Archiv der Kategorie 'FAU'

Krise heute, soziale Emanzipation morgen? Der Kampf um eine lebenswerte Zukunft in Spanien

Seit dem Platzen der Immobilienblase 2007, über den Wahlsieg der konservativen Partei 2011, bis zum heutigen Zeitpunkt, hat sich die Lage für die spanische Arbeiterklasse rasant verschlechtert. Zwischenzeitlich ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung erwerbslos, hunderttausende Zwangsräumungen von Wohnungen wurden vollstreckt, Betriebe geschlossen, soziale Leistungen zusammengekürzt und öffentlichen Einrichtungen privatisiert. Diese und weitere Maßnahmen haben einen großen Teil der Bevölkerung ins soziale Abseits gedrängt oder sogar ins Elend gestürzt. Gleichzeitig wurden den Banken Millionen überwiesen, um die abstrakten Interessen der Märkte zu bedienen und die Erwartungen der Troika zu erfüllen. Doch eine Reaktion aus der Gesellschaft bleibt nicht aus: Zahlreiche Konflikte gegen diese systematische Zerschlagung der sozialen Errungenschaften sind auf verschiedenen Ebenen ausgebrochen. An diesen Kämpfen beteiligt sich auch die Schwestergewerkschaft der FAU, die Confederación Nacional del Trabajo (CNT). Ihr Ziel ist jedoch nicht nur die Zurückdrängung der neoliberalen Offensive im Kapitalismus, sondern der Aufbau einer Arbeiterbewegung der es möglich ist die Gesellschaft grundlegend zu transformieren.

Zwei AktivistInnen der CNT werden die aktuelle Situation in Spanien beschreiben und auch eine Perspektive für eine mögliche soziale Emanzipation aufzeigen. Cristina Vañó war bis vor kurzem Schulungssekretärin der CNT. Lluís Rodríguez ist Ökonom und Mitarbeiter des CNT-nahe Instituts für Wirtschaftswissenschaften und Selbstverwaltung (span.: ICEA).

10.05.2013 von 19:00 bis 21:00 im FAU-Lokal, Lottumstr. 11 Berlin (U8 Rosenthaler, U2 Rosa-Luxemburg)

Quelle: FAU Berlin

FAU Berlin: Soli-Disco für den Kampf um ausstehende Bezahlung gegen die Firma Messeshop

Im Zuge der europaweiten Krise zieht es mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen in das vermeintliche Arbeitsparadies BRD. Doch auch beim europaweiten Spitzenreiter in Sachen Beschäftigung werden Unternehmensgewinne in der Regel auf den Rücken der Beschäftigten erwirtschaftet, sei es durch Dumpinglöhne oder einfach nur durch Beschiss. Wie auch in diesem Fall der durch die FAU Berlin vertretenen Kollegen, die Anfang 2012 für die Firma Messeshop auf den Messen ITB und Fruit Logistica unter prekären Bedingungen gearbeitet haben und bisher nicht bezahlt wurden. Deshalb laden wir Euch zu unserer Soliparty zur Deckung der Prozess- und Kampagnenkosten mit viel Lust und Laune in die Schreina 47 ein. Ihr werdet nicht nur mit Infomaterial zum aktuellen Fall sondern auch mit Musik der DJs Frnzk und Eno versorgt, die Eure Ohren und Beine mit ihrer legendären Berliner Kiez-Disco-Mischung bestens unterhalten und zum Tanzen bringen werden.

Wann? -05.04.2013 um 22:00
Wo? -Schreinerstr. 47, 10245 Berlin

Quelle: FAU Berlin

Dresden: Libertäre 1. Mai Demo – Wir kriegen nur wofür wir kämpfen! Organisiert Schule, Betrieb und Kiez!

An alle bezahlten und unbezahlten Hand- und Kopf-, Haus- und Reproduktionsarbeiter_innen, an alle Studierenden, Schüler_innen und Erwerbslosen, alle (Schein-)Selbstständigen ohne Angestellte – Wir fordern euch auf:

-organisiert euch in kämpferischen Basisgewerkschaften, die wirklich etwas an unserer Situation ändern wollen!

-schließt euch mit anderen Betroffenen gegen die Schikanen des Staates und seiner Institutionen (z.B. Jobcenter) zusammen!

-Lohnarbeitende, Erwerbslose und Hausarbeiter_innen, – verbündet euch gegen Arbeitszwang!

-organisiert nachbarschaftliche Hilfe und Strukturen, damit niemand mit Hausarbeit, Engpässen im Haushalt und der Betreuung von Kindern oder älteren Menschen allein stehen muss!

-bildet euch und andere!

-kämpft mit den Kolleg_innen in eurem Betrieb für bessere Verhältnisse!

-kommt zur libertären 1. Mai Demonstration:

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Griechenland: Die kapitalistische Junta schreitet voran – stoppen wir sie!

Demokratische Grundrechte gelten im zunehmend autoritären Europa immer weniger. Ein aktuelles Beispiel:

Nach einwöchigem Streik der Metrobediensteten in Athen hat die Troika-Regierung aus konservativer Néa Dimokratía, sozialdemokratischer Pasok und Dimar (Demokratische Linke) jegliche Zurückhaltung aufgegeben und am 24. Januar 2013 die Zwangsrekrutierung der Streikenden angeordnet.


[Plakat: Streik, Solidarität mit dem Kampf im Öffentlichen Nahverkehr, Alle auf die Straße]

Interview: Räumungswelle in Griechenland – Radio Dreyeckland

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Angriff auf die anarchistische Bewegung in Griechenland – Teil II

Nach kurzzeitiger Wiederbesetzung und erneuter Räumung der Villa Amalías, sowie der folgenden Erstürmung des Skaramangá-Squat am 10. Januar, gehen die Demonstrationen und Solidaritätsaktionen (nicht nur) der anarchistischen Bewegung, aber auch die staatlichen Repressionsmaßnahmen unvermindert weiter. Schon im Herbst hatte Ministerpräsident Antónis Samarás die Räumung der als „Zentren der Gesetzlosigkeit“ ausgemachten ca. 50 besetzten Parks, Räume, Läden und Häuser bis zum Jahresbeginn 2013 angekündigt. Das Ziel: die sozialen Zentren, besetzten Treffpunkte und Häuser, freien Radiostationen, Druckereien, indymedia athen, Infoläden – also die Infrastruktur der anarchistischen Bewegung – zu zerschlagen.
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Das Anarchistische Netzwerk Südwest* schließt sich dem Forum deutschsprachiger Anarchist*innen an

Auf der Vollversammlung des Anarchistischen Netzwerks Südwest* haben wir beschlossen, uns als regionale Struktur dem Forum deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA-IFA) anzuschließen.

Wir wollen damit der verstärkten Zusammenarbeit beider Organisationen in der letzten Zeit und der Tatsache, dass einige Gruppen und Personen in beiden Organisationen aktiv sind, Rechnung tragen. Außerdem streben wir eine Vernetzung und Aktivität an, die über den Südwesten* hinaus, im deutschsprachigen Raum, aber natürlich auch weltweit geht.

Die anarchistische Bewegung im deutschsprachigen Raum ist derzeit stark wie schon lange nicht mehr. Vor einigen Jahren ließen sich die anarchistischen Gruppen noch an einer Hand abzählen. In den letzten Monaten und Jahren haben sich viele neue Gruppen, und Netzwerke gegründet. Gründungen von weiteren Gruppen, aber auch regionalen Föderationen, wie die der Anarchistischen Föderation Rhein Ruhr laufen gerade.

Außerdem haben wir den Eindruck, dass das Bewusstsein, sich zu organisieren und zu vernetzen unter den Anarchist*innen im Allgemeinen gestiegen ist. Einen weiteren Schub gab dieser Entwicklung auch das internationale anarchistische Treffen in Saint Imier im Sommer diesen Jahres.

Wir hoffen durch diesen Schritt dazu beizutragen, die Organisation der anarchistischen Bewegung weiter voranzutreiben und durch das Arbeiten in hierarchielosen, föderalen Strukturen zu zeigen, dass eine herrschaftsfreie Organisation auch über größere Distanzen und mit vielen Menschen möglich ist.

Das Anarchistische Netzwerk Südwest* und die in ihm vernetzten Gruppen werden dabei natürlich weiterhin, wie alle anderen Gruppen und Föderationen im FdA, autonom bleiben und ihre lokale und regionale Arbeit wie gewohnt fortsetzen.

In diesem Sinne:
Anarchie leben – Anarchismus organisieren!

Anarchistisches Netzwerk Südwest* im Oktober 2012

Quelle: a-netz.org

Köln: „Kapitalismus macht krank…“ (28.10.)

Einladung zur Veranstaltung am 28.10.2012
ab 19 Uhr im Allerweltshaus,
Körnerstr. 77, Köln-Ehrenfeld

Profit, Effizienz, Kostenminimierung, Arbeitsverdichtung und Lohnkostensenkung sind das Credo der kapitalistischen Verwertungslogik. Mehr und mehr fordert sie unsere bedingungslose Bereitschaft und unseren Einsatz. Immer mehr Menschen finden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit unbarmherzigen Konditionen wieder.

Kaum eine_r von uns kommt entspannt von der Arbeit, sondern meistens müde und fertig. Jede_r kennt den Druck, der dort gemacht wird, unseren Soll zu erfüllen oder sogar noch zu steigern. Dabei werden wir zu Höchstleistungen und darüber hinaus angespornt. Diejenigen von uns, die ohne Rücksicht auf Verluste fleißig waren, bekommen den Bonus, die anderen haben das Nachsehen und, wenn mensch Pech hat, zusätzlich noch Probleme mit dem_der Chef_in. Wer gar nicht mehr mitkommt verliert über kurz oder lang den Job.

Aber die Peinigung gibt es nicht nur für die unter uns, die arbeiten, sondern auch für die, die keine Arbeit haben. Sie werden von der Arbeitsvermittlung von einem Job zum anderen gehetzt. Wer nicht spurt, verliert seine Bezüge vom Amt. Dabei ist es vollkommen egal, ob mensch den vermittelten Job machen möchte oder nicht.

Trotz alledem verkünden Politik und Wirtschaft eine steigende Konjunktur und niedrige Arbeitslosigkeit. Dabei bleiben immer mehr Menschen bei diesem Wettlauf um Profit auf der Strecke. Der Rest wird am Arbeitsplatz enormen psychischen Belastungen ausgesetzt, um in diesem System Schritt zu halten, wodurch die psychischen Krankheiten bei Arbeitnehmer_innen schon seit Jahren zunehmen.

Deswegen werden am 28.10 im Allerweltshaus der Psychiater Dr. Burkhard Wiebel und die Neuropsychologin Alisha Pilenko einen Vortrag über die psychosozialen Auswirkungen des Kapitalismus und die Folgen der zunehmenden Prekarisierung unserer Gesellschaft halten. Anschließend wollen wir über das Thema diskutieren und unsere eigenen Erfahrungen einbringen.

Der Eintritt ist frei, jedoch sind Spenden gerne gesehen.

Allgemeines Syndikat Köln
(Freie Arbeiter/innen-Union – Internationale Arbeiter/innen-Assoziation)

Quelle: allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de

Radtour: Märzrevolution 1920

Im März wollen wir auf einem Tagesausflug durch das westliche Ruhrgebiet und den linken Niederrhein eine Fahrradtour machen. Unterwegs wird Rudolf Mühland immer wieder über einzelne Aspekte der Märzrevolution (Generalstreik, Arbeiterräte, Arbeiterwehr, Rote Ruhrarmee, Antisemitismus, Konterrevolution und Opfer des Faschismus) referieren. Alles was ihr mitbringen müsst ist ein funktionstüchtiges Fahrrad, der Witterung angemessene Kleidung, eine Thermokanne mit heißem Getränk und Picknickkorb.

Ein genauer Termin, sowie Zeit und Ort wird noch festgelegt. – Die Tour wird den ganzen Tag dauern. – Zur besseren Planbarkeit ist es erforderlich das ihr euch anmeldet. Schickt dafür bitte eine Mail an faud1[@]fau.org mit dem Betreff 1920 und schreibt mit wievielen Personen ihr teilnehmen wollt.

Unterwegs werden wir diverse Gedekstätten besuchen. An diesen wird es Gelegenheit zur Kranzniederlage und zum Gedenken geben. Angefragt ist auch ein Musiker, der die Reise durch Raum und Zeit musikalisch begleiten soll.

Da Geschichte nur Sinn macht, wenn die Kontinuität zur Gegenwart gesehen wird, werden wir uns nicht nur mit den historischen Aspekten der Märzrevolution beschäftigen.

mehr Info’s folgen später

Quelle: FAU Düsseldorf

[NRW] Archäologie vor dem Aus

In NRW steht ein ganzer Wirtschaftszweig – ca. 350 Fachkräfte der Archäologie – vor dem Aus. Die neu gegründete Interessensgemeinschaft Archäologie meldet daher eine Demonstration in Düsseldorf an.

Archäologisches Fachpersonal wird in Fachfirmen eingesetzt, um Fundstellen zu dokumentierenund zu bergen. Für die Kosten kamen bis jetzt die Bauherren (im Rahmen der Zumutbarkeit) auf, die auf Bodendenkmälern bauten.
Mit einem Urteil des OVG Münster vom 20.09.2011 wurde diese Regelung des „Verursacherprinzips“ gekippt. Stattdessen wird die Verantwortung in die Hand der Kommunen gelegt.
Den größten Vorteil ziehen hieraus Privatfirmen, die großflächige Baumaßnahmen einleiten und nicht mehr für anfallende Kosten aufkommen müssen, die durch eine sachgerechte Dokumentation und Bergung von archäologischen Funden anfallen. Dieses deutliche Eintreten der Justiz für die Profitinteressen von Firmen, die als Bauherren handeln, lässt offensichtlich auf folgende Szenarien schließen:
Zunächst werden die Kommunen, d.h. die Steuerzahlenden, für die Kosten einer Arbeit aufkommen müssen, die wissenschaftlichen Standards genügt. Da die Kommunen selbst aber keine Gelder für diese Zwecke bereitstellen werden wollen oder auch gar nicht können, werden Fundstellen von wissenschaftlichem und kulturellem Wert rücksichtslos zerstört werden. Zugleich verliert das Fachpersonal eines ganzen Berufszweigs seine Existenzgrundlage.

Für Freitag den 29.06.2012 hat die neu gegründete „Interessensgemeinschaft Archäologie in NRW“ eine Demonstration in Düsseldorf angemeldet. Start: 10h, Düsseldorf Hbf.

Auch in diesem Fachbereich zeigt sich somit, dass die Profitmaximierung im Kapitalismus den höchsten Stellenwert hat. Kulturelle Güter, wissenschaftliche Arbeit und der Erhalt von Arbeitsplätzen sind in diesem System untergeordnet und weder für Politik noch Justiz sinnstiftende Faktoren.
Um eine Änderung dieses Zustands herbeizuführen, werden wir die herrschenden Verhältnisse überwinden müssen. Deshalb kämpfen wir für eine herrschaftsfreie, solidarische und selbstverwaltete Gesellschaft.

Wir treten ein für den Erhalt von freier Wissenschaft und Kultur.
Wir stehen solidarisch an der Seite unserer Kolleg*innen!

Freie Vereinigung Bau & Grabung
Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union Bonn

Quelle: fau-bonn.de

Demonstrieren in den Zeiten des Bank Run – Zu den «Blockupy»-Aktionstagen

«Bank Run» nennt man es, wenn verunsicherte Bankkunden in großer Anzahl die Schalter oder Geldautomaten stürmen, um ihre Ersparnisse in Bargeld zu verwandeln. Macht das eine kritische Masse an Menschen, müssen die Banken innerhalb kurzer Zeit ihre Schalter schließen. Ein «Bank Run» ist der Albtraum einer jeder Regierung, denn er ist der manifeste Beleg, dass das Finanz- und mit ihm das gesamte Wirtschaftssystem kurz vor dem Zusammenbruch steht. «Bank Run» hört sich also nicht nur so ähnlich an wie «Bank Ruin» sondern schmeckt auch ganz ähnlich. In Griechenland scheint in den letzten Tagen ein «Bank Run« seinen Anfang genommen zu haben und auch in Spanien stieg der Umfang an Bargeldabhebungen sprunghaft. Einen Run ganz besonderer Art erlebte in dieser Woche Frankfurt/Main. In der Stadt waren seit Donnerstag die meisten Geldautomaten abgeschaltet. Dies ist die Begleitmusik zu einer unglaublichen Hysterie, mit der das politische Establishment in den letzten Tagen vormacht hat, dass es gewillt ist, die vermeintlichen Bürgerrechte mit Hilfe von Polizei und Gerichtsbarkeit jederzeit außer Kraft zu setzen, wenn die Interessen der (Finanz-)Wirtschaft und der Shareholder-Value dies erfordern.

Wer seit letzten Mittwoch versuchte, aus einem der vielen Geldautomaten in der Frankfurter City Geld zu ziehen, erlebte in der Regel eine böse Überraschung. Fast alle Automaten waren abgeschaltet. Die Folge: An den wenigen noch funktionierenden bildeten sich lange Schlangen. Anders als in Athen oder Madrid waren diese Schlangen allerdings noch nicht das panische Vorspiel zu einem Bank Run, bei dem wie im Dezember 2001 in Buenos Aires die Rollgitter der Banken fallen und die Konten eingefroren werden. Bis dahin wird es wohl noch ein wenig dauern.

Die Abschaltung der Automaten in der Mainmetropole war vielmehr Teil eines Szenarios, in dem die von der CDU und den GRÜNEN gestellte Stadtregierung auf Drängen übergeordneter Behörden das Zentrum der Stadt in das Aufmarschgebiet eines Bürgerkrieges verwandelt hat. Mehr als 5.000 Polizisten, darunter große Mengen Aufstandsbekämpfungseinheiten und hunderte von Beamten in Zivil versuchten in den letzten Tagen Aktionen einiger hundert AktivistInnen von «Blockupy» zu verhindern. Was den DemonstrantInnen nicht so recht gelungen ist, hat dabei schließlich der Aufmarsch des staatlichen Gewaltmonopols zu Stande gebracht. Nix ging mehr in der City of Francfort, viele Beschäftigte freuten sich über zwei unverhoffte freie Tage ohne Zwang zur Lohnarbeit.

Weniger spaßig ist allerdings, dass die Institutionen dieses Staates im Vorfeld der angekündigten Blockade gezeigt haben, wie umstandslos sie bereit sind, die demokratische Maske fallen zu lassen und sich stattdessen die schwarzen Hasskappen der Aufstandsbekämpfungspolizei überzustreífen. Wenn es bereits jetzt, in einer Situation in der die Krisenbewältigung in diesem Lande noch halbwegs zu funktionieren scheint, möglich ist, ohne viel Federlesens und unter dem Jubel eines nicht geringen Teils der veröffentlichten Meinung, das Demonstrationsrecht faktisch außer Kraft zu setzen, ist es vermutlich angebracht, sich der letzten eventuell noch verbliebenen Illusionen über den Charakter dieses Systems zu entledigen.

Im Umfeld der geplanten Proteste wurden nicht nur faktisch alle Kundgebungen und Versammlungen verboten und diese Verbote von einer Justiz, die ansonsten eifrig darum bemüht ist, jeden Naziaufmarsch zu genehmigen, letztinstanzlich durchgewunken. Die Polizei ihrerseits hatte hunderte von potentiellen DemonstrantInnen bereits auf der Anreise gestoppt, dokumentiert, abgelichtet, erfasst, gespeichert und mit einem summarischen Aufenthaltsverbot belegt. In den Wochen davor hatte sie bereits versucht, mehr als 600 DemonstrantInnen ein Aufenthaltsverbot für Frankfurt zu erteilen. Unter díesen befanden sich auch über 400 Menschen, die von der Polizei bei der Demonstration im Rahmen des M31-Aktionstages willkürlich eingekesselt und festgenommen worden waren. Der Staatsschutz ging parallel dazu in Frankfurt Klinken putzen und versuchte Druck auf diejenigen Einrichtungen auszuüben, die Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Infrastruktur rund um «Blockupy» zur Verfügung gestellt haben. Am Samstag, dem Tag der genehmigten zentralen Demonstration, deren Verbot man jedoch schon im Vorfeld für den Fall angedroht hatte, dass es während der Blockupy-Tage doch Aktionen geben sollte, wurden die Züge auf dem Weg nach Frankfurt durchsucht und Ringe mit Straßensperren rund um die Bankenmetropole errichtet.

Angesichts der von Staat, Polizei und Medien betriebenen Hetze und der faktischen Außerkraftsetzung des Versammlungsfreiheit drängten sich älteren TeilnehmerInnen unwillkürlich Erinnerungen an das Klima der späten 70er auf. Seinerzeit gehörte es fast schon zum Alltag, dass man auf dem Weg z.B. zu einer Anti-AKW-Demonstration bei den Personenkontrollen auf den gesperrten Autobahnen erst einmal die Maschinenpistole durch die geöffnete Scheibe gehalten bekam.

Wenn schon jetzt die Aufstandsbekämpfungskonzepte mit Blick auf die Rating-Agenturen so aussehen, wie es der Staat in Frankfurt/Main getestet hat, braucht es wenig Phantasie, um sich die Sorte von „Freiheit und Democracy“ vorzustellen, der man die unzufriedene Bevölkerung im Zuge einer sich verschärfenden Krise zu unterziehen gedenkt. Über die Konzepte für den Fall massenhafter Krisenproteste tauschen sich die europäischen Fachagenturen für Aufstandsbekämpfung schon seit längerem aus.

In Frankfurt/Main dürfte das Resumée aus Sicht des polizeilichen Lagezentrums eher zwiespältig ausgefallen sein. Unter denen, die sich an «Blockupy» und der Großdemonstration am Samstag beteiligt haben, waren viele, die vornehmlich deshalb gekommen sind, weil sie ein Zeichen setzen wollten gegen die Verbote und die Einschüchterung. Politik, Polizei und Gerichte waren so die besten «Blockupy»-Promotor angesichts einer eher schleppenden Mobilisierung.

Der Polizei ist es mühelos und effizient gelungen, die Blockaden selbst durchzuführen, wenn es ihr schon nicht gelungen ist, die Demonstrationsverbote gänzlich durchzusetzen. Das wurde in höhnischen „ihr habt euch selbst blockiert“-Sprechgesängen auf der Großdemonstration immer wieder vergnügt skandiert und auf den Punkt gebracht. Zum sichtlichen Verdruss von Verwaltung und Polizei drehte sich im Verlauf der Aktionstage dann teilweise auch noch die mediale Stimmung, so dass am Ende Springers «Welt» schon fast beleidigt ein paar Böller wiederkauen musste, welche die Demo am Samstag akustisch begleiteten. Nachdem sich in der Praxis gezeigt hat, wie einfach es ist, die Staatsmacht mit ein paar wohl platzierten Aufrufen zur Selbstblockade einer ganzen Metropole zu treiben, dürfte das wohl jedenfalls nicht der letzte Anlauf zu einem solchen «Blockupy yourself» gewesen sein.

Letztlich kann man es durchaus als Erfolg werten, dass sich hunderte einen feuchten Kericht um die Demonstrationsverbote geschert haben und dass es zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten in Frankfurt/Main deutlich wahrnehmbare Proteste gegen die anhaltenden Bemühungen gegeben hat, die Kosten der Krise auf uns abzuwälzen. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Blockade-Aktionen wie die im Rahmen von Blockupy angekündigten, beherrschbar bleiben, wenn sie nur von kleinen Kreisen politischer AktivistInnen getragen werden und dass sie kaum mehr als Symbolik sein können. Eines der vielen Flugblätter, die auf der Demonstration am heutigen Samstag verteilt wurden, enthielt die Rede der FAU auf der Demo zum M31-Aktionstag. Darin wird die Notwendigkeit einer europaweit vernetzten Mobilisierung gegen das Krisenregime unterstrichen, die zwar auch in eher symbolischen zentralen Demonstrationen ihren Ausdruck finden wird, ihre Grundlage aber in der täglichen Blockade der Krisenpolitik in Betrieben und Stadtteilen entwickeln muss. So könnte aus den in den Bereich des Möglichen gerückten «Bank Runs» letztlich vielleicht ja noch ein «System Change» werden.

Quelle: FAU.org