Wieder „Anarchisten“. Wieder Briefbomben. Wieder die „Informelle Anarchistische Föderation“

Ein Jahr nach den Briefbombenanschlägen in der schweizer und der chilenischen Botschaft in Rom kam es nun erneut zu einem sinnlosen Anschlagsversuch. Dieses mal sollte es den Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann treffen. Nun wurde bekannt, dass die Gruppe „Informelle anarchistische Föderation“ hinter dem Anschlag stecke.

Bereits in der Vergangenheit (wir berichteten) schickte diese angeblich „anarchistische“ Gruppe Briefbomben an Banken, Botschaften und Atomorganisationen. Dabei wurden mehrfach Personen verletzt.

Uns drängt sich die Frage auf wer oder was hinter dieser Gruppe steckt. Bereits in der Vergangenheit gab es mehrfach Aktionen „unter falscher Flagge“. Immer wieder gab es in der Geschichte Beispiele dafür, dass die Herrschenden versuchten politische Gegner zu diffamieren und/oder eine gewisse Spannung in der Gesellschaft aufrecht zuhalten: La Mano Negra, Celler Loch, Lavon Affäre, Überfall auf den Sender Gleiwitz.
Wir wissen natürlich nicht ob hinter der Gruppe „informelle anarchistische Föderation“ ein staatlicher Geheimdienst steckt oder ob es doch verwirrte Idioten sind, welche meinen sie wären Anarchisten.

Wir distanzieren uns ausdrücklich von der sogenannten „informellen anarchistischen Föderation“! Diese Gruppe ist nicht Teil der libertären/anarchistischen Bewegung und wir verurteilen ihre Taten.
Zwar werden durch das kapitalistische System täglich Menschen unterdrückt und getötet, doch ist diese Tatsache keine Legitimation für das Bauen und Versenden von Bomben. Diese „Propaganda der Tat“ ist kein Mittel um politische Ziele zu erreichen. Solche Aktionen verbreiten nur Leid und Schrecken. Diese Aktionen sind gegen die Idee des Anarchismus.
„Die wahre anarchistische Gewalt hört auf, wo die Notwendigkeit der Verteidigung und der Befreiung aufhört. Sie wird durch das Bewusstsein getragen, dass die Individuen, einzeln betrachtet, wenig oder überhaupt nicht verantwortlich sind für die Position, die Erbe und Umwelt ihnen verschafft haben.“ – Ericco Malatesta

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass diese Gruppe wahrscheinlich bewusst die gleiche Abkürzung (FAI) benutzt wie die italienische anarchistische Föderation, welche bereits seit mehreren Jahrzehnten existiert. Es handelt sich um zwei vollkommen verschiedene Gruppen. Auch die italienische anarchistische Föderation hat sich bereits in der Vergangenheit deutlich von der terroristischen „informellen anarchistischen Föderation“ distanziert, wie ihr hier nachlesen könnt: indymedia.de

anarchistischer Funke

Ein weiterer aktueller Bericht: Linksunten Indymedia


21 Antworten auf „Wieder „Anarchisten“. Wieder Briefbomben. Wieder die „Informelle Anarchistische Föderation““


  1. 1 Geschichtsstudent 09. Dezember 2011 um 9:39 Uhr

    Naja La Mano Negra passt da nicht wirklich rein, den diese gab es wirklich! Nur wurde sie eben für größer erklärt als sie war und es wurde ihnen auch Anschläge zur Last gelegt die sie nicht begangen hatte zur Rechtfertigung um brutaler gegen die andalusischen Anarchisten vorgehen zu können.

  2. 2 anna 09. Dezember 2011 um 9:48 Uhr

    http://switzerland.indymedia.org/de/2010/12/79407.shtml

    langsam wird die ganze sache lästig --- und durchschaubar, von welcher seite das ganze gesteuert wird --- „bomben erschrecken die bevölkerung, nicht deren führer*innen“ ---

  3. 3 Administrator 09. Dezember 2011 um 12:48 Uhr

    @Geschichtsstudent: Welche Quellen hast du da? Nach unseren Informationen war dies eine erfundene Organisation.

  4. 4 Geschichtsstudent 09. Dezember 2011 um 16:42 Uhr

    @Administrator
    z.B. in Strategien der direkten Aktion und der Gewaltanwendung im spanischen Anarchismus von Walther Bernecker, oder in der spanischen anarchistischen Geschichtszeitschrift Contrahistoria (in der Nr.3 ist ein langer Bericht über La Mano Negra), sowie in der Studie La Mano Negra – Memoria de una represion von Jose Luis Pantoja Antunez.

    Wie kommt ihr eig zu eurer Schlussfolgerung? Schließlich gilt es bereits seit den 1970er Jahren als erwiesen das es diese Geheimgesellschaft wirklich gab.

  5. 5 Administrator 09. Dezember 2011 um 17:29 Uhr

    @Geschichtsstudent: Beispielsweise in der Doku „Vivir La Utopia“ ist davon die Rede das die La Mano Negra real nicht existiert hat…

  6. 6 Bombi 09. Dezember 2011 um 17:32 Uhr

    klar können die bullen aktionen nachahmen und sich fai (internationale anarchistische föderation) nennen, aber ich hoffe doch, dass nicht angenommen wird, dass jede aktion die mit jenem kürzel unterschrieben wird, als eine staatsaktion „unter falscher flagge“ abgestempelt!
    siehe hierzu:
    325.nostate.net

  7. 7 Administrator 09. Dezember 2011 um 18:51 Uhr

    mit solchen theorien muss man natürlich immer vorsichtig sein. letztendlich ist aber eines viel wichtiger:

    sind briefbomben eine mittel um politische ziele zu erreichen?

    und dazu sagen wir ganz klar NEIN.

    die anarchistische bewegung muss sich dieser frage stellen.

  8. 8 Anon 11. Dezember 2011 um 18:23 Uhr

    „sind briefbomben eine mittel um politische ziele zu erreichen?

    und dazu sagen wir ganz klar NEIN.“ -> ist dummes Graswurzel- und Syndikalismusgesabbel ein Mittel um politische Ziele zu erreichen?! Wohl eher nicht… Aber die deutsche Linke war ja schon immer ein Sauhaufen von vereinnahmten und angepassten IdiotInnen, die ihre Rolle spielen. Das hört bei den AnarchistInnen nicht auf und deshalb lacht ja auch die ganze Welt.

    „Wir verurteilen diese Anschläge und distanzieren uns von dieser vermeidlich anarchistischen Gruppe. Terrorismus ist kein Weg in eine neue freie Gesellschaft.“ -> „Terrorismus“, „vermeintlich anarchistische Gruppe“, „Anschläge“. Schreibt ihr vormittags für die Bild?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Insurrektionalismus

  9. 9 Administrator 11. Dezember 2011 um 18:41 Uhr

    @Anon: Auf den Vorwurf das wir uns auf dem Nivou der Bild befinden, angepasste Idioten sind und somit konsequent zuende gedacht bürgerlich, gehen wir nicht ein…

    Es geht hier nicht um die distanzierung vom „Aufständischem Anarchismus“ noch geht es um die distanzierung von Militanz. Es geht lediglich darum das wir uns klar von der Metode der Briefbomben sowie von der „Informelle Anarchistische Föderation“ abgrenzen und deren Motive usw. hinterfragen.

  10. 10 Anon 12. Dezember 2011 um 14:38 Uhr

    „Es geht lediglich darum das wir uns klar von der Metode der Briefbomben sowie von der „Informelle Anarchistische Föderation“ abgrenzen und deren Motive usw. hinterfragen.“ Ich finde weder Methode noch diesen ominösen Verein sinnvoll! Trotzdem ist meine Solidarität für GenossInnen bedingungslos und ich betrachte Gewalt eben auch als primitivsten Ausdruck von Wut. Kritik an der Aktion ist natürlich völlig legitim und notwendig aber bitte nicht durch Entsolidarisierung mit Sprache des Systems. „Terrorismus“, „verwirrte Idioten sind, welche meinen sie wären Anarchisten“ das ist für mich Sprache und Ausdruck eines repressiven Systems, das mit aller Gewalt versucht, Aufstand und Revolte zu delegitimieren. „Diese Gruppe ist nicht Teil der libertären/anarchistischen Bewegung und wir verurteilen ihre Taten.“ Der „anarchistische Funke“ ist also Maßstab für alle AnarchistInnen weltweit?! Ein paar Damen/Herren/* aus der Bundesrepublik bestimmen jetzt also was libertär oder anarchistisch ist? Letztlich seid ihr mit eurem Pazifismustrip auf ziemlich verlorenem Posten. GenossInnen aus aller Welt, die sich anarchistisch/libertär definieren, stehen „Gewalt“ ganz anders gegenüber. (Siehe „Verschwörung der Feuerzellen“, „Revolutionary Struggle“, usw. usf.)

    Kritik an dieser Aktion hätte ganz anders aussehen müssen! Der Kapitalismus wird hier personifiziert und moralisiert. Wenn man sich mal den Rest eurer Blogeinträge anguckt, drängt sich aber die Vermutung auf, dass euch diese Tatsache nicht sonderlich interessiert. Mit eurem Verschwörungskack („Unter falscher Flagge“), eurem Pazifismusgewichse und eurer Kapitalismusanalyse könnt ihr euch doch auch der „Occupy-Bewegung“ anschließen?!

  11. 11 Administrator 12. Dezember 2011 um 15:06 Uhr

    pazifismusgewichse? xD
    briefbomben sind was anderes als mollis auf bullen werfen oder direkte aktionen. wir sind nicht auf einem pazifismustrip. wir verurteilen allerdings die „propaganda der tat“.

    terror ist kein begriff den der staat erfunden hat. terror kommt aus dem lateinischen und bedeutet „angst, schrecken“.
    briefbomben verbreiten angst und schrecken. briefbomben sind terror. denke vor allem menschen die im postwesen angestellt sind werden das auch so sehen, aber das ist der informellen FAI
    anscheinend egal. unschuldige opfer werden einfach in kauf genommen.

    klar sind wir nicht der maßstab für alle anarchisten weltweit. aber du wirst wohl auch gemerkt haben, dass wir nicht die einzigen sind, die sich von diesen schwachsinnigen briefbomben distanziert haben.

    deine kritik an den briefbomben finden wir sehr gut. tatsächlich wird dort kapitalismuskritik personifiziert. wir werden uns in zukunft dazu auch noch äußern, hatten bisher aber leider keine zeit dafür.

    es besteht durch aus die möglichkeit, dass die informelle FAI von staatlichen behörden gelenkt ist. es gab schon immer solche „false flag“ aktionen und da diese oft im nachhinein auch mit fakten belegt wurden ist es keine blinde verschwörungstheorie, dass es solche aktionen gegeben hat.
    natürlich wissen wir nicht ob die informelle FAI auch sowas ist. haben wir aber auch in dem artikel geschrieben.

  12. 12 Anon 12. Dezember 2011 um 17:03 Uhr

    „terror ist kein begriff den der staat erfunden hat. terror kommt aus dem lateinischen und bedeutet „angst, schrecken“.“

    Euch ist die Bedeutung von Sprache zu Propagandazwecken aber durchaus bewusst oder? Die Verwendung der Worte „Chaoten“ und „Anarchisten“ als Synonyme ist ein klassisches Beispiel dafür.

    Das waren jetzt erstmal meine letzten Anmerkungen ;)

    Feuer den Knästen und wir sehen uns auf der Straße ;)

  13. 13 Administrator 12. Dezember 2011 um 18:34 Uhr

    klar missbraucht der staat bestimmt ewörter für propaganda zwecke, aber wir lassen uns doch nich von igrendeinem beschissenen staat vorschreiben welche wöter wir benutzen können und welche nicht.

    wir haben terror in der eigentlichen bedeutung des wortes genutzt und sehen daher kein problem damit.

  14. 14 Anonymous 12. Dezember 2011 um 21:27 Uhr

    Anon. Sabbel hier mal nicht von Pazifismustripp, du hast doch keine Ahnung. Auch ich entsolidarisiere mich von Briefbomben, über Gewalt werde ich mit niemendem hier debattieren.

  15. 15 Anon 13. Dezember 2011 um 13:12 Uhr

    @Anonymous: Ich habe/werde hier keine Militanz-/Gewaltdebatte führen! Darum ging es auch gar nicht und auch ich finde Methode und Inhalt dieser Aktion völlig daneben! Es ging ganz grundsätzlich um einen anderen Umgang mit anderen sozialen Realitäten, die nicht die unseren sind. AnarchistInnen sollten doch versuchen, die Menschen nicht abstrakt sondern konkret als Teil eine Systems zu betrachten. Ich wollte diese Aktion also weder rechtfertigen noch gutheißen. Es war lediglich ein kleiner Appell für mehr Solidarität und mehr Verständnis.

    Im Übrigen habe ich weiter oben schon erwähnt, dass diesem „Anschlag“ ein grundlegend falsches Kapitalismusverständnis zu Grunde liegt. Insofern distanziere ich mich natürlich auch von der Aktion.

  16. 16 und 13. Dezember 2011 um 14:29 Uhr

    „ein grundlegend falsches Kapitalismusverständnis“

    Eben. Daher ist dieses publikumswirksame Distanzieren (@all) auch etwas hohl. Die Briefbomben-Anarchos halten kapitalistische Einrichtungen nicht bloß für Institutionen einer Ausbeutungsgesellschaft, sondern werfen das den Leuten, die dort arbeiten, als moralische Verfehlung vor. So kommen die auf „Terror“, Racheaktionen an Menschen und Sachen, die als Schuldige ausgemacht werden – wobei man anmerken sollte, dass i.d.R. nur die illegale Gewalt als „Terror“ gilt.

  17. 17 Anonymous 14. Dezember 2011 um 8:36 Uhr

    Es gibt inzwischen auch von insurektionalistischer Seite Kritik an Briefbomben, dennoch solidarisieren sich viele junge Leute weltweit mit den Ideen der italienischen FAI. Das ist eine Katastrophe für den Anarchismus.

    Ich jedenfalls habe keinerlei Verständnis für Briefbomben und ich verachte die Menschen, die sich mit dieser Form der Gewalt solidarisieren. Wenn AnarchistInnen glauben Moralvorstellungen und soziales, reflektiertes Handeln sind dem Anarchismus wesenfremd, haben wir ein großes Problem.

    Es gehört viel mehr Mut dazu, offen zu seiner Meinung zu stehen, anstatt aufgrund falsch verstandener Solidarität den Mund zu halten. Auch wenn ich inhaltlich mit dem Text von A-Funke nicht vollkommen konform gehe, begrüße ich die Intention.

    Es müssen Fragen gestellt werden, wie: Welchen Nutzen bringen Briefbomben? Welche Ideologie steckt dahinter? Wie gelingt es uns die NihilistInnen weltweit zu überzeugen, dass es vertretbare Aktionen eines aufständigen Anarchismus gibt und die FAI Verrat am Anarchismus begeht… Wie gelingt es uns bei den verschiedenen Strömungen Respekt und Akzeptanz für unterschiedliche Ideenansätze zu erreichen. Anarchismus zu respektvollen Umgang und Akzeptanz zu erzielen. Sollten InsurrektionalistInnen sich tatsächlich dem Holzweg der italienischen FAI als Vorbild für ihre Aktionsformen anschließen, dann verhindern sie genau diese Solidarität.

    Deshalb Anon, bist du Teil des Problems und spaltest die AnarchistInnen mit der Idee, Anarchismus und FAI müssten in irgendeiner Form solidarisch zueinander stehen. Die FAI trennt!

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