitgeberpräsidenten oder anderen Arschlöchern verbunden fühlen sollten! Unsere Solidarität und Verbundenheit gilt den Menschen, die unsere Werte und Vorstellungen teilen, sei es die Frauenrechtlerin in Südafrika, der Arbeiteraktivist in Südasien, die Bildungsstreikende in Spanien oder vielen anderen auf der ganzen Welt.
Wir wollen nicht zulassen, dass imaginäre Gräben zwischen uns und unseren Genoss_innen gezogen werden, genauso wenig, wie wir uns in irgendwelche „Volksgemeinschaften“ fügen möchten.

„That shall be OUR nation? – We don‘t give a shit!“

Gerade auch die Geschichte der „deutschen Nation“ zeigt doch deutlich, wohin uns der nationale Wahn führt. Selbst aus der größten Barbarei der Menschheitsgeschichte (der Shoa) wurde nichts gelernt.
Ganz im Gegenteil – mit der Wiedervereinigung fühlten sich viele bestätigt, ihre nationale Verblendung wieder offensiver nach außen zu tragen.
Und so war die Wiedervereinigung der Startschuss für eine ungeheuerliche Welle der Gewalt gegen als „fremd“ empfundene Menschen. Die Pogrome von Rostock und Hoyerswerda, die tödlichen Brandanschläge von Mölln und Solingen führten nicht zu einer gesellschaftliche Debatte über die staatliche Bekämpfung des Rechtsradikalismus sondern in aller Konsequenz zur staatlichen De-facto-Abschaffung des Asylrechts.

„Alles Staatsfeinde“

Doch nicht nur das Konstrukt der Nation ist aus unserer Sicht verachtenswert, sondern auch das des Staates. So kann sich der Glaube an eine Nation und unsere Zugehörigkeit zu (oder unser Ausschluss aus) dieser zwar auf unser Leben auswirken, der Staat jedoch greift konkret auf vielfältige Weise in dieses ein. Durch Reglementierungen und Gesetze, die als ein „gesellschaftlicher Kompromiss“ wahrgenommen werden, wird unser Zusammenleben durch einen „aufgezwungenen Gesellschaftsvertrag“ miteinander geregelt. Hierbei muss der Staat (und sei er noch so „demokratisch“) immer auf Gewalt als Drohkulisse zurückgreifen.

Damit zementiert der parlamentarisch-demokratische Staat, wie er in Deutschland existiert, die Herrschaft von einigen Menschen über viele. Nicht anders als Diktaturen, wie sie in Nordkorea oder Burma herrschen.

Unbestritten ist, dass viele Zustände auch in Deutschland weitaus besser sind, als in Diktaturen. Allerdings gründet sich auch der demokratische Staat darauf, dass einige wenige Menschen über viele andere entscheiden.

„Nicht in unserem Namen…“
Der Parlamentarismus als eine Politik der Stellvertretung fördert die Entmündigung und die Fremdbestimmung des Menschen. In regelmäßigen Abständen wird uns glaubhaft gemacht, wir hätten die Möglichkeit tatsächlich zu wählen. Dies allerdings nur zwischen dem einen oder dem anderen Übel. Unsere Bedürfnisse können wir hierbei nicht direkt äußern. Wir können nur hoffen, dass andere Menschen, denen wir die Macht dazu geben, auf diese eingehen.
Nachdem wir unsere Stimme wortwörtlich abgegeben haben, sollen wir uns zurücklehnen und hoffen, dass die gewählten Stellvertreter*innen Politik in unserem Interesse machen. Die wirkliche Entscheidungsgewalt verbleibt wie bereits beschrieben bei einigen wenigen Personen, die oft genug gegen unser Interesse handeln.

„It’s the economy, stupid!“

Zusätzlich müssen wir fast immer erleben, dass nicht der gesellschaftliche Nutzen, sondern die Frage nach dem Geld und der „Finanzierbarkeit“ die Basis für Entscheidungen bildet.
So werden unsoziale Kürzungen und Einschnitte oft mit „Sachzwängen“ oder der neuesten aktuellen Krise begründet, während grundlegende Dinge für Viele unbezahlbar werden.
Dies geschieht einerseits, weil die Politiker*innen und Parteien, als Teilnehmer*innen an einem ewigen Popularitätswettbewerb, oft unter großem Einfluss von Interessens– und Lobbygruppen stehen.

Andererseits geht es Politiker*inne*n aber auch darum, dass die „eigene“ Wirtschaft konkurrenzfähig gegenüber der anderer Länder ist. Das Prinzip der ewigen Konkurrenz liegt dem Kapitalismus zugrunde: Sowohl auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Menschen untereinander um Jobs kämpfen müssen, als auch zwischen den staatlichen Ökonomien. Unter dem Zeichen der Konkurrenzfähigkeit mussten und müssen die Menschen in allen Ländern während der gegenwärtigen Krise massive Kürzungen im sozialen Bereich sowie Anhebungen des Rentenalters hinnehmen. Alles unter der Devise, dies geschähe zur Rettung der jeweiligen Wirtschaft.

„This is what democracy looks like!“

Dieser Widerspruch zwischen den realen Bedürfnissen der Menschen und den ihnen von oben diktierten Bedingungen führt immer wieder und immer öfter zu enormen gesellschaftlichen Spannungen. Deshalb muss der Staat, um seine Funktion als gesellschaftliche Ordnungskraft aufrecht zu erhalten, die Repression sowohl gegen seine Bürger*innen, als auch gegen die, die es gerne wären, immer weiter ausbauen. Sei es durch verstärkte Kameraüberwachung im öffentlichen Raum, durch die Einführung der neuen Personalausweise, die mit einem auslesbaren RFID-Chip ausgestattet sind, oder durch die europäische Grenzschutzagentur „Frontex“. Dies alles steht im Zeichen der „Sicherheit“ – wahlweise gegen „U-Bahnschläger“, „Terroristen“, „Flüchtlingshorden“ oder andere Bedrohungen für unser Leben.

Doch wir wissen besser, was wir wollen.

Wir wollen statt all diesem den Verbund der Freien und Gleichen. Wir wollen, dass wir fern von Hierarchie, nationalen Psychosen und Kapitalismus eine Gesellschaft aufbauen, die auf Basisdemokratie, Gleichheit und Solidarität basiert. Wir wissen, dass dies möglich ist, wenn sich die Menschen selbst organisieren und gemeinsam Wege finden, die bestehenden Verhältnisse umzuschmeißen und sich neu zu organisieren.
Ob diese neue Gesellschaftsform von ihren Vertreter*inne*n dabei als Anarchismus, libertärer Kommunismus oder wie auch immer betitelt wird, ist uns herzlich egal.

„Immer nur meckern…“

Oft wird Menschen, die diese Art von Kritik äußern, vorgeworfen, sie „würden immer nur meckern“, was dann ebenfalls oft zur neunmalklugen Feststellung führt: „Wenn es euch hier nicht passt, dann geht doch! Hier geht’s uns doch noch gut.“
Aus diesen Worten tropft soviel Dummheit und Arroganz, dass wir an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht weiter darauf eingehen wollen. Nur soviel: Wie schon erwähnt, sehen wir es nicht ein, Unrecht und Leid zu akzeptieren, weil dieses woanders vielleicht noch schlimmer ist. Wir lassen uns nicht abspeisen mit demokratisch-nationalen Heilsversprechen. Unrecht bleibt Unrecht und das Eintreten dagegen Pflicht. Nein, wir werden nicht gehen und wie werden uns immer wieder freuen, arrogante Schnösel aus ihrem befriedeten, weil eingeengten Horizont zu reißen.

„Ausflug mit Freunden“

Bei allen Problemen, die Staat und Nation heraufbeschwören, bei all dem Leid, das sie verursachen, ist uns nicht danach, das verlogene Motto „Freiheit, Einheit, Freude“ unhinterfragt stehen zu lassen.
Wir, die Anarchistisch-Syndikalistische-Jugend (Bonn), rufen euch dazu auf, euch an diesem Wochenende mit uns gemeinsam gegen den deutschen Wahn zu stellen und euch an den Aktionstagen zu beteiligen. Dem national-staatlichen Fest wollen wir unseren Protest entgegensetzen.
So wird am Samstag (1.10.) und Sonntag (2.10.) mehrere kritische Vorträge geben, zusätzlich am Samstag ein Konzert und am Sonntag eine Vorabenddemonstration. Nebenher wird es abgesehen vom kulturellem Rahmenprogramm vielfältige und bunte Aktionen auf dem Fest selbst geben. Nach einem hoffentlich produktiven Sonntag, runden wir das Wochenende am Montag mit einer bundesweiten Großdemonstration ab. Und so offen, wie wir uns verstehen, so offen soll diese sein. Wir wünschen uns eine Demonstration, in der viele Platz haben. Ob wir hinter den Soundsystemen der Bosheit ins Gesicht lachen oder vorne die Faust ballen – wir glauben, dass es viele Formen und Motivationen des Protests gibt und freuen uns, wenn ihr euch irgendwo dort wiederfindet!

Quelle: ASJ Bonn

Was zum Teufel…? 400 Blasphemiker_innen in Freiburg gegen Ratzinger und seine seltsame Welt

Am gestrigen Freitag demonstrierten über 400 Menschen in Freiburg gegen den anstehenden Papstbesuch, ihn selbst, die Kirche, den Staat und die ganze andere Scheiße. In der gesamten Innenstadt waren Polizeitrupps verteilt und unterwegs. Sie belästigten die, die ihrer Meinung nach an der nicht angemeldeten Demonstration „Antisemitismus – Patriarchat – Kapitalismus – What the Fuck?“ teilnehmen wollten.

Das Siegesdenkmal war belagert von Polizist_innen. Einige davon gehörten offensichtlich nicht zu einer der deutschen Polizeien: Sie waren von der Kantonspolizei Basel/Schweiz und der französischen Gendarmerie und Police Nationale. Neben der Uniform gehörte an diesem Abend auch die Schusswaffe zu ihrer Ausrüstung. Zweck ihrer Anwesenheit? Beobachtung der Crowdcontrol in Deutschland. Grundlage? Der Vertrag von Prüm.

Gegen 18:30 h füllten sich die Straßen um das Siegesdenkmal zusehends mit Menschen, die keine Uniform trugen.

Nach einigen Verhandlungen mit der Einsatzleitung und Rumgeheule der Polizei darüber, dass die Transparente als Vermummung missbraucht würden, ging es dann eng eskortiert von Polizeibeamt_innen gegen 19:30 h endlich los.

In Redebeiträgen, Flyern, auf Transparenten und mit (nicht immer gelungenen oder passenden) Parolen zeigte die Menge ihre Ablehnung nicht nur gegen die Person des Papstes, sondern gegen die Welt, die er repräsentiert und mit seiner Institution der katholischen Kirche zementiert. So steht er sinnbildlich u.a. für Kapitalismus, Patriarchat, organisierte Religion, Homophobie und Antisemitismus. Diese radikale Kritik an den Verhältnissen wirkte auf der einen Seite manchmal beliebig, auf der anderen drückt sie aus, wie verfahren die Zustände sind und wie viel wir verändern wollen und müssen. Eben die ganze Scheiße.

Vor dem Bahnhof wurde die Situation dann ein wenig brenzlig und die Polizei nervöser: Zur Bahnhofsseite hin versuchte sie ihre Kette dicht zu halten und niemanden mehr in die Demo oder raus zu lassen. Hatte sie Angst vor einer Bahnhofsbesetzung? Gerüchte über zwei Festnahmen machten die Runde (weiß da jemand mehr?).

Schließlich ging es dann aber entspannt weiter bis in die Belfortstraße, wo die Demo aufgelöst wurde.

Die gesamte Zeit über wurden die Demoteilnehmer_innen von mehreren Videokameras und einem Kamerawagen, der vor der Demo fuhr, abgefilmt. Es wurden gezielt Einzelpersonen gefilmt.

Im allgemeinen Freudentaumel und der Partystimmung zum Papstbesuch konnte ein kleiner, aber deutlicher und radikaler Akzent dagegen gesetzt werden.

Am heutigen Samstag wird Freiburg doppelt belagert sein: Von mehreren tausend Polizist_innen und Unsicherheitskräften. Und von noch viel mehr Gläubischen, Pilger_innen, Schaulustigen und „Wir sind Papst“-Deutschen. Morgen ist der himmlische Besuch dann wieder vorbei und wir fragen uns immer noch: What the Fuck?

So lange bis wir die ganze Scheiße umgekrempelt haben.

Paradise now!

Quelle: Linksunten:Indymedia

Heidenspaß statt Höllenangst – Anti-Papst-Demo in Erfurt

Mehr als 800 Menschen demonstrieren am 23.09.2011 gegen Religion und den bevorstehenden Papstbesuch in Erfurt. Die DemonstrantInnen führten religionskritische Transparente und Schilder mit sich und waren teilweise verkleidet. Über der Demonstration schwebten mehrere Fliegende Spaghettimonster und mit Helium befüllte Kondome. In Redebeiträgen und auf Flugblättern wurde gegen Religion im Allgemeinen, die Verflechtung von Katholizismus und Staat in Thüringen, und gegen die Positionen des Papstes in Bezug auf Homosexualität, die Rolle der Frau und seine Haltung zum Judentum protestiert.

Quelle: filmpiraten

Militante Papstanhänger & Ein Tribut an TITANIC

Berlin: Was tun mit Kommunismus?! – Veranstaltungsreihe mit anarchistischer Beteiligung

Die kapitalistische Weltwirtschaft und die bürgerlichen Demokratien sind von fundamentalen Krisen erfasst. Begleitet werden sie von einem Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa. Gleichzeitig wächst aber auch die Bereitschaft, über Alternativen und Wege zur Überwindung des Kapitalismus nachzudenken.

Für Empörung, Aufstände und soziale Revolutionen gibt es reichliche Gründe, wie die jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt, in Griechenland, Spanien oder in Großbritannien zeigen. In dieser Situation ist aber gerade in Deutschland auch eine Wiederbelebung der ML-Ideologie der gescheiterten pseudo-sozialistischen Diktaturen des Ost-Blocks zu verzeichnen.

Die dreiste Leugnung des repressiven Charakters dieser Polizeistaaten gegenüber der Bevölkerungsmehrheit und jeder linken Kritik sowie Mythen über „sozialistische Errungenschaften“, treiben neue Blüten. Überreste der DDR-Nomenklatura finden dafür in der linken Öffentlichkeit, u.a. in der „jungen Welt“ eine Plattform.

Angewidert von der antikommunistischen Propaganda entdecken aber auch manch junge Linke plötzlich scheinbare „Vorzüge der DDR“. Auf diese Weise tappen Linke aber nicht nur in die Falle der Neutralisierung antikapitalistischer Strömungen durch die Herrschenden; diese können nämlich die Erfahrungen vieler Menschen in Ost und West mit dem untergegangenen System des „real existierenden Sozialismus“ dagegen mobilisieren. Jene Linken sind auch dazu verdammt, erneut autoritäre Wege zu betreten, die nicht über den heutigen Kapitalismus und die in langen geschichtlichen Kämpfen gegen Kapital und Staat erstrittenen Freiheiten hinausführen, sondern dahinter zurückfallen.

Die bisherigen „real-sozialistischen“ Verhältnisse haben sich als antiemanzipatorische Sackgassen erwiesen. Deshalb ist für die Suche nach Alternativen zum Kapitalismus im 21. Jahrhundert eine radikal emanzipatorische Neubestimmung von Theorie und Praxis der antikapitalistischen Linken notwendig. Eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit den Fehlern und Irrtümern der eigenen Geschichte ist dafür eine ebenso unverzichtbare Voraussetzung, wie neue Antworten auf veränderte geschichtliche Bedingungen.

Diese Erkenntnisse sollten den Ausgangspunkt jeder heutigen Debatte über antikapitalistische Perspektiven bilden. Deshalb wollen wir in drei zusammengehörenden Veranstaltungen darüber diskutieren, ob und inwiefern eine Alternative zum Kapitalismus für verschiedene emanzipatorische Strömungen der antikapitalistischen Linken heute noch unter dem Leitstern eines „Kommunismus“ stehen kann? Oder hat die geschichtliche Praxis von Bolschewismus und Stalinismus Begriff und Idee so verschlissen, dass sie durch andere Leitideen ersetzt werden müssten?

In einer ersten Veranstaltung unserer Reihe wollen wir deshalb darüber diskutieren, wie das Verhältnis verschiedener emanzipatorischer Strömungen der antikapitalistischen Linken zum „real existierenden Sozialismus“ war und ist. Dabei wollen wir mit Lügen und Geschichtsmythen aufräumen.

Eng verbunden damit soll in einer zweiten Veranstaltung dem Problem nachgegangen werden, wie sozialistisch der „real existierende Sozialismus“ jenseits aller Mythen überhaupt war? Damit sollen die verschiedenen Strömungen, die wir eingeladen haben auch bestimmen, was sie unter „Sozialismus“ überhaupt verstehen. Ebenso wollen wir ausloten, worin die verschiedenen Strömungen die Ursachen für die Fehlentwicklung des Ost-Blocks sehen und wie sie den Charakter dieser Gesellschaften rückblickend einschätzen.

In einer dritten und letzten Veranstaltung wollen wir uns darüber austauschen, welche emanzipatorischen Auswege aus dem Kapitalismus sich nach dem Scheitern des „real existierenden Sozialismus“ ergeben. Können diese gesellschaftlichen Alternative(n) noch mit dem Begriff „Kommunismus“ assoziiert werden?

Kapitalismus – „real existierender Sozialismus“ – konkrete Utopien heute

Montag, 31. Oktober 2011

Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, Nähe U 6+7/Mehringdamm), 18 bis 22 Uhr:

„Die Linke und der ‘real existierende Sozialismus’ “

Podiumsteilnehmer/innen: Bini Adamczak (Autorin), Hauke Benner (autonomer Grenzgänger in den 80er Jahren), Willi Hajek (Europ. Netzwerk Basisgewerkschaften), Thomas Klein (Zeithistoriker), Elfriede Müller (jour fixe initiative berlin), Monika Runge (RLS Sachsen, MdL Sachsen), Jörn Schüttrumpf (Karl Dietz Verlag)

Moderation:
Anne Seeck, Bernd Gehrke

Dienstag, 1. November 2011

Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Tram 3+4, zwei Stationen vom Alex), 18 bis 22 Uhr:

Wie sozialistisch war der „real existierende Sozialismus“?

Podiumsteilnehmer/innen: Helmut Bock (Historiker, Historische Kommission der PDL), Renate Hürtgen (Historikerin, AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West), Christoph Jünke (Historiker und Publizist), Ralf G. Landmesser (libertärer Publizist, LPA), Anne Seeck (Aktivistin) Harry Waibel (Historiker und Publizist)

Moderation:
Bernd Gehrke, Willi Hajek

Sonntag, 6. November 2011

Festsaal Kreuzberg (Skalitzer Str. 130, U 1+8/Kottbusser Tor) 17 bis 21 Uhr

„Raus aus dem Kapitalismus – aber wohin? Konkrete Utopien heute“

Podiumsteilnehmer/innen: Christian Frings (Aktivist und Autor), Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West), Detlef Hartmann (linker Aktivist und Theoretiker), Lucy Redler (Partei Die Linke, SAV), Michael Wilk (libertärer Autor und Aktivist), N.N. Theorie Organisation Praxis (TOP Berlin)

Moderation:
Ralf G. Landmesser, Harry Waibel

Der Eintritt ist frei – Spenden sind erwünscht!

Veranstalterin:
Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK)

Die Veranstaltungen werden unterstützt von:

A-Laden Berlin, Assoziation A, ASTA TU Berlin, Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, Buchladen Schwarze Risse, North-East-Antifa, Netzwerk Selbsthilfe e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung, Teilhabe e.V., Zeitschrift Analyse & Kritik (ak), Zeitschrift Antirassistischer Gruppen (ZAG), Zeitschrift telegraph.

Quelle: http://eidesk.wordpress.com/

Alternative Schule in Porto (Portugal)

In Porto/Portugal entsteht seit etwa vier Monaten eine alternative Schule. Das alte Schulgebäude stand seit etwa fünf Jahren leer, da die ehemalige Grundschule in ein neues Gebäude verlegt wurde. Zuerst war eine temporäre Besetzung für einen Aktionstag zur Erinnerung an die Revolution ’74 geplant. Es wurden unter Einbezug der unmittelbaren Nachbarschaft verschiedene Workshops angeboten und Musik gemacht. Da das Gebäude nicht wie erwartet geräumt wurde, wurden die Aktivitäten fortgesetzt. Es gab Versammlungen und die Idee einer alternativen, kollektiven Schule entstand. Etwa einen Monat nach der Besetzung wurde das Schulgebäude von der Polizei gewaltsam geräumt. Im Nachklang dazu gab es eine Demonstration vor dem Rathaus mit etwa 300 Leuten und Diskussionen über die Weiternutzung bzw. Neubesetzung der Schule. Durch Druck wegen dem guten Kontakt und Unterstützung durch Nachbarschaft und grosser Medienaufmerksamkeit, vor Allem wegen der brutalen Räumung, gelang es eine Vereinbarung über eine Nutzung bis Dezember mit der Gemeinde zu finden. Das Schulgebäude soll dann für die Universität genutzt werden, welche den Ort bereits seit längerem nutzen will, aber erst nach der Besetzung wieder aktiv geworden ist.

Es.Col.A. – „Escola Coletiva Autogestionado“ bedeutet kollektive, selbstverwaltete Schule. Im zweiwöchigen Rhytmus gibt es Versammlungen, um über die Prinzipien und das Selbstverständnis des noch jungen Projekts zu diskutieren. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, bis jetzt wurden aber schon einige Aspekte erarbeitet. Zwar musste für die Vereinbarung mit der Stadt ein Verein gegründet werden, die Organisation und das Miteinander läuft jedoch basisdemokratisch ab, Entscheidungen sollen konsensorientiert getroffen werden. Ausserdem ist die Schule ein unkommerzieller Raum, ökologisch orientiert und der Austausch funktioniert auf horizontaler Ebene.

Neben der Arbeitsgruppe für das Selbstverständnis der Schule gibt es noch andere Arbeitskreise, die sich mit der Infrastruktur, der Programmplanung und Kommunikation beschäftigen. Im Moment gibt es schon verschiedene Projekte wie Capoeiraworkshops, Mal- und Zeichenkurse, Kino, Tanzworkshops und Musikprojekte. Auch Nachhilfeunterricht auf horizontaler Ebene und ein Umsonstladen sind geplant.

Jeder der sich einbringen möchte, kann sich mit seinen Ideen an den Orga-Arbeitskreis wenden, der verschiedene Workshops und Veranstaltungen zeitmässig koordiniert. Die Versammlungen und Treffen sind für jeden offen und jeder kann sich an Projekten und Entscheidungen beteiligen. Ausserdem ist die Schule ein offener Raum, den jeder besuchen kann und sich so auch direkt einbringen, informieren oder in Kontakt mit anderen kommen kann.

Aktuell befindet sich das Schulprojekt noch im Aufbau. Da das Gebäude stark verschmutzt und beschädigt war gibt es noch viel zu tun. Nach und nach arbeiten verschiedene Leute daran, das Dach zu reparieren, Scheiben zu ersetzen, Wände zu bemalen und Material zu besorgen. Langfristige Projekte können zur Zeit noch nicht geplant werden, da im Dezember darüber entschieden wird, ob die Schule an die Uni geht oder als soziales Zentrum bestehen bleibt. Desweiteren wurde die Schule zwar in erster Linie als Raum für die Nachbarschaft besetzt, diese Möglichkeit wird aber bis jetzt kaum wahrgenommen. So ist die relativ kleine libertäre Szene von Porto etwas unter sich, was aber den Austausch und die Zusammenarbeit der verschiedenen Projekte untereinander fördert.

Quelle: Linksunten Indymedia

250 bei „Ber­lin von unten“-Demo

Am Wahl­tag, dem 18. Sep­tem­ber, de­mons­trier­ten 250 im reg­ne­ri­schen Ber­lin gegen stei­gen­de Mie­ten. Zuvor war be­reits ein Haus be­setzt wor­den, eine pas­sen­de Ein­lei­tung für den Ak­ti­ons­tag. Im wei­te­ren Ver­lauf des Ak­ti­ons­ta­ges kam es al­ler­dings zu wenig wei­te­ren Ak­tio­nen.

De­mo­ver­lauf

Der Tag star­te­te mit einer klei­nen, schnell ge­räum­ten Haus­be­set­zung Ora­ni­en/Ecke Adal­bert­stra­ße. Trans­pa­ren­te am Bau­ge­rüst des Eck­hau­ses ver­kün­de­ten: „Be­setzt – Dolu“, „Ver­drän­gung stop­pen – Wohn­raum für alle (immer und über­all)“ und „Wenn Woh­nun­gen zu Hos­tels wer­den…“ Bei der ag­gres­si­ven Räu­mung wur­den auch un­be­tei­lig­te Pas­san­t_in­nen von den Ein­satz­bul­len ge­walt­sam an­ge­gan­gen.

Die De­mons­tra­ti­on star­te­te dar­auf­hin re­la­tiv laut­stark, aber mit ziem­lich we­ni­gen Leu­ten vom Kott­bus­ser Tor aus. Der bald ein­set­zen­de Regen ließ die De­mons­tra­ti­on nach und nach klei­ner wer­den. Kurz nach dem Start kam es zu einem Zwi­schen­fall. Ein Mensch mit einer DDR-​Fah­ne woll­te sich an der Demo be­tei­li­gen. Die Mo­de­ra­to­ren wie­sen dar­auf­hin, dass sie einen po­si­ti­ven Bezug auf die DDR für un­an­ge­mes­sen hal­ten. Kurz dar­auf wurde der Fah­nen­trä­ger rüde aus der Demo hin­aus ge­drängt. Dies er­schien etwas über­zo­gen.

Die De­mons­tra­ti­on zog durch Neu­kölln und Kreuz­berg. Im Wran­gel­kiez konn­ten spä­ter Möbel und viel Po­li­zei vor dem schon zwei­mal be­setz­ten Haus Schle­si­sche Stra­ße 25 er­blickt wer­den. Es kam aber zu kei­ner Haus­be­set­zung.

Die De­mons­tra­ti­on wurde dann hin­ter der Ober­baum­brü­cke auf Fried­richs­hai­ner Seite wegen star­ken Re­gens und we­ni­gen Teil­neh­mer_in­nen vor­zei­tig von den Ver­an­stal­ter_in­nen auf­ge­löst. Wei­te­re Ak­tio­nen sind uns nicht be­kannt.

Re­sü­mee

Der An­zahl der Teil­neh­men­den wird, nach­dem bei der Mie­ten­stopp-​De­mo 6000 Leu­ten waren, als star­ker Mo­bi­li­sie­rungs­mis­ser­folg ge­deu­tet. Eine Mo­bi­li­sie­rung au­ßer­halb der Szene ge­lang auch wegen der abs­trak­ten und un­kla­ren Ak­ti­ons­tags­idee „Ber­lin von unten!“ nicht.

Die Haus­be­set­zung am An­fang hat aber wie­der ge­zeigt, dass es von immer mehr Men­schen be­grüßt wird, Wi­der­stand gegen stei­gen­de Mie­ten auch jen­seits ein­ge­fah­re­ner Le­ga­li­täts­gren­zen deut­lich zu ma­chen.

Quelle: berlinvonunten.blogsport.de