Archiv für Oktober 2012

Video:Refugee Hungerstreik Brandenburger Tor

Gespräch zwischen Einsatzleitung und Veranstalter.

Vor sechs Tagen sind in Berlin Flüchtlinge in den Hungerstreik getreten und campieren vor dem Brandenburger Tor. Trotz Minusgrade wurde den Protestierenden Verboten Schlafsäcke, Decken und Isomatten zu nutzen um sich zu wärmen. Heute am 29.10. wurde die Situation erneut durch die Einsatzleiter zugespitzt indem den Flüchtlingen nun neben Schlafsäcken und Decken auch das mitführen von Rucksäcke und zusätzliche Kleidungsstücke verboten wurde.

Die hungerstreikenden Flüchtlinge und Unterstützer_innen harren dennoch weiterhin vor dem Brandenburger Tor aus und sind gewillt dort zu bleiben, bis ihre Forderungen erfüllt werden. Kommt vorbei und unterstützt sie.


Mehr infos unter:
www.refugeetentaction.net

改道 Gǎi Dào Nr. 23 – November 2012 erschienen

改道 Gǎi Dào Nr. 23 – November 2012Download: Bildschirm-Version | Druckbare Version, S/W | Druckbare Version, Farbe | ePUB Version

Hallo Menschen,

ihr habt nun die Ausgabe Nr. 23 vor euch – die meisten wahrscheinlich auf dem Bildschirm, einige vielleicht auch auf Papier. Damit alle in den Genuss einer dauerhaften Papierausgabe kommen können, möchten wir euch an unsere Druckkampagne erinnern. Interessierte melden sich bitte direkt bei unserer Abostelle, auf der neuen Seite der Gaidao, jetzt prominent auf der komplett erneuerten Webseite des Forums deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) platziert: fda-ifa.org/gai-dao.
Ihr könnt uns aber auch praktischer zur Hand gehen. Wir sind noch auf der Suche nach Leuten, die uns 2013 für eine oder zwei Ausgaben mit Terminen füttern. Außerdem suchen wir Leute für eine Bilder-Redaktion, die sich um Bilder und Grafikmaterial für die Gai Dao kümmert. Ihr könnt uns aber so eure Bilder und Grafiken zukommen lassen :-)

Was nun diese Ausgabe angeht, so beginnen wir mit einem Nachruf auf einen Genossen aus Tschechien. Den Text verfasste die Tschechoslowakische Anarchistische Föderation (CSAF) und wurde von uns für die Gai Dao übersetzt. Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Reihe von Artikeln zum Anarchismus in Tschechien, die wir euch anlässlich des kommenden Arbeitstreffens der IFA, der Internationalen der Anarchistischen Föderationen, in der Nähe von Prag darbieten möchten.

Des weiteren widmen wir uns auch in dieser Ausgabe wieder dem aktuellen Flüchtlingsprotest. Der Schwerpunkt des Berichtes „Wehe, wenn sie losgelassen…“ liegt auf der Selbst- und Basisorganisation der Flüchtlinge. Diese Bewegung ist sicherlich eine der wichtigsten, die wir zurzeit in der BRD haben, und ist darüber hinaus sicherlich in der Lage, auf vielfältige Art und Weise inspirierend auf uns alle zu wirken.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Ausgabe ist auch das Hartz-IV-System, das wir in gleich zwei Artikeln beleuchten.

Ein Blick in die Inhaltsangabe wird euch zeigen das wir auch dieses mal noch viele weitere spannenden Artikel für euch haben. Bitte beachtet auch unsere Terminhinweise und denkt daran das Magazin auszudrucken, auf den WG-Klos auszulegen und den Link über eure Verteiler zu schicken.

Ein letzter Hinweis: Am 14. November steht der bisher größte transnationale Generalstreik in der Geschichte Europas ins Haus steht. Grund ist der soziale Kahlschlag, der von der Troika durchgeprügelt wird. Haltet Ausschau nach lokalen Aktionen und initiiert ggf. eigene kritische Interventionen.

Eure Redaktion der 改道 Gǎi Dao.

Quelle: FDA-IFA.org

Ballade vom Anarchisten Pinelli

Zum Hören: KLICK

Es war eine heiße Nacht in Mailand
so heiß, ja so heiß war die Luft
„Brigadiere, öffne das Fenster!“,
ein Stoß… und Pinelli ist tot.

„Herr Verhörer, ich sagte schon einmal
ich bin unschuldig, immer noch
Anarchie, das bedeutet nicht Bomben,
sondern Gleichheit und Freiheit dazu.“

„So ein Unsinn, gestehe, Pinelli,
dein Freund Valpreda hat alles gesagt,
er hat die Bomben gebastelt
und warst doch sicher dabei.“

„Unmöglich!“, schreit da Pinelli,
„Ein Genosse, der tut sowas nicht,
und die Schuldigen dieses Massakers,
sind die Herrschenden, aber nicht ich.“

„Pass bloß auf, Verdächtiger Pinelli,
dieser Raum hier ist schon voll Rauch,
mach nur weiter, wir öffnen das Fenster,
der vierte Stock ist verflucht hoch.“

Da ist ein Sarg und dreitausend Genoss*innen
wir umklammern die Fahnen so schwarz
in dieser Nacht da haben wir geschworen
das das noch nicht das Ende von uns war.

Und du, Guida, und du, Calabresi,
wenn ein Genosse ermordet wird,
um den Terror des Staates zu schützen,
wird unser Kampf dann erst recht weitergehen.
Es war eine heiße Nacht in Mailand / …

(mehr…)

Buchvorstellung: Schwarze Scharen – Anarchosyndikalistische Arbeiterwehr

Die Musik finden wir zwar etwas unpassend, dass Buch ist aber super!

Recht auf Stadt in Lüneburg

Im Rahmen des Aktionstages „Mietenwahnsinn stoppen – Schlaflos in HH“ am 27.10.2012 fand auch in Lüneburg eine Demo statt. In Lüneburg fehlt bezahlbarer Wohnraum – wie in Hamburg und anderen Städten auch. Insbesondere Raum für gemeinschaftliche und alternative Wohnformen fehlt. Aktuell ist das Haus Nr. 4 in der Frommestraße von Räumung bedroht. Nach dem Abriss der besetzten Frommestrasse Nr. 2 letztes Jahr und der Räumung der Frommestrasse Nr. 5 diesen Sommer soll nun am 01.11.2012 die Nr. 4 geräumt werden. Vorgeschobene Begründung der Stadt, die eine Abrissgenehmigung erteilt hat, ist eine angebliche „akute Gefährdung der Bewohner“ – obwohl noch letztes Jahr ein Gutachten die Standsicherheit des Hauses für 12 Jahre nachwies, denn das Haus wurde statisch 2004 neu gesichert. Es geht in der Frommestraße nicht darum, dass die Häuser schief sind und die Sicherheit der Bewohner_innen gefährdet ist. In Lüneburg ist jedes zweite Haus in der Altstadt schief und verzogen: Es geht schlicht um den Abriss mehrerer Wohnhäuser, die eine profitablere Bürobebauung für den Makler Salier im Moment verhindern.

Quelle: graswurzel.tv

Out now!!! Das Pamphlet Nr.3 (Zeitung der ASJ Bonn)

Es ist soweit, die dritte Ausgabe unserer Zeitung „Das Pamphlet“ ist erschienen.
Schwerpunkt sind die anarchistischen Gefangenen im Belarus, zudem gibts auch Artikel zum Tag des indigenem Widerstands, zu Asylpolitik und mehr.

Viel Spaß beim lesen wünscht euch eure ASJ

Die neue Ausgabe kannst du hier runterladen:
Download

Hier kommst du zu den älteren Ausgaben:
Klick

Quelle: ASJ Bonn

3. Treffen der AG-D‘dorf in Gründung

Nun liegt also auch schon das drit­te Tref­fen der AG-D in Grün­dung hin­ter uns. Er­freu­li­cher Weise konn­ten wir auch die­ses mal neue Leute beim Tref­fen be­grü­ßen. Ei­ni­ge Leute über­le­gen viel­leicht eine In­itia­ti­ve zur Grün­dung einer An­ar­chis­ti­schen Grup­pe (AG) in Wup­per­tal zu star­ten. Ach­tet also auf An­kün­di­gun­gen auf die­sem Blog und auf der Seite der An­ar­chis­ti­schen Fö­de­ra­ti­on Rhein­Ruhr in Grün­dung.

Das nächs­te Tref­fen fin­det üb­ri­gens am Sonn­tag den

18.​11.​2012 um
15 Uhr im
So­la­ris, Ko­per­ni­kus­str. 53, Düs­sel­dorf

statt. Wir bit­ten um / hof­fen auf zahl­rei­ches Er­schei­nen! Die­je­ni­gen von euch die nicht kom­men kön­nen, sind wie immer auf­ge­for­dert (dies­mal bis zum 16.​11.​2012) eine E-​Mail mit kur­zen State­ments zur vor­läu­fi­gen Ta­ges­ord­nung ab­zu­ge­ben und ggf um wei­te­re Top’s und State­ments zu er­gän­zen!

Schickt diese Mil ein­fach an afrrhein­ruhr

Vor­läu­fi­ge Ta­ges­ord­nung:

1. Wahl eines/r Pro­to­kol­lan­ten/in
2. ggf. Wahl einer Ver­samm­lungs­lei­tung
3. Fest­le­gung der Top’s (Rei­hen­fol­ge)
4. Vor­stel­lungs­run­de
5. Dis­kus­si­on: Eck­punk­te für das Selbst­ver­ständ­nis der AG-D i.G.
6. Dis­kus­si­on: Be­tei­li­gung der AG-D i.G. an der Demo “Es ist keine Krise, es ist das Sys­tem!” im De­zember in Mann­heim
7. Dis­kus­si­on: Be­tei­li­gung der AG-D i.G. im Jahr 2013 an der An­ti-​Wahl-​Kam­pa­gne „Ihr re­pä­sen­tiert uns nicht!“
8. Ter­mi­ne (Ruhr­ge­biet, Rhein­land, Ber­gi­sches Land)
9. nächs­tes Tref­fen der AG-D i.G.
10. sons­ti­ges

Quelle: agd.blogsport.de

Plötzlich plappern Anna und Arthur

Seit Jahren betreiben wir Server und Kommunikationsdienste für linke Gruppen, geben wir uns alle Mühe, die Server sicher zu halten, wehren wir – mit unterschiedlichen Mitteln – Anfragen von Behörden zu irgendwelchen Daten ab. Kurz: Wir versuchen im kapitalistischen Internet eine emanzipatorische Basis der Kommunikation zu bieten. Seitdem auch viele Linke Facebook „nutzen“ (oder Facebook viele Linke nutzt), sind wir jedoch verunsichert: Vielen scheint es nun nicht mehr darum zu gehen, einerseits das Internet als Ressource für linke Kämpfe zu nutzen, andererseits aber das Internet selbst als politisch umkämpftes Terrain zu verstehen und sich in diesem Kampf dazu zu verhalten. Vielmehr wird unsere politische Arbeit selbst als defizitär und anstrengend wahrgenommen. Verschlüsselte Kommunikation mit autonomen Servern scheint nicht als emanzipativ, sondern als lästig angesehen zu werden.

Disneyland

Wir hatten einfach nicht verstanden, dass es nach all dem Stress auf der Straße und den langen Gruppendiskussionen der Wunsch vieler Aktivist_innen ist, auf Facebook in Ruhe über alles, was erlebt wurde, mit allen zu quatschen. Dass Facebook eben auch für Linke die sanfteste Art der Verführung ist. Dass auch Linke es genießen, dort, wo es scheinbar nicht weh tut, den Strömen der subtilsten Form der Ausbeutung zu folgen und endlich einmal keinen Widerstand zu leisten. Das schlechte Gewissen, das viele dabei sicherlich plagt, weil sie wissen oder ahnen, welche fatalen Konsequenzen Facebook mit sich bringt, scheint hierbei keine besondere Handlungsanweisung zu erteilen.

Ist es wirklich Unwissenheit?

Um einmal kurz zu skizzieren, was das Problem ist: Mit der Benutzung von Facebook machen Linke nicht nur ihre eigene Kommunikation, Meinung, „Likes“ usw. transparent und prozessierbar. Sondern, und dies halten wir für weit folgenreicher, es werden linke Strukturen und Einzelpersonen, die selbst mit Facebook wenig oder gar nichts zu tun haben, aufgedeckt. Die Mächtigkeit Facebooks, das Netz nach Relationen, Ähnlichkeiten usw. zu durchsuchen, ist für Laien kaum vorstellbar: Mit dem Plappern auf Facebook werden für Behörden und Konzerne politische Strukturen reproduziert. Diese können dann bequem nach bestimmten Fragen durchsucht, geordnet und aggregiert werden, um präzise Aussagen nicht nur über soziale Relationen, wichtige Personen in der Mitte usw. zu produzieren, sondern auch auf der Zeitachse bestimmte Prognosen treffen zu können, die sich aus Regelmäßigkeiten ableiten lassen. Facebook ist die subtilste, billigste und beste Überwachungstechnologie neben Handys!

Linke Facebooknutzer_innen als unbezahlte V-Leute?

Wir hatten immer gedacht, es geht der Linken um etwas anderes: Die Kämpfe auch im Internet weiterzuführen. Und darum, das Internet für die politischen Kämpfe zu nutzen. Uns geht es darum – auch heute noch. Deshalb sehen wir in Facebook-User_innen eine echte Gefahr für unsere Kämpfe. Und besonders Linke auf Facebook produzieren (meist ohne zu ahnen, was sie tun) wertvolles Wissen, auf das Verfolgungsbehörden in zunehmendem Maße zurückgreifen. Wir könnten fast soweit gehen, diese Linken der Kompliz_innenschaft zu beschuldigen. Aber soweit sind wir noch nicht. Noch ist unsere Hoffnung nicht gestorben, dass sich die Einsicht einmal durchsetzt, dass Facebook ein politischer Gegner ist. Und, dass diejenigen, die Facebook nutzen, Facebook immer mächtiger machen. Linke Facebooknutzer_innen füttern erst die Maschine und legen damit Strukturen offen! Und dies ohne Not, ohne Richter_in, ohne Druck. [1]

Standpunkt

Uns ist klar, dass wir von einer gewissen Höhe herab sprechen. Da wir uns seit Jahren mit dem Netz und Computern, Systemadministration, Programmieren, Kryptographie und einigem mehr beschäftigen und teils damit unser Geld verdienen, ist Facebook quasi ein natürlicher Feind für uns. Da wir uns außerdem als Linke verstehen, addiert sich dazu noch eine Analyse der politischen Ökonomie Facebooks, in der „User_innen“ zum Produkt werden, an das gleichzeitig auch verkauft wird. In der Fachsprache heißt das „demand generation“. Uns ist klar, dass sich nicht alle mit solcher Hingabe mit dem Internet auseinandersetzen, wie wir es tun. Aber dass Linke dieses trojanische Pferd namens Facebook an ihrem Alltag teilhaben lassen, ist weniger Ausdruck von Unwissenheit als von Ignoranz an einer extrem kritischen Stelle.

Wir fordern mit allem Nachdruck alle auf: Schließt Eure Facebook-Accounts! Ihr gefährdet andere! Verhaltet Euch zu diesem Datenmonster!

Und ansonsten: Verlasst GMX und Co! Nieder mit Google! Gegen die Vorratsdatenspeicherung! Für Netzneutralität! Freiheit für Bradley Manning! Hoch die Dezentralität!

Fight Capitalism! Auch – und gerade – im Internet! Gegen Ausbeutung und Unterdrückung! Auch – und gerade – im Internet!

Nervt Eure Genoss_innen. Macht ihnen klar, dass, wenn sie Facebook füttern, sie sich echt mit der falschen Seite eingelassen haben!

nadir, im Oktober 2012

Quelle: linksunten.indymedia

Köln: „Kapitalismus macht krank…“ (28.10.)

Einladung zur Veranstaltung am 28.10.2012
ab 19 Uhr im Allerweltshaus,
Körnerstr. 77, Köln-Ehrenfeld

Profit, Effizienz, Kostenminimierung, Arbeitsverdichtung und Lohnkostensenkung sind das Credo der kapitalistischen Verwertungslogik. Mehr und mehr fordert sie unsere bedingungslose Bereitschaft und unseren Einsatz. Immer mehr Menschen finden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit unbarmherzigen Konditionen wieder.

Kaum eine_r von uns kommt entspannt von der Arbeit, sondern meistens müde und fertig. Jede_r kennt den Druck, der dort gemacht wird, unseren Soll zu erfüllen oder sogar noch zu steigern. Dabei werden wir zu Höchstleistungen und darüber hinaus angespornt. Diejenigen von uns, die ohne Rücksicht auf Verluste fleißig waren, bekommen den Bonus, die anderen haben das Nachsehen und, wenn mensch Pech hat, zusätzlich noch Probleme mit dem_der Chef_in. Wer gar nicht mehr mitkommt verliert über kurz oder lang den Job.

Aber die Peinigung gibt es nicht nur für die unter uns, die arbeiten, sondern auch für die, die keine Arbeit haben. Sie werden von der Arbeitsvermittlung von einem Job zum anderen gehetzt. Wer nicht spurt, verliert seine Bezüge vom Amt. Dabei ist es vollkommen egal, ob mensch den vermittelten Job machen möchte oder nicht.

Trotz alledem verkünden Politik und Wirtschaft eine steigende Konjunktur und niedrige Arbeitslosigkeit. Dabei bleiben immer mehr Menschen bei diesem Wettlauf um Profit auf der Strecke. Der Rest wird am Arbeitsplatz enormen psychischen Belastungen ausgesetzt, um in diesem System Schritt zu halten, wodurch die psychischen Krankheiten bei Arbeitnehmer_innen schon seit Jahren zunehmen.

Deswegen werden am 28.10 im Allerweltshaus der Psychiater Dr. Burkhard Wiebel und die Neuropsychologin Alisha Pilenko einen Vortrag über die psychosozialen Auswirkungen des Kapitalismus und die Folgen der zunehmenden Prekarisierung unserer Gesellschaft halten. Anschließend wollen wir über das Thema diskutieren und unsere eigenen Erfahrungen einbringen.

Der Eintritt ist frei, jedoch sind Spenden gerne gesehen.

Allgemeines Syndikat Köln
(Freie Arbeiter/innen-Union – Internationale Arbeiter/innen-Assoziation)

Quelle: allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de

Weissrussland: Pavel Syramolatau ist frei!

Anarchistischer Aktivist nach 620 Tagen Gefängnis entlassen, dennoch ist Solidarität immer noch notwendig

Wie wir hier bereits berichteten, sitzen seit teilweise über einem Jahr sechs Genoss*innen in weissrussischen Gefängnissen. Sie wurden im Mai vergangenen Jahres zu Haftstrafen zwischen 3 und 8 Jahren verurteilt, wegen verschiedener Proteste und angeblichen direkten Aktionen gegen Symbole des Staates, seiner Repressionskräfte und des kapitalistischen Systems.

Nach den Parlamentswahlen im vergangenen September, die der de-facto Diktator Alexsander Lukaschenko erwärtungsgemäß “für sich entschied”, sah es nicht nach einer baldigen Freilassung unserer Genoss*innen aus. Umso mehr freut uns nun die Nachricht, das zumindest einer, der 21-jährige Pavel Syramolatau, Ende September aus der Haft entlassen wurde. Er wurde gemeinsam mit den anderen im Mai 2011 zu 7 Jahren Haft verurteilt. Grund für seine Freilassung ist ein Gnadengesuch, das er aus persönlichen Gründen und unter Druck der Repressionsorgane im Juni an Lukaschenko gestellt hat.

Doch das dürfte für längere Zeit die letzte gute Nachricht dieser Art gewesen sein, so haben die noch einsitzenden Genoss*innen bereits angekündigt “lieber jeden einzelnen Tag abzusitzen, als bei Lukaschenko um Gnade zu betteln”, was eine baldige Freilassung mehr als unwahrscheinlich macht.

Deshalb sind Solidaritätsbekundungen, egal welcher Art, immer noch mehr als nötig. Ob nun Kundgebungen, Solitresen oder -konzerte, Streetart, Öffentlichkeitsarbeit oder das Verbreiten dieser Infos über eure Kanäle, jede Kleinigkeit zählt und zeigt den Genoss*innen vor Ort, egal ob im Gefängnis oder draußen, das sie nicht alleine sind.

Besonders freuen sich die eingesperrten Genoss*innen, aber natürlich auch Pavel über Briefe. Diese könnt ihr einfach über ein Formular auf der Homepage von ABC Belarus abschicken, diese kümmern sich dann um Übersetzung und Weiterleitung.

Falls ihr weitere Infos wollt, oder euch gerne solidarisch zeigen möchtet aber nicht wisst wie schreibt uns einfach an. Wir haben auch verschiedene Soli-Materialien, wie Poster, Flyer und Aufkleber, hergestellt, die wir euch gerne zuschicken. Falls ihr irgendwelche Aktionen macht, oder zufällig über welche stolpert fänden wir es super, wenn ihr uns das kurz mitteilt. Wir sammeln alle Neuigkeiten hier und sorgen gegebenenfalls dafür, dass es auch die Genoss*innen vor Ort mitbekommen.

Zur Dokumentation, hier noch die Originalmeldung aus Weissrussland:

We’re glad to announce that after 620 days in prison Pavel Syramolatau was released from prison by president pardon on September 27th. Pavel was arrested on January 17th 2011 due to attack on KGB building in Bobruisk, which was announced as solidarity action with anarchists arrested in Minsk in September 2010. In may 2011 after more than six months of investigation he was sentenced to 7 years in prison. Their action were classified by court as destruction of private property. Under pressure of colony administration he signed petition for pardon this June. Currently five more people supported by Anarchist Black Cross are in prison: Artsiom Prakapenka, Jauhen Vas’kovich, Ihar Alinievich, Aliaksandar Frantskievich and Mikalai Dziadok. All of them are strongly against petitions for pardon and ready to spend all of the sentence in the prison, rather than asking president for release. You can express words of solidarity with Pavel or guys in prison writing those to belarus_abc@risuep.net

Quelle: FDA-IFA.org