Kopenhagen: Ungdomshuset-Demo auch 8 Jahre nach der Räumung noch kampfbereit

Ungdomshuset-Demo auch 8 Jahre nach der Räumung noch kampfbereit

Vor 8 Jahren wurde das Ungdomshuset im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro geräumt, nachdem es von der christlichen Sekte Faderhuset gekauft worden war, welche das Haus kurz nach der Räumung abreißen ließ und das Grundstück weiterverkaufte. Die Räumung führte zu den größten Unruhen, die Kopenhagen seit langem gesehen hatte. Durch die aktiven Proteste konnte sich das Ungdomshuset ein Jahr später ein neues Haus erkämpfen, wenn auch deutlich unattraktiver gelegen. Aus dem alten Grundstück machten Aktivisten vor einem Jahr einen Stadtgarten, welcher jedoch bedroht ist, da der Eigentümer Procasa dieses Sahneschnittchen gerne bebauen möchte.

Grund genug auch nach 8 Jahren noch auf die Straße zu gehen, zumal die Gentrifizierung Nørrebros ungebremst fortschreitet und die Wohnungssituation in Kopenhagen eine Katastrophe für alle mit schmalem Geldbeutel ist. Auch die Repression treibt wie überall immer neue Blüten, so gab es am Vorabend im Hausprojekt Bumzen eine Soliparty für vier Aktivistinnen, welche auf Grund von Farbangriffen auf repräsentative Gebäude auf Grundlage des Terrorismusparagraphen überwacht worden waren.

Die Demo begann auf dem Blågårds Plads unter dem Motto „Intet glemt, intet tilgivet“ (Nichts vergessen, nichts vergeben). Sie zog über die zentrale Nørrebrogade hin zum altem Standort des Ungdomshusets im Jagtvej 69. Mit 300 Teilnehmern erreichte sie die übliche Größe von linksradikalen und anarchistischen Demos in Kopenhagen. Während der Demo wurde wie üblich reichlich Pyrotechnik gezündet. Am Zielort wurden dann die Spraydosen rausgeholt und wieder Feuerwerk. Dann wurde die Straßenbeleuchtung lahmgelegt und die Bullen mit Mollis angegriffen. Diese zogen daraufhin ihre Dienstwaffen. Danach deeskalierte die Situation, offiziell nur eine Festnahme.

Interessant daran ist, dass es bei den letzten linksradikalen Demos in Kopenhagen keine Mollis, dafür aber immer reichlich Festnahmen und Polizeikessel gab, während es dieses Mal genau umgedreht war. Obwohl auch diesen Sonntag das Aufgebot an sowohl uniformierten als auch an Ziften beträchtlich war.

Quelle: klick