Archiv für Dezember 2011

Aceh, Indonesien: 64 Punks verhaftet bei einem Konzert

Dutzende von jungen Männern und Frauen wurden unter dem Vorwurf „Punk“ zu sein und „den Frieden gestört zu haben“ in Aceh, Indonesiens religiöseste muslimische Provinz, verhaftet. Sie werden in einer heilpädagogischen Schule festgehalten, wo sie sich einer Umerziehung durch die Regierung unterziehen müssen. Die 64 Punks, viele von ihnen kommen von weit her (z.B. aus Bali oder Jakarta), wurden am Samstag, den 10. Dezember, während eines lokalen Konzertes aufgegriffen. Viele Jugendliche tragen punk-typische Frisuren und verweisen auf die weltweite Punkkultur, die sich gegen die Normen der strengen Religion in Aceh richtet.

Verbreitete Fotografien durch die Massenmedien zeigen, wie unseren Brüder und Schwestern die Mohawks (Irokesen) und ihre schrillen Frisuren von der örtlichen Polizei rasiert werden. Sie werden gezwungen, sich enge Gefängnisschlafsäle zu teilen und gemeinsames Bad zu nehmen. Die Cops fuhren weiterhin fort, ihre Würde zu beleidigen, indem sie den Punks Zahnbürsten gaben und ihnen befahlen, „sie zu nutzen.“

Niemand wurde mit irgendeinem Verbrechen angeklagt und die Schweine haben auch nicht vor, dies zu tun. Sie wurden jetzt zu einer heilpädagogischen Schule in den Seulawah Bergen gebracht – ca. 60km von der Provinzhauptstadt Banda Aceh entfernt.

Ein indonesisches Schwein sagte: „Sie werden sich einer Umerziehung unterziehen, damit ihre Moral wieder mit jener der Bürger von Aceh übereinstimmt.“ Es ist das zweite Mal in kurzer Zeit, dass die Schweine gegen die Punkkultur in Aceh vorgehen.

„Wir haben sie nicht festgenommen, sie haben keine kriminelle Handlung vollzogen,“ sagt das Schwein. „Sie sind Acehs eigenen Kinder – wir tun das zu ihrem eigenen Wohle. Ihre Zukunft könnte gefährdet sein. Wir werden sie umerziehen, damit sie ihren Eltern keine Schande machen.“

Es gibt eine pulsierende Untergrund-Punkmusikszene in Aceh und in ganz Indonesien. Die Repression ist Teil des Vorgehens gegen die Punk- und anarchistische Bewegung, das nach der Verhaftung von Eat & Billy, Anarchisten, die eine Bank vor dem Hintergrund von Staatsgewalt und kapitalistischer Ausbeutung anzündeten, begann.

Aceh ist eine der frommsten muslimischen Provinzen in Indonesien und wird zunehmend konservativer seit das islamische Recht vor ein paar Jahren eingeführt wurde.
Up the Punx.

Quelle, Fotos, Videos: Contra Info

Globale Lärmdemos: Silvester 2011/2012

Vor wenigen Wochen ist ein englischsprachiger Aufruf erschienen, welcher dazu aufruft am Silvesterabend sich vor den Knästen zu versammeln und der Solidarität mit allen Gefangenen Ausdruck zu verleihen. Aber er geht auch weiter und fordert sich nicht nur auf Demos vor den Knästen zu beschränken, sondern außerdem die Verantwortlichen der Knastgesellschaft und deren Profiteure direkt zu konfrontieren.
Aufrufe zu Demos gibt es weltweit, unter anderen in den USA (Portland, OR; Durango, CO; Baltimore, MD; Richmond, VA; Seattle, WA), in Deutschland (Berlin, Köln, Stuttgart, Bremen), Italien (Albate, Como), Großbritannien (London), Griechenland (Athen), …

Dieses Event ist inspiriert von dem Aufruf für einen Aktionstag gegen Knäste am Neujahrstag 2011, welcher großenteils unverändert bleibt:

Lautstarke Demos vor Knästen sind eine anhaltende Tradition in einigen Ländern. Ein Weg, um Solidarität auszudrücken mit Menschen, die inhaftiert sind während des Jahreswechsels, an diejenigen erinnernd, die vom Staat gefangen gehalten werden. Eine lautstarke Demo durchbricht die Isolation und Entfremdung der Zellen, die unsere Feinde errichten, Knäste haben eine lange Tradition im Inneren des Kapitals und sind dabei eine der am altertümlichsten Formen der anhaltenden Folter und Bestrafung. Sie wurden benutzt, um zu töten und jene Unerwünschten – die Delinquenten der herrschenden Ordnung – welche nicht in die vorgegebene Form der Gesellschaft passen zu foltern

Knäste werden nicht nur als eine Institution genutzt, sondern als ein riesiger Apparat, welcher von ausserhalb der Knastmauern konstruiert wurde. Von den Feinden, die unser alltägliches Leben als einen Knast definieren, und selbst an vielen Orten zu finden sind, anfangen von Banken, die die Entwicklung von Knästen finanzieren (wie Wells Fargo, Bank of America, BNP Paribas, Bank of the West und Barclays); über Firmen, die vertraglich für die Entwicklung von Knästen verantwortlich sind (wie Bergelectric Corporation, SASCO Electric, Engineered Control Systems, MacDonald Miller Facility SLTNS und Kane MFG Corp.); den Investoren der Entwicklung von Knästen (wie Barclays Intl. und Merrlin Lynch) bis hinzu der Polizei und den Schließern, die sich hinter ihren Abzeichen und der Gewalt des Staates verstecken.

Solidarität ist nicht nur ein Ausdruck unserer revolutionären Poesie, welche durch eine weitergehende anarchistische Analyse definiert wird, sondern auch ein Ausdruck der Aktionen, welche in Praxis umgesetzt werden im täglichen sozialen Krieg. Darum schlagen wir denjenigen, die ein gewisses wechselseitiges Verständnis von der Knastwelt und den Zuständen, die dadurch erschaffen werden, haben, vor sich diesen Tag zu merken, sich diesen Tag im Kalender zu markieren. Um Orte des Angriff auszumachen. Damit wir uns selber nicht nur auf Lärm-Demos beschränken, dass sich Aktionen selbstständig voneinander verbreiten. Damit unsere alltäglichen Positionen, mit welchen wir uns selber in unserer eigenen Verinnerlichung beschränken, aufbrechen.

An all unsere GenossInnen, die wir kennen und noch nicht kennen. Nur weil wir uns bis jetzt nicht getroffen haben, bedeutet dies nicht, dass wir nicht in Affinität miteinander agieren. Unser Kampf setzt sich nicht nur draußen fort, sondern drinnen ebenso. Knast ist nicht das Ende, sondern eine Weiterführung, durch individuelle und kollektive Momente der Revolte, mit den Methoden, die zur Verfügung stehen. Wie das Feuer soll sich unsere Wut verbreiten.

Gegen Knäste, und die Welt die sie aufrecht erhält.

Für den sozialen Krieg.

In Erinnerung mit den derzeitig inhaftierten.

Quelle: ABC Berlin

Bremen: Sylvester zum Knast!

Knäste – Mittel zur Aufrechterhaltung der herrschenden Verhältnisse

Wir wollen mit einer Kundgebung am 31.12.2011 vor der JVA Oslebshausen ein viel zu stark vergessenes Instrument institutionalisierter Unterdrückung und sozialer Ausgrenzung wieder in unser aller Bewusstsein heben. Gemeint sind die Gefängnisse.

Die Funktion
Uns wird gesagt, der Knast wäre ein absolut notwendiges Mittel, um diejenigen, die die Gesetze verletzen, zu bestrafen. Diese Gesetzte aber sind nicht etwa Vereinbarungen die zwischen den Individuen getroffen werden, um das Zusammenleben zu gestalten, sie dienen zur Aufrechterhaltung der herrschenden Verhältnisse. Wenn wir uns nun anschauen wie dieses Zusammenleben funktioniert, können wir uns lediglich entscheiden, wie wir uns den Gesetzen gegenüber verhalten wollen. Gefängnisse stellen hier das Mittel des Staates zur Bestrafung derjenigen dar, welche sich nicht an diese vom Staat erlassenen Gesetze halten. Dies hat nicht nur die individuelle Bestrafung im Sinn, sondern wird gleichzeitig als abschreckendes Beispiel für den Rest der Bevölkerung genutzt. Die dadurch geschaffene Trennung der Menschen in „gut“ und „böse“ torpediert eine Solidarisierung mit den „Kriminellen“. Durch den gesellschaftlichen Fingerzeig auf die „Kriminellen“ wird an dieser Stelle von den eigenen Verstößen gegen geltende Gesetze abgelenkt, so fungiert dieser als Selbstschutz vor der sozialen Ächtung.
Meist wird davon ausgegangen, dass nur Mörder*Innen und Sexualstraftäter*Innen eingesperrt seien, aber die Realität zeigt etwas anderes. Viele Menschen sitzen in den Knästen, weil sie nicht in der Lage waren ausstehende Rechnungen zu bezahlen, schwarz gefahren sind, sich im Supermarkt etwas gönnen wollten, usw. Oder aber weil sie flüchten mussten, vor Kriegen, politischer Verfolgung oder es für sie in ihren Herkunftsländern keine Möglichkeit mehr gab zu überleben. Und die jetzt in Abschiebeknästen darauf warten, abgeschoben zu werden. Genau deshalb sitzen fast nur Illegalisierte, Migrant*Innen oder Menschen aus ärmeren Verhältnissen im Knast, welche meist wegen „Verbrechen“ an Eigentumsverhältnissen einsitzen. Laut dem Bundesamt für Statistik waren am 31. März 2011 in Deutschland 71.200 Personen in Justizvollzugsanstalten inhaftiert, davon 10.864 in Untersuchungshaft und 51.616 im Strafvollzug. In 4.278 Fällen beruhte der Strafvollzug auf einer uneinbringlichen Geldstrafe, die als Ersatzfreiheitsstrafe verbüßt werden muss, was verdeutlicht, dass Menschen mit genügend finanziellem Spielraum immer noch eine Alternative zum Strafvollzug zur Verfügung steht. Es ist also die kapitalistische Gesellschaft, die forciert, dass Menschen durch verschiedenste legale und auch „illegale“ Möglichkeiten um ihre Existenz kämpfen müssen. Der Knast ist eine soziale Frage und dementsprechend sind die Menschen, die einsitzen, soziale Gefangene.

Das System
Die Justiz bestraft diejenigen, die gegen die herrschenden Verhältnisse verstoßen haben. Das kapitalistische Eigentumsverhältnis, das das tägliche Leben der Menschen zurichtet, ist die strukturelle Gewalt aller kapitalistischen Gesellschaften. Das Recht ist daher nicht neutral, es ist nicht die natürliche Manifestation des allgemeinen Interesses, sondern der Ausdruck dieser Eigentumsverhältnisse zu einem gegebenen Moment in der Geschichte.
Doch aus dem Einsperren Tausender und der Verschleierung sozialer Missstände kann zudem auch noch ein wirtschaftlicher Nutzen gezogen werden, wie z.B. aus der Billiglohnarbeit, wie sie auch hier in der Bremer JVA Oslebshausen praktiziert wird. Unter der Suggestion eines humanen Strafvollzuges verrichten die Gefangen für knapp 1,50€ pro Stunde Handwerksarbeiten. In den letzten Jahren ist es zudem zu einer Ausweitung der Privatisierung der Knäste gekommen, was den Strafvollzug zusätzlich immer mehr zu einem Wirtschaftsunternehmen transformiert.
Doch wird weiter versucht den Menschen zu vermitteln, der Knast helfe den Gefangenen sich zu rehabilitieren oder sich in die Gesellschaft zu reintegrieren. Die Mehrheit der Gefangenen sind jedoch Wiederholungstäter*Innen. Wenn sich die ehemaligen Gefangenen in Freiheit wiederfinden, werden sie als eben diese stigmatisiert. Auf sie warten die gleichen, wenn nicht gar erschwerte Bedingungen und Voraussetzungen um sich wieder ein vermeintlich selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Auch das sollte zeigen, dass Knast keine Lösung für soziale Probleme ist.
Die totale Unterwerfung in Form von permanentem Zwang und allgegenwärtiger Kontrolle erzeugen ein Ohnmachtsgefühl einhergehend mit dem Gefühl des hilflosen Ausgeliefert-Seins an die Gefängnisstrukturen. Dies führt dazu, dass ein Reflexionsprozess gar nicht erst stattfinden kann. Bewiesenermaßen werden in Gefängnissen Unterdrückungsmechanismen sogar noch gefördert. Wenn es darum geht, die geeignetsten Voraussetzungen für den Prozess der Selbstreflexion eines Individuums zu schaffen, so ist das Gefängnis mit Sicherheit der Faktor, der dies am ehesten behindert.

Die Perspektive
So lange die gesellschaftlichen Verhältnisse von Ausbeutung und Herrschaft nicht grundlegend verändert werden, hat die sofortige Schließung von gefängnisähnlichen Anstalten wenig Sinn. Es geht uns darum, auf die sozialen Verhältnisse aufmerksam zu machen und die Verhältnisse zu kritisieren, die Menschen dazu zwingen „kriminell“ zu werden. Es geht uns auch nicht um eine kompromisslose Solidarisierung mit allen Gefangenen, sehr wohl solidarisieren wir uns dennoch mit den Kämpfen um bessere Bedingungen innerhalb der Knäste!
Wir streben eine Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Herrschaft an. In der jeder Mensch nach den eigenen Bedürfnissen leben kann und in der es keinerlei Beschränkungen der globalen Bewegungsfreiheit gibt. Das Gefängnis ist hierbei nur eine von einer Vielzahl von Einrichtungen, welche dieses System am Laufen halten und dazu dient Menschen zu erziehen und zu kontrollieren.

FÜR EINE LINKSRADIKALE PERSPEKTIVE!

Antifaschistisches Komitee Bremen im Dezember 2011

Quelle: antifa-komitee.org

Dem Kapitalismus keinen Frieden gönnen! Interview zur Silvesterdemo in Stuttgart

Ein Interview mit AktivistInnen der Demo-Organisation der diesjährigen Silvesterdemonstration am 31.12. in der Stuttgarter Innenstadt.

Zum Jahresabschluss 2011 soll es am Silvesterabend eine revolutionäre Demo durch die Stuttgarter Innenstadt geben. Mobilisiert wird zur Demo unter dem Motto „No Justice, No Peace – Kampf der Klassenjustiz!“. Ihr beide beteiligt euch an den Demovorbereitungen. Erzählt mal was dahinter steckt!

Simon: Hallo erstmal! Mit dem Demomotto hast du fast Recht. Was du vergessen hast ist die wichtige Schlussparole „Für ein revolutionäres 2012!“.

Isi: Genau, die Demo richtet sich zwar klar gegen die zunehmenden Angriffe des Staates auf linke Bewegungen, soll aber in ihrer Ausrichtung nicht in dieser defensiven Haltung stehen bleiben.
Wir wollen vielmehr deutlich machen, dass der einzig richtige Umgang mit der staatlichen Repression der konsequente Kampf dagegen ist. Das heißt natürlich auch, die Hintergründe und die Motive der Angriffe gegen uns zu verstehen und zu bekämpfen: Der repressive Staat muss als aufgerüsteter Apparat zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft begriffen werden.

Simon: Und diese Herrschaft äußert sich im Kapitalismus nuneinmal in der wirtschaftlichen und politischen Macht einer kleinen Klasse von Besitzenden und Profitierenden mit einer Justiz, die dazu gemacht ist, diesen Status aufrecht zu erhalten. Ihr gegenüber steht aber die große Bevölkerungsmehrheit, die vom Besitz der Wenigen abhängig gehalten wird. Sie darf ohne nennenswerten Einfluss auf die eigenen Lebensbedingungen und gesellschaftliche Mitbestimmung dahinvegetieren. Das herrschende Rechtssystem ist darauf ausgelegt, jedes eigenmächtige Handeln dieser Mehrheit, das die Eigentums- und Machtverhältnisse untergräbt, konsequent zu bestrafen und zu unterbinden. Dabei ist ganz egal ob die „Täterinnen und Täter“ aus Verzweiflung, Wut oder Überzeugung handeln.
Dieses System ist organisierte Ungerechtigkeit und Entmündigung. Unsere Antwort lautet daher: Solange der Kapitalismus besteht, werden wir ihm keinen Frieden gönnen!
No Justice, No Peace….

OK, und warum soll die Demo genau am 31. Dezember stattfinden?

Isi: Das Silvesterdatum haben wir gewählt, um den Rückblick auf das Jahr 2011 mit all seinen politischen Erfolgen und Rückschlägen mit dem kämpferischen Ausblick auf kommende Zeiten zu verbinden. Was bietet sich da besser an, als der Abend des Jahreswechsels?

Ihr habt Anfangs von zunehmenden staatlichen Angriffen gesprochen und redet nun von Rückschlägen. Was meint ihr damit konkret? Denkt ihr nicht, dass eine Aktion mit so einer Schwerpunktsetzung bei vielen Leuten eine eher demotivierte Stimmung erzeugen könnte?

Simon: Zum ersten Teil der Frage: Im Demoaufruf haben wir ja einige Beispiele für wichtige politische Aktionen im Jahr 2011 aufgelistet, die mit heftigen Repressionsschlägen des Staates beantwortet wurden. Die Masseningewahrsamnahmen bei den Protesten gegen den Nazigroßaufmarsch am 1.Mai in Heilbronn zum Beispiel, oder die gewalttätigen polizeilichen Angriffe auf antirassistische Proteste Anfang Juni in Stuttgart und die anschließende Inhaftierung unseres Genossen Chris machen ganz anschaulich, welcher Umgang mit fortschrittlichen Bewegungen aktuell in diesem Staat gepflegt wird….

Isi: Auch wenn diese Einsicht erstmal nicht besonders erfreulich ist, denken wir nicht, dass du mit deiner Befürchtung recht hast. Die Tendenz ist doch die, dass sich langsam aber sicher immer mehr Leute über die herrschenden Zustände und den Sicherheitsapparat empören und nicht mehr alles widerspruchslos hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird. Linke Bewegungen, zum Beispiel im Bereich des Antimilitarismus oder des Antifaschismus, bauen wieder an Aktionismus und Effektivität auf. Eine Aktion, die staatliche Gegenangriffe offen anspricht und ins Visier nimmt sorgt für wichtige Impulse und ein größeres Selbstbewusstsein im Umgang mit staatlichen Konfrontationen. Demotivierend ist es hingegen, wenn jede und jeder sich allein damit herumschlagen muss.

Lassen sich die Schwerpunkte der Repression klar bestimmen? Wo schlägt der Staat besonders hart zu?

Simon: Interessant ist, dass gerade öffentlichkeitswirksame Kampagnen und Aktionen, die an wichtige aktuelle Diskurse anknüpfen sich ganz besonders im Fadenkreuz der Repression befinden. Sobald viele politische Akteure aus der Linken gemeinsam handeln und sich auf verschiedenen Ebenen Gehör verschaffen, werden sie zum Angriffsziel, das politisch delegitímiert und in der Praxis arbeitsunfähig gemacht werden soll. Beispiele sind etwa die antifaschistische Arbeit gegen den diesjährigen Naziaufmarsch in Dresden, oder die wiedererstarkenden Proteste gegen Atomkraft und Castortransporte.
Ganz kurz könnte man sagen, dass der Umfang der staatlichen Angriffe für uns auch ein Anzeichen dafür sein kann, dass unsere Politik genau dort trifft, wo sie es auch soll. Wir würden irgendetwas grundlegend falschmachen, wenn die Herrschenden kein Problem mit unserer Arbeit hätten!


Ihr wollt also am Jahresende noch einmal deutlich machen, dass die Repression ein Problem ist, dem man nicht aus dem Weg gehen kann und darf, für dessen Abwehr und Überwindung es aber Möglichkeiten gibt…

Isi: Klar, die Repression fordert uns dazu heraus, immer bessere Schutzmechanismen zu entwickeln, also mit einer offensiven Antirepressionsarbeit zu antworten!

Simon: Der einzig nachhaltige Weg, die staatliche Repression zu beenden bleibt aber die Perspektive der sozialen Revolution! Nur der Kampf für eine solidarische Gesellschaft, in der Alle bewusst an der Organisation und der Weiterentwicklung ihrer Lebensumstände teilhaben, wird soziale Unterdrückungsmaßnahmen eines Tages unnötig machen. Die Klassenjustiz kann erst dann überwunden werden, wenn wir auch die Klassenherrschaft an sich angreifen!

Noch irgendwelche Ergänzungen?

Isi: Kommt zur Demo und macht gemeinsam mit uns deutlich, dass wir weiterkämpfen – egal was die Gegenseite auch gegen uns in Stellung bringen mag. Bringt Transparente, Fahnen und kämpferische Stimmung mit! Samstag, 31. Dezember um 17:00 Uhr auf dem Marienplatz im Stuttgarter Süden.

Simon: Was gibt es Besseres, als den Auftakt ins neue Jahr mit denjenigen auf der Straße zu verbringen, die auch sonst neben dir stehen und zusammenhalten, wenn es um den Kampf für eine bessere Gesellschaft geht?

Aufrufe, weitere Hintergründe und aktuelle Infos zur Silvesterdemo findet ihr hier: silvesterdemo0711.tk

Quelle: Linksunten.Indymedia

Protestaktion gegen LIDL-Filiale in Bochum-Laer am 19.12.2011

Am Abend des 19. Dezember 2011 hat das Allgemeine Syndikat der FAU Dortmund mit Unterstützung von solidarischen Aktivisten und FAUistas aus Bochum und NRW eine Protestaktion vor der Lidl Filiale in Bochum Laer durchgeführt. Anlass war die fristlose Kündigung eines dort beschäftigten Auszubildenden, der in der FAU Dortmund organisiert ist. Zum Inhalt der Auseinandersetzung s.u.

Dabei wurden eine große Anzahl Flugblätter mit dem Titel „Lidl-Azubis als billige Arbeitskräfte“ an interessierte Kundinnen und Kunden verteilt und den Einwohner_innen der umliegenden Wohnblocks zur Kenntnis gebracht. Dort hieß es u.a.: „Wir fordern ein Ende der Arbeitshetze, kürzere Arbeitszeiten und bessere Bedingungen für alle Auszubildenden bei LIDL und im gesamten Einzelhandel.“

Gespräch mit KundInnen vor der Lidl-Filiale in Bochum-LaerVom enormen Arbeitsdruck der Lidl-Bediensteten, bekamen die angereisten Genoss_innen der Protestaktion einen Eindruck, als erst nach etwa einer halben Stunde ein einzelner Lidl-Bediensteter hektisch vor dem Eingang auftauchte, vor dem die Genoss_innen mit Transparent und Fahnen in Aufstellung gegangen waren und Gespräche mit den Kund_innen führten. Er verwies die Genoss_innen eiligst des Lidl-Geländes, indem er mit dem unverzüglichen Einschalten der Polizei drohte. Auf eine Stellungnahme zu den Vorgängen in der Filiale angesprochen, meinte er nur, er werde sicherlich keine Stellungnahme abgeben, außerdem er habe ja noch nicht einmal das Flugblatt komplett gelesen. Da dieses sehr knapp und klar formuliert war, dürfen wir das wohl als weiteren Hinweis auf die entspannten Arbeitsbedingungen bei Lidl werten;-) Auch erhielt er den Hinweis, dass er als Beschäftigter doch selbst einmal in eine Lage geraten könnte, in der er solidarische Unterstützung gebrauchen kann. Dies eröffnete ihm offenbar eine völlig neue Perspektive, wie man seiner Irritation anmerken konnte. Ebenso schnell wie der Lidl-Angestellte aufgetaucht war, war er auch wieder verschwunden und bei der Arbeit.

Die Genoss_innen bezogen an der Einfahrt und damit im öffentlichem Raum wieder Aufstellung, da der bisherige Zuspruch der potentiellen Kund_innen unerwartet postitiv ausfiel und sie die Drohung mit der Polizei nicht als Grund für einen vorzeitigen Abbruch des Protestes akzeptierten. Auch vor der Einfahrt konnte eine Anzahl von Gesprächen mit potentiellen Kunden geführt werden. Zum Abschluss der Aktion wurden schließlich Flugblätter an weitere Beschäftigte der Filiale übergeben.

„Wir bieten Ihnen abwechslungsreiche und interessante Tätigkeiten im Unternehmen.“

Der in der FAU Dortmund aktive junge Gewerkschafter wurde von der – für ihre Praktiken gegenüber Beschäftigten berüchtigten – Einzelhandelskette Lidl zunächst für die Dauer von zwei Monaten als ungelernte Hilfskraft eingestellt, mit „Aussicht auf einen Ausbildungsvertrag mit dem Abschluss Einzelhandelskaufmann (IHK)“. Bereits während dieser zwei Monate lernte der Genosse schnell, was Effektivität und Effizienz bei Lidl bedeuten und wie dieses durchgesetzt wird. So hatte der Genosse oft Überstunden abzuleisten und wurde täglich mehrfach von den Vorgesetzten angehalten, dies das und jenes doch schneller zu machen, sonst würde das „wohl nichts werden mit dem Ausbildungsvertrag“.

Da unser Genosse alle Entbehrungen zunächst auf sich nahm und kein Wort der Kritik wagte, da diese im Unternehmen, entgegen den Beteuerungen der Vorgesetzten, für Kritik ein offenes Ohr zu haben, alles andere als gewünscht ist, wurde er zunächst mit dem zuvor in Aussicht gestellten Ausbildungsvertrag „belohnt“ – jedoch nicht für das Ausbildungsberufsbild „Einzelhandelskaufmann (IHK)“, das von vornherein eine dreijährige Ausbildung beinhaltet, sondern für das Ausbildungsberufsbild „Verkäufer (IHK)“, welches nur eine zweijährige Ausbildung beinhaltet. Mit in Aussicht gestellt wurde eine Verlängerung um ein Jahr bei guter Leistung, um doch noch den Abschluss als „Einzelhandelskaufmann (IHK)“ machen zu dürfen. Dieser Trick gehört zum Standardrepertoire von Arbeitgebern. Hiermit wird letztlich eine Art zweijährige Probezeit eingeführt, da der Auszubildende bis zum Ende fürchten muss, das dritte Ausbildungsjahr doch nicht absolvieren zu dürfen.

So ist auch die Einstellung des Genossen als ungelernte Aushilfe nicht als nette Geste des Arbeitgebers zu verstehen, sondern als versuchte Verlängerung der Probezeit. Der Genosse hat den Ausbildungsvertrag auch erst wenige Tage vor Ende der auf zwei Monate befristeten Beschäftigung als ungelernte Hilfskraft zugestanden bekommen. Jedoch änderten sich die Tätigkeitsfelder im Betrieb nicht im mindesten und eine Ausbildung im Wortsinn fand nicht statt.

Weiterhin hieß es hauptsächlich: wischen, kassieren, einräumen.

Ständige, verdeckte Überprüfungen der „Arbeitsqualität“ der einzelnen Mitarbeiter wie z.B. durch nicht angekündigte Testkäufe waren die Regel und führten letztlich zu dem gewünschten Resultat der außerordentlichen Kündigung. Zwar können Arbeitsverhältnisse und auch Ausbildungsverhältnisse mündlich geschlossen, aber nur schriftlich gelöst werden. So wurde dem Genossen, wenige Tage vor Ende der Probezeit mündlich die Kündigung mitgeteilt, er wurde vom Filialleiter und dem Gebietsverkaufsleiter zu seinem Spind geführt, dieser wurde geleert und er wurde hinaus geleitet. Die schriftliche Kündigung wurde erst einen Tag nach Ende der Frist, ohne Zugangsnachweis, in den Briefkasten gelegt. Offenbar rechnete Lidl nicht damit, dass sich jemand gegen diese Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen würde. Dies war jedoch nicht der Fall. Beim folgenden Schlichtungsgespräch bei der IHK Bochum, wurde der Azubi als faul und unfähig hingestellt. Das vom Rechtsanwalt des Genossen angeführte Argument, dass die schriftliche (und damit rechtsverbindliche) Kündigung nicht fristgemäß einging, wurde von Seiten der IHK beiseite gewischt, da die Gegenseite plötzlich zwei Zeugen für eine fristgerechte Niederlegung des Kündigungsschreibens vorbrachte. Dass die IHK nicht im Sinne der Arbeiter und Arbeiterinnen handelt, sondern vielmehr eine Vertretung von Arbeitgeberinteressen ist, wurde hier nochmal eindringlich unter Beweis gestellt und der Antrag des Genossen auf Rücknahme der Kündigung abgewiesen.

Die geschilderten Vorkommnisse sind ein typischer Beleg für die Arbeitshetze und den erheblichen Druck, den Arbeiter_innen in Unternehmen ausgesetzt sind, welchen Profit über alles geht.

Die Aktion am Montag wurde auch durchgeführt um klar zu stellen, dass solche Machenschaften nicht unwidersprochen im Verborgenen bleiben, und um Mut für die anstehende mündliche Verhandlung der Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Bochum zu machen.

„Teamarbeit und Fairness sind bei uns selbstverständlich.“

Gegen eine Praxis, die offenbar den Phrasen des Marketings hohnspricht, haben die Azubis und die weitere Belegschaft – bisher – leider nicht ihr wichtigstes Mittel entdeckt: die Solidarität. Der geschasste Azubi und die Aktiven von Montag freuen sich sehr, wenn dies noch geschieht. Und werden den Weg zur Filiale am Bochumer Sudbeckenpfad sicher nochmal gehen.

Quelle: FAU.org

Spanien: Libertäre Schule Paideia verwüstet

Die freie Schule Paideia in Mérida (in der Autonomen Region Extremadura im Südwesten Spaniens), die die Prinzipien der libertären Pädagogik in die Praxis umsetzt, trotzt seit mehr als dreißig Jahren allen Widrigkeiten: der erste Versuch der Paideia-Gründerinnen, in Frenegal de la Sierra eine „Schule der Anarchie“ zu eröffnen, wurde Mitte der 70er Jahre vom faschistischen Franco-Regime beendet. Aber auch den parlamentarisch-demokratischen Politiker_innen der post-franquistischen transición (Übergang zur Demokratie) oder des heutigen Spaniens bleib die Schule ein Dorn im Auge, da sie jegliche Einmischung des Staates ablehnte, sich neben der Selbstverwaltung aber auch noch antisexistische, antirassistische und antikapitalistische Prinzipien auf die Fahnen geschrieben hat, diese vor allem aber auch im Schulalltag gelebt werden (weitere Infos zur Schule unter www.paideiaescuelalibre.org [englisch/spanisch] oder im Artikel von Isa Fremaux und John Jordan, online verfügbar unter http://www.schattenblick.de/infopool/sozial/paeda/spabe020.html [deutsch]). Das Engagement des Kollektivs beschränkt sich aber nicht auf den Schulalltag, denn darüber hinaus betreiben einige der Kooperativ-Mitglieder den anarchafeministischen Blog http://gritamargarita.blogspot.com, treten öffentlich bei Kongressen und antifa-Kundgebungen auf, usw.

Im November diesen Jahres wurde die Schule, die stets mit einer prekären Haushaltslage zu kämpfen hat, Opfer eines vermutlich von Neonzis begangenen nächtlichen Überfalls, bei dem ein nicht unerheblicher Sachschaden entstand. Aus Solidarität mit diesem Projekt veröffentlichen wir hier eine Übersetzung eines Artikels vom 09. November 2011 aus dem libertären Internetportal OACA (www.portaloaca.com):
„Angriff auf die freie Schule Paideia in Mérida verursacht erhebliche Schäden

Die freie Schule Paideia, auch als die „Schule der Anarchie“ bekannt, wurde bei einem Angriff in der Nacht auf Montag, den 08. November, schwer beschädigt.
Presseberichten zufolge begann eine Personengruppe, nachdem sie in den Morgenstunden das Tor zum Gelände aufgebrochen hatten, Türen und Fenster einzuschlagen, so dass sie sich Zutritt zum Hauptgebäude verschaffen konnten, wo sie aus einem Gruppenraum Farbe und Pinsel entwendeten. Damit schmierten sie draußen Drohungen wie „Sterbt!“ oder „Hurensöhne“ an Wände und Gegenstände. Schließlich steckten sie noch den Müllcontainer im Eingangsbereich in Brand. Glücklicherweise musste trotz alledem der Schulalltag zu keiner Zeit unterbrochen werden, inzwischen ist mit den Reparaturarbeiten begonnen worden.
In der Presse wird nur von „Vandalen“ gesprochen, und die Stadt Mérida bringt die Zerstörungen mit einer botellón [in Spanien bei Jugendlichen beliebtes Trinkgelage in der Öffentlichkeit, Anm. d. Übers.] in Verbindung, die an dem Abend in der Nähe gefeiert wurde. Nichtsdestotrotz scheinen die Drohungen und die extreme Gewalt auszuschließen, dass es um reine Akte des Vandalismus ging, vielmehr wird an anderer Stelle die Vermutung nahe gelegt, es könne sich bei den Tätern um Faschisten handeln, die vorsätzlich dieses alternative Projekt zum Ziel ihrer Gewalt erkoren, ohne mit der Verfolgung durch die Staatsgewalt rechnen zu müssen.
In dem Bericht heißt es weiter, die Gruppe habe anschließend noch weitere Gegenstände in der Nähe der Schule beschädigt, wie etwa Ampeln, Bänke und Mülleimer. […]“
(Quelle für die Übersetzung: http://www.portaloaca.com/articulos/contra-info/3911-un-ataque-provoca-importantes-desperfectos-en-escuela-libre-paideia-en-merida.html)

¡SOLIDARIDAD CON EL COLECTIVO DE PAIDEIA!
SOLIDARITÄT MIT PAIDEIA!

Wer Kontakt zum Kollektiv aufnehmen möchte, kann eine mail an info@paideiaescuelalibre.org senden. Wer kein spanisch spricht, kann eine mail an againstallauthorities@web.de senden, dann wird eine Übersetzung weitergeleitet.

Quelle: Indymedia

Demo gegen den Bonner Weihnachtscircus

Am 20.12.2011 fand in Bonn eine Demonstration gegen den Bonner Weihnachtscircus statt, welcher diverse Tiere in seinem Programm hat.
Ca. 40 Menschen demonstrierten am gestrigen Dienstag gegen die Tiershow des Bonner Weihnachtscircus. Zur Premiere waren viele Menschen, vor allem Familien mit Kindern, erschienen. Es wurden verschiedene, auch kindgerechte, Flyer verteilt, welche sich kritisch mit der Thematik Tiercircus auseinandersetzen.
Eine Vorführung von Menschen mit Elefantenmasken, die angekettet waren und im Kreis trotteten, sollte den Besucher_innen das Leid der Tiere verdeutlichen.
Besonders thematisiert wurde die Elefantendame Tembo, welche bei Temperaturen unter 5 Grad auf engstem Raum frieren muss, obwohl 15 Grad vorgegeben sind. Elefanten sind sehr soziale Tiere, die in Herden leben. Tembo hingegen lebt in Einzelhaltung. Sie weist bereits Verhaltensstörungen auf. So ist sie zeitweise am Weben (Weben ist eine Verhaltensstörung , die bei Elefanten in Gefangenschaft weit verbreitet auftritt. Sie zeichnet sich durch ein gleichförmiges Bewegungsmuster aus, bei dem der Elefant Vor- und Rückschritte andeutet, dabei rhythmisch mit dem Körper schaukelt und den Rüssel schwingt oder mit dem Kopf nickt).
Durch verschiedene Redebeiträge wurden die Circusbesucher_innen über die Zustände in Tiercircussen informiert. Einige entschlossen sich gegen den Besuch des Circusses.
Davon waren die Circusbesitzer_innen natürlich wenig begeistert. Sie versuchten durch provozierende Kommentare vom Thema abzulenken. Auch wurden die Demonstrant_innen mit Schneebällen beworfen.

Es wurde ein deutliches Zeichen gegen Tierausbeutung gesetzt. Nicht nur Wildtiere, sondern gar kein Tier gehört in den Circus!
Bis jeder Käfig leer steht!
Kein Applaus für Tierquälerei! Artgerecht ist nur die Freiheit!

Tierrechtsgruppe Bonn, 21.12.2011

Quelle, Bilder: Indymedia

„Juodraštis“ – eine litauische anarchistische Zeitschrift

Ende Juli 2008 wurde in Litauen das Magazin „Juodraštis“ (deutsch: „Der Entwurf“) veröffentlicht – die erste linke Zeitschrift nach der Unabhängigkeit Litauens von 1990 und gleichzeitig seit dem Beginn der Restauration kapitalistischer Verhältnisse. Die Herausgeber von „Juodraštis“ bezeichnen die Zeitschrift als Magazin außerparlamentarischer linker Politik und informeller Kultur. Die Idee der Herausgabe einer linken Zeitschrift kam litauischen Aktivisten angesichts der Voreingenommenheit offizieller Medien und der informellen Blockade linker Meinungen.

Die erste Ausgabe der Zeitschrift wurde durch kollektive Anstrengungen eines durchaus internationalen Teams vorbereitet – von Neomarxisten, Anarchisten, Syndikalisten und Autonomisten aus Litauen und anderen Ländern. Redaktion und Autoren der Zeitschrift haben versucht jeden Profit (sowohl finanziellen, als auch moralischen) sowie jegliche kommerziellen Bindungen zu vermeiden.

Die zweite Nummer von „Juodraštis“ erschien im April 2009. Den Schwerpunkt dieser Ausgabe bildeten Probleme der Diskriminierung in der Litauischen Republik, welche sich nach den Unruhen am Seimas (Anm.: litauisches Parlament) am 16. Januar 2009 zum echten Polizeistaat entwickelte. Außerdem wurden in der zweiten Ausgabe interessante Diskursmaterialien litauischer Intellektueller und Aktivisten vorgestellt, sowie kritische Kommentare über das Gedeihen eines Faschismus neuen Typs – des Postfaschismus.

Die dritte Ausgabe des Magazins wurde Anfang August 2011 veröffentlicht. In einer erweiterten Rubrik über die Krise des Kapitalismus wird versucht deren wirkliche Ursachen und antikapitalistische Lösungsmöglichkeiten dafür herauszufinden. Desweiteren werden auch Themen alternativer Bildung, inoffizieller Kultur und des wechselnden Alltags behandelt.

Die Auflage von „Juodraštis“ beträgt 500 Exemplare. Das Magazin ist im litauischen Buchhandel erhältlich, es wird auch an verschiedenen Treffpunkten der linken Szene verteilt. Darüber hinaus ist das Magazin unter der Web-Adresse: http://www.anarchija.lt/biblioteka.html#catid22 online erhältlich.

Unter dem Motto „Lese, kommuniziere, rebelliere!“ lädt die Redaktion schreibende, übersetzende, zeichnende und denkende Autoren zur gemeinsamen Entwicklung des Magazins ein. Kontakt der Redaktion: juodrastis@riseup.net

Mit freundlichen Grüßen
Die Redaktion von „Juodraštis“

Quelle: synapo.wordpress.com

Kasachstan: Polizei richtet Massaker unter ÖlarbeiterInnen an.

Seit mehr als sechs Monaten streiken in der kasachischen Provinz Mangystau tausende von ÖlarbeiterInnen gegen Ausbeutung und für höhere Löhne. Mehr als 1.000 wurden wegen des Streiks gefeuert. Am 16. Dezember griff die Polizei des diktatorischen Regimes eine Kundgebung in der Stadt Zhanaozen (Jañaözen) an. Nach Berichten von AugenzeugInnen soll es dabei bis zu 70 Tote und 700 bis 800 Verletzte unter den Streikenden und ihren UnterstützerInnen gegeben haben.

Das Massaker in Zhanaozen ereignete sich, nachdem die Polizei am ersten Tag der kasachischen Unabhängigkeitsfeiern eine Kundgebung von mehr als 3.000 Menschen mit Tränengas angriff, die sich dort versammelt hatten, um auf die Forderungen der Streikenden aufmerksam zu machen. Als DemonstrantInnen daraufhin eine Festbühne stürmten, eröffnete die Polizei das Feuer mit scharfen Waffen. Binnen zweier Stunden gab es nach Angaben von BeobachterInnen mehr als 50 Tote und hunderte von Verletzten. Im Zuge der Auseinandersetzungen zündeten DemonstrantInnen später u.a. ein Gebäude der Ölgesellschaft Uzenmunaigaz und den Sitz der Lokalregierung an.

Medien aus der Region berichteten, dass im Laufe des Tages mehr als 1.500 Soldaten mit Panzerfahrzeugen aus der Stadt Aktau nach Zhanaozen verlegt wurden. Über der Stadt kreisten am Nachmittag Hubschrauber. Das Mobilfunknetz soll nach Angaben einer österreichischen Tageszeitung zusammengebrochen sein. Oppositionelle kasachische Medien berichten hingegen, dass systemkritische Websites, soziale Netzwerke und andere Medien im Laufe des Tages gezielt vom herrschenden Nazarbayev-Regime blockiert worden seien. In der gesamten Region um Aktau sei gegen Abend keine Kommunikation mit Mobiltelefonen und kein Internetzugriff mehr möglich gewesen.

Nach dem Einfall des Militärs in die Stadt soll sich bis zum frühen Abend nach Angaben von Augenzeugen die Zahl der Toten auf mindestens 70 erhöht haben. Der Strom in Zhanaozen sei abgeschaltet worden. Gesundheitszentren in der gesamten Region hätten zu Blutspenden für die riesige Zahl von Verletzten aufgerufen.

Die Behörden selbst sprechen davon, dass es 10 Tote als Folge eines „Massenchaos“ gegeben habe, als eine Versammlung, die den Unabhängigkeitstag habe feiern wollen, von „einer Gruppe Hooligans“ angegriffen worden sei. Diese seien daraufhin von der Polizei vertrieben worden. Man werde eine Sonderkommission zur „Bestrafung der Verantwortlichen für die Proteste gegen den Staat“ einrichten. Die Berichterstattung der wenigen ausländischen Medien, die überhaupt bislang vom Massaker Notiz nahmen, beschränkt sich häufig auf die ungeprüfte Wiedergabe der offiziellen Verlautbarungen des Regimes.

Nach Angaben von socialistworld.net sind in Folge des Massakers jetzt auch ArbeiterInnen anderer Ölfirmen und Beschäftigte anderer Sektoren in einen Solidaritätsstreik getreten. Die Ölförderung rund um Zhanaozen sei komplett zum Erliegen gekommen. Im Moment würde versucht, einen Generalstreik zu organisieren. Für die kommenden Tage seien überall im Land Protestaktionen gegen das Massaker und zur Unterstützung der Streikenden geplant. In verschiedenen europäischen Städten gab es im Laufe des 16. Dezembers Protestaktionen u.a. vor kasachischen diplomatischen Einrichtungen.

Quelle: FAU.org

Der Streik der griechischen StahlarbeiterInnen geht weiter – eng poussiert von autoritären politischen Kräften

Am Dienstag, den 13. Dezember 2011 riefen die ArbeiterInnen, in Solidarität mit dem Kampf der StahlarbeiterInnen , zu einem 24-stunden Streik im gesamten Thriassio Feld (dem größten Industriegebiet Griechenlands, das sich 25 km nord-westlich von Athen, in Westattika befindet) auf.

Als Zeichen ihrer Solidarität, verbrachten einige Soligruppen am Sonnabend, den 10. Dezember, den Tag gemeinsam mit den 400 Streikenden vor den Werkstoren der Griechischen Stahlwerke (Helliniki Halivourgia).Die Vokügruppe ‘EL CHEf’ vom ImmigrantInnen Treffpunkt (Steki Metanaston, Exarchia) bereitete das Essen für die Streikenden und ihre UnterstützerInnen zu, während andere ein Rempetiko-Konzert veranstalteten.

Der Sonnabend war der 42. Streiktag der StahlarbeiterInnen. Die Streikenden fordern die Aufhebung der Pläne zur Verkürzung ihrer Arbeitszeit von 8 auf 5 Stunden und die Wiedereinstellung ihrer dutzenden MitarbeiterInnen die bereits gefeuert wurden (eine Massenentlassung von 50 ArbeiterInnen wurde schon angekündigt). Ein Streikender erklärt in einem Video zum Thema, dass es im Griechischen Stahlwerk im Verlauf der letzten 30 Jahren, in denen er in Aspropyrgos arbeitete, zu sieben Todesfällen und zu schweren Verletzungen (schwere Verbrennungen, Amputationen usw.) im zweistelligen Bereich kam.

Die Kommunikationswege zwischen den VertreterInnen der Gewerkschaft und den Fabrikbossen bleiben weiterhin offen, aber keine Seite rührt sich. Der Fabrikbesitzer Manenis droht mit weiterer Arbeitslosigkeit, sollte der Streik anhalten. Alle Streikenden halten zusammen und sind entschlossen, den Streik solange fortzusetzen, bis ihre Forderungen erfüllt werden.

Die Streikenden erhalten willkommene und beachtliche Unterstützung von Einzelpersonen und vielen verschiedenen Gruppen – in Form von Besuchen, finanziellen Spenden und gespendeten Lebensmitteln. Im Angesicht der überwältigenden Unterstützung aus breiten Teilen der Gesellschaft, fühlen sich die Streikenden dazu verpflichtet, den Streik für all jene fortzusetzen, die sie unterstützen. Landesweit werden sie von vielen beobachtet. Das Ergebnis dieses Kampfes wird ein Testlauf für die ArbeiterInnen und die kapitalistischen Bosse überall im Land. Der Mangel an Unterstützung aus der eigenen Branche verleiht ihrem Anliegen Druck. Die „Schwester“-Fabrik in Volos ist dabei, die Kurzarbeiterpläne zu akzeptieren und die VertreterInnen der Gewerkschaft in der dortigen Fabrik versagen, wenn es darum geht, auf die Rufe der Menschen im Stahlwerk zu reagieren. Als die Streikenden dazu befragt wurden, ob sie neben der Rückkehr an ihren Arbeitsplatz unter besseren Arbeitsbedingungen auch Pläne zur Aneignung der Fabrik hätten, antworteten sie, dass sie keine solche Intentionen verfolgten. Andere empfinden es als total unmöglich, hier eine Wiederholung der argentinischen Ereignisse zu vollziehen, da der großindustrielle Besitzer der Fabrik Teil eines Monopols ist, das nicht nur die Produktion sondern auch noch weitere wichtige Segmente die mit der Stahlbranche in Verbindung stehen (z. B. Bau und Logistik), miteinschließen.

Ob wir diesen Standpunkt nun teilen mögen oder nicht, die Herausforderung liegt darin, den Streik in den Händen der ArbeiterInnen zu halten. Ihre Ziele sind einfach und richten sich spezifisch auf die Fabrik. Dennoch erleben sie auch die Verbindung zwischen ihrem Kampf und all jenen der regionalen und migrantischen ArbeiterInnen in Griechenland gegen die Bosse, zu einer Zeit, da die ökonomische Krise offenkundig als Waffe gegen unser aller Leben eingesetzt wird. Diese Verbindung – zwischen dem spezifischen und dem breiten Kampf – macht es schwierig, den Streik „im Besitz“ der ArbeiterInnen selbst zu behalten.

Trotzdem die ArbeiterInnen auf regelmäßigen Versammlungen der gesamten Fabrik ihre eigenen Beschlüsse fassen, wetteifern verschiedene politische Gruppen darum, dem Streik ihre politische Ideologie aufzudrücken und ihn zum Banner ihrer Ausverkaufspolitik zu machen. Das konnte am Sonnabend bei den Soliaktionen sehr gut beobachtet werden, als ein Bus mit Delegierten der PAME (“Militante Front aller ArbeiterInnen”) in die Fabrik ankam, sie ihre Parolen grölten und Flaggen schwenkten, was einE ArbeiterIn folgendermaßen kommentierte: „Wir [Streikenden] begannen als ArbeiterInnen aber jetzt sind die politischen Parteien gekommen…“

Es muss klar sein, dass autoritäre Kräfte wie z. B. PAME und KKE selbst („Kommunistische“ Partei Griechenlands) die Streiks von Anfang an abgewürgt haben, da sich unter den Streikenden auch viele StalinistInnen befinden. Ein bezeichnender Artikel war im Umlauf, der die Worte von Maria Deli zitiert, die als Frau dargestellt wird, die im Namen „der Ehefrauen der Halivourgias Arbeiter spricht“. Sie erklärt, dass sie in ihrem Kampf von Anfang an durch die PAME unterstützt werden. Ihre emotionale Rede findet sich auch auf Indymedia Athen (wie hier), wurde allerdings zuerst in KKEs Verleumdungszeitung Rizospastis unter dem Titel: „25. November 2011: Rede, die gestern auf dem Treffen in Elefsina von Maria Deli, der Ehefrau eines streikenden Stahlarbeiters, gehalten wurde“. Hier ein kurzer Auszug: „Vom ersten Augenblick an, waren PAME und Klassenverbände auf unserer Seite, die KKE ist auf unserer Seite. Vom ersten Augenblick an, gründete sich der Kampf auf den Resolutionen und Entscheidungen der Gewerkschaften, Verbände, Förderationen, Frauen- und Jugendvereinen, Volksgremien, Arbeitslosenausschüssen, StudentInnen etc. Vom ersten Augenblick an, gab es einen Fluss der Solidaritätsbekundungen mit den ArbeiterInnen der Stahlindustrie und ihren Familien, ein Fluss der Solidarität, der langsam zu einem reißenden Strom anschwillt, der unseren Familien finanzielle Hilfe und Nahrungsmittel bringt. Wir verneigen uns vor der Größe der Solidarität innerhalb der ArbeiterInnenklasse und unseren Leuten. Wir verneigen uns vor der internationalen Solidarität aller ArbeiterInnen.“

Quelle: Contra Info