Archiv der Kategorie 'Streik/Generalstreik'

Der 1. Mai und eine anarchistische Perspektive darauf

Dieser Text soll uns allen noch einmal ins Gedächtnis holen, welche Geschichte der 1. Mai als internationaler Feiertag hat, und, dass in der Entstehung dieses Tages ein Stück anarchistischer Historie zu finden ist.
Wir möchten mit diesem Beitrag versuchen unsere Teilhabe an diesem einen Tag der Auflehnung zu begründen und noch einmal mehr das Bewusstsein für ihn schärfen. Auch und gerade deshalb erscheint es uns wichtig uns mit dem Entstehungstag 1886 auseinander zu setzen und auf eben dessen Geschichte verweisen. Dieser Text erzählt allerdings ‚nur‘ die Geschichte der Haymarket Ereignisse, er lässt die weiteren 127 Jahre Geschichte rund um den 1. Mai außen vor, welche durchaus auch anarchistische Motivationen beinhalten.

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Greece: General Strike and clashes with the Riot Police (20-2-2013)

Impressionen vom 24h Generalstreik in Griechenland – 20.02.2013


Folgen einer Demonstration in Heraklion
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14N: Europäischer Generalstreik

Bilder und Videos von Aktionen aus ganz Europa:
theoccupiedtimes.co.uk

Generalstreik Griechenland 6. und 7.11. und die Geschichte des Anarchismus in Griechenland

Eindrücke von den Auseinandersetzungen in Athen:

Mehr Infos zur Situation in Griechenland (Englischsprachig):
Live-Updates vom 2.Tag des Generalstreiks
Einen Schritt weiter gehen viele Menschen in Heraklion (Kreta). Dort sollen Banken blockiert und Besetzungen von staatlichen Institutionen weitergehen: LINK

Anarchismus in Griechenland

Das Interesse an den sozialen Kämpfen in Griechenland steigt leider meistens nur mit dem Erscheinen solcher Szenen. Häufig taucht dann die Frage auf warum dort etwas geht was bei uns unmöglich erscheint. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, das die Auseinandersetzungen in Griechenland mehr sind als nur Randale.
Um der schlichten Begeisterung für Riots entgegen zu wirken soll hier über die historische Entwicklung des Anarchismus in Griechenland berichtet werden.
Hier geht es um die Zeit nach dem Bürgerkrieg, anarchistische Ansätze gab es auch schon davor. Das ist selbstverständlich nur ansatzweise möglich und wird mit Videos verlinkt damit es nicht so trocken ist.

Weiterlesen (und Videos gucken) unter agona.blogsport.de

14. November – Mobilisierungen, Generalstreiks, Direkte Aktionen und Solidarität!

Kürzungsmaßnahmen mehr und mehr – sie verschlechtern die Lebensverhältnisse der Arbeiter*Innen. Das Ziel ist es die Fähigkeiten der Arbeiter*Innen zur Selbstorganisation und zum Kampf zu schwächen oder ganz zu zerschlagen. Profite sind privat, die Reichen werden immer reicher, aber die Kosten, Risiken und die Schinderei wird vergesellschaftet.

Am 14. November hat die bürokratische Gewerkschaft CGTP in Portugal zu einem Generalstreik aufgerufen und in Spanien rufen die CCOO und die UGT zum Generalstreik gegen die Kürzungsmaßnahmen auf. Am gleichen Tag finden Italien, Griechenland, Malta, Zypern und anderen Ländern im Rahmen eines Aktionstages der European Trade Union Confederation (ETUC) ebenso Generalstreiks statt.

Die Position der IAA, ihrer Sektionen und Freund*Innen richtet sich nicht nur gegen die Herrschaft der „Troika“ und die Kürzungen, sondern ebenso gegen die Klassengesellschaft und gegen ein ökonomisches und soziales System, das auf der Ausbeutung durch Lohnarbeit und auf Umweltzerstörung basiert. Wir sind für die Selbstorganisation der Arbeit und die Emanzipation, deshalb bewegt sich unser Kampf außerhalb kollaborierender Strukturen.

Unsere Schwesterorganisation in Spanien, die CNT-IAA, wendet sich in einer Erklärung an die CCOO und UGT: „Nach Monaten des Zögerns hat die CCOO und die UGT zu einem Generalstreik aufgerufen, in den sie durch die steigende soziale Unruhe und die Mobilisierungen auf den Straßen einerseits und durch die Maßnahmen der Regierung zugunsten der finanziellen Elite und der Arbeitgeber anderseits hineingezogen wurden. Ihr Verhalten rechtfertigt noch nicht einmal das institutionalisierte Gewerkschaftswesen, für das sie stehen“.

Und weiter: „Die CNT hat dem Aufruf zum Generalstreik zugestimmt. Doch sie wird ihn auf ihre Weise und mit eigenen Forderungen durchführen. Dieser Streik ist notwendig, reicht aber nicht aus. Wir werden die Menschen dazu aufrufen weiter zu gehen als das sterile und frustrierende Szenario der institutionalisierten Gewerkschaften, an das sich die Menschen schon gewöhnt haben“.

Im externen Bulletin der IAA berichtet die AIT-Portugal über die ermutigenden Demonstrationen am 15. September. Es beteiligten sich ungefähr 500.000 Menschen in Lissabon und 100.000 in Porto, und es gab in mehr als 30 Städten Demonstrationen.

Seit dieser Zeit gab es nach Auskunft portugiesischer Genoss*Innen fast jede Woche Demonstrationen. Gleichzeitig sehen sie Schwächen und Widersprüche in dieser Bewegung, beispielsweise wenn lediglich kurzfristige politische Ziele, wie vorgezogene Wahlen, angesprochen werden oder wenn die Gefahren des Nationalismus nicht aufgezeigt werden oder wenn diese Bewegung lediglich Druck auf die Regierung ausüben ohne das Wachstum einer sozialen Bewegung zu fördern, deren Ziel die Selbstorganisation und ein radikaler ökonomischer und sozialer Wandel ist.

Hiermit sendet das Sekretariat der Internationalen Arbeiter*Innen Assoziation (IAA) seine Unterstützung an die Mobilisierungen der spanischen CNT und der AIT-Portugal und ruft zu weiteren Schritten auf, die notwendig sind um die direkten Aktionen und die Solidarität zu intensivieren.

In diesen Zeiten tritt offen zutage, dass die Freiheit für die Kapitalisten nichts anderes meint, als ökonomische Diktatur und Sklaverei für die Masse der Menschen. Die Sektionen der IAA und ihre Freund*Innen werden sich am 14. November mit ihren Schwesterorganisationen solidarisch zeigen und gegen die Kürzungsmaßnahmen, die Ausbeutung und Unterdrückung protestieren.

Für die Selbstorganisation der Arbeiter*Innen und die Emanzipation!
Lang lebe die IAA und der Anarchosyndikalismus!

Oslo, den 5. November 2012

Sekretariat der IAA

Aktionen in Deutschland am 14. November

Berlin: 15.00 Uhr, Pariser Platz vor Brandenburger Tor (siehe: Aufruf der FAU Berlin)

Frankfurt am Main: 18.00, Griechisches Generalkonsulat in Frankfurt/Bockenheim, Zeppelinallee/Ludolffstraße (siehe: Aufruf des NoTroika-Bündnisses)



Straßenkämpfe vom Generalstreik am 26.9. in Athen

Spanische Arbeiter/innen kämpfen gegen Sparkurs und Repression

Seit der Ankunft des Protestmarsches der streikenden Bergarbeiter in Madrid und dem gleichzeitigen Regierungsbeschluss über verschärfte Sozialkürzungen sind die Straßen des Landes seit Tagen voller Proteste. In rund 20 Städten gab es Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Sparkurs der Konservativen.

Die brutalen Angriffe auf Demonstrant/innen in Madrid am 11.07. durch die paramilitärische Guardia Civil zeigen, wie weit die Regierung bereits ist, die Schraube der Repression weiter anzuziehen. Mit Gummigeschossen und Tränengas verletzten sie dutzende Demonstrant/innen, darunter auch Alte und Kinder. Auch zahlreiche Festnahmen wurden vorgenommen und die Pressefreiheit mit Knüppeln zerschlagen.

Die Massenmedien verschweigen diese öffentliche Staatsgewalt und überlassen das Wort den Anführern der reformistischen Gewerkschaften, die weiterhin zu symbolischen Protesten aufrufen, aber grundsätzlich ihre Zustimmung zum Sparkurs der sozialdemokratischen Vorgängerregierung weiterverfolgen.

Doch zehntausende Arbeiter/innen, darunter auch Arbeitslose, Rentner/innen und Studierende, gehen Tag für Tag auf die Straßen und zeigen ihren Zusammenhalt angesicht der Milliardengeschenke an die kapitalistische Wirtschaft. Mit Massenkundgebungen und Blockaden stehen sie an der Seite der unbefristet streikenden Bergarbeiter/innen und Warnstreiks im Öffentlichen Dienst.

Die Kürzungen der öffentlichen Versorgung, sowie bei Arbeitslosengeld, Renten und Löhnen sind die Kehrseite der von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds durchgepeitschten Bankenrettung. Hohe Arbeitslosigkeit und Verdichtung der Arbeitsleistung führen massenhaft zu Depression und Verzweiflung. Daher ist es verständlich, wenn z.B. ganze Bergarbeiterdörfer in Asturien in unbefristeten Streik gehen und sich gegen die Gummigeschosse der Polizei mit Feuerwerkskörpern, Steinschleudern und brennenden Straßenbarrikaden zur Wehr setzen.

Angesichts steigender Mieten, Steuern und Preise sind nämlich die winzigen Verbesserungen schnell aufgebraucht, welche von den sozialdemokratischen Gewerkschaftszentralen (UGT und CC.OO) überhaupt erreicht werden konnten. Die Arbeitsmarktreform, die sie selbst mitgetragen haben, bedeutet konkret nur weitere Prekarisierung, Leistungsstress, Kaufkraftverlust und den Abbau sozialer Rechte, sowie eine Anhebung des Rentenalers auf 67 Jahre.

Mit Steuergeschenken und Privatisierungen wird gleichzeitig von der Volkspartei PP den Kapitalist/innen wertvolles Gemeinschaftseigentum überlassen, während die Lebensbedingungen der Bevölkerung weiter den Bach runtergehen.

Gegen diese Angriffe müsste es jedoch mehr gemeinsame Proteste und Arbeitskämpfe geben, nicht nur in den am meisten betroffenen Regionen, sondern überall auf der vom Kapitalismus globalisierten Welt. Wirksame, direkte Aktionen am Arbeitsplatz und auf der Straße können ergänzt werden durch den Aufbau einer Widerstandskultur voller Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und gegenseitiger Hilfe.

Zahlreiche Beispiele dafür finden sich nicht nur in den Geschichtsbüchern über die Spanische Revolution (1936), sondern auch heutzutage in den vielfältigen kollektiven Betrieben und Besetzungen überall auf der Welt: von Argentinien, Chile und Chiapas über die USA, Kanada, Nordafrika, Israel und Griechenland bis in die vielen europäischen und asiatischen Metropolen.

Gegen Staat und Kapital – unser Kampf ist global!

Für die soziale Revolution!

Quelle: linksunten.indymedia

Laura wieder in Freiheit!

Nach 23 Tagen Haft wurde heute Nachmittag die Organisations-Sekretärin der CGT Barcelona, Laura Gomez, aus der Haft im Untersuchungsgefängnis von Wad Ras per Gerichtsentscheid entlassen. Laura wurde gegen eine Kaution von 6.000 Euro freigelassen. Vor dem Gefängnis hatten sich mehrere hundert Unterstützer_innen versammelt, die Laura herzlich und mit Applaus in Freiheit begrüßten. Nach wie vor sind aber weitere Verfahren gegen Streikende vom Generalstreik am 29. März am laufen. Deswegen kam es heute in zahlreichen Städten Spaniens zu öffentlichen Aktionen mit der Forderung nach Einstellung dieser Verfahren. Wir werden weiter berichten.

Ein Video der Freilassung findet ihr hier: KLICK

Quelle: Syndikalismus.tk

Wohin am 1. Mai?

In vielen Ländern der Welt wird der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ begangen: Volksfeste, Fahrradtouren und hoher Alkoholkonsum bestimmen das Bild. Nur wenige nehmen an den ritualisierten Demonstrationen der etablierten Gewerkschaften teil. Kaum jemand kennt den kämpferischen Ursprung des 1. Mai als Kampftag der internationalen Arbeiter_innenbewegung. Ein Blick zurück in die Geschichte bringt längst vergessene Ziele und Träume von Arbeiter_innen ans Tageslicht, die weit über heutige Forderungen, wie z.B. Lohnerhöhungen, hinausgingen…

19. Jahrhundert: Die Situation der Arbeiter_innen in den USA

Obwohl der 8-Stunden-Tag in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon Gesetz war, wurde er von den Arbeitgeber_innen ignoriert. Mindestens 12 Stunden täglicher Arbeit und Kinderarbeit trotz gleichzeitiger hoher Arbeitslosigkeit bei den Erwachsenen waren an der Tagesordnung. Arbeitnehmer_innenrechte gab es in der Realität nicht. Gewohnt wurde in völlig überfüllten Baracken und Mietskasernen, in denen übelste hygienische Bedingungen herrschten.

Forderungen und Aktionen

Durchgesetzt wurde die gesetzliche Anerkennung des 8-Stunden-Tages durch kämpferische Streiks, bei denen immer wieder Polizei, Armee und private Sicherheitskräfte gegen die Streikenden eingesetzt wurden. In Chicago waren bei dieser Bewegung auch
anarchistische Gruppen stark engagiert. Deren Forderungen und Ziele schlossen die Überwindung des kapitalistischen Systems mit ein. Direkte Aktion und die „Propaganda der Tat“ waren ihre Kampfmittel. Sie vertrieben eigene Zeitungen und gründeten bewaffnete Arbeiter_innenorganisationen. Die Anarchist_innen waren eine treibende Kraft der Bewegung und in den Gewerkschaften verwurzelt. Im Frühjahr 1886 erreichte die Bewegung zur tatsächlichen Umsetzung des 8-Stunden-Tages ihren Höhepunkt. Die
Arbeiter_innen setzten den 1. Mai als Stichtag für dessen Verwirklichung an.

Der 1.Mai 1886, Haymarket Riot und die Folgen

Am 1. Mai streikten allein in Chicago 40.000 Arbeiter_innen für den 8-Stunden-Tag. 80.000 Menschen gingen für diese
Forderung auf die Straße. Vor der McCormick-Landmaschinenfabrik kam es am 3.Mai zu einer Auseinandersetzung zwischen Streikenden und Streikbrecher_innen. Bei dem anschließenden Polizeieinsatz wurden mehrere Arbeiter_innen getötet und unzählige verletzt.

Als Reaktion darauf riefen die Anarchist_innen für den folgenden Abend zu einer Protestkundgebung auf dem „Haymarket“ auf.
Es versammelten sich über 2000 Menschen friedlich. Kurz vor der Auflösung der Kundgebung wurden die verbliebenen 300 DemonstrantInnen ohne erkennbaren Grund von 200 Polizisten angegriffen. Bei der folgenden Auseinandersetzung detonierte in den Reihen der Polizei eine Bombe.

Ein Polizist stirbt sofort, weitere sechs erliegen in den folgenden Wochen ihren Verletzungen. Unklar bleibt, ob sie durch die Bombe oder, wie verschiedene Quellen behaupten, durch ihre wild in die Menge schießenden Kollegen verletzt wurden.

Die Repressionswelle

Bereits in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages begann die Polizei eine großangelegte Repressionswelle: es gab unzählige Hausdurchsuchungen, hunderte von Verhaftungen und Verhöre. Von Seiten der Staatsanwaltschaft gab es grünes Licht für Rechtsbrüche aller Art: „Machen sie erst die Razzien und schauen danach im Gesetz nach.“. Die Polizei zögerte nicht, selbst angelegte Waffenlager aufzudecken und diese als Beweise für eine anarchistische Verschwörung zu benutzen. Begleitet und gerechtfertigt wurden diese Machenschaften von hetzerischen Zeitungsberichten, die große Teile der Chicagoer Presse
verbreiteten. Von den unzähligen Verhafteten und auch Angeklagten wurden letzendlich acht bekannte und aktive
Anarchisten des Mordes angeklagt.

Der Prozess

„Das Gesetz klagt die Anarchie an! Diese Männer wurden anstelle von tausenden vor Gericht gestellt, nicht etwa weil sie schuldiger sind, sondern weil sie deren Anführer waren. Gentlemen! Statuiert ein Exempel an ihnen, hängt sie! Nur so retten wir unsere Institutionen, unsere Gesellschaftsordnung!“ Dieses Zitat der Chicagoer Staatsanwaltschaft sagt schon
alles über den Charakter des Prozesses aus. Voreingenommene Geschworene, gefolterte und bestochene Zeugen, fehlende Beweise und die begleitende Hetze der Presse sorgten dafür, dass der Prozess zum Schauprozess wurde und das gewünschte Urteil schnell feststand: sieben Angeklagte werden zum Tod verurteilt, einer wird zu langer Haftstrafe verurteilt. Ein erst 23 Jahre alter brachte sich im Gefängnis um und kam somit seinen Henkern zuvor. Am 11. November 1887 werden vier weitere erhängt. Zwei konnten durch Gnadengesuche an den Gouverneur eine Umwandlung des Todesurteils in eine langjährige Haftstrafe erreichen.

Die Folgen

Bereits während des Prozesses kam es zu großer Solidarität der internationalen Arbeiter_innenbewegung mit den Inhaftierten. Im Jahr 1889 wurde der 1. Mai in Verbindung mit der Generalstreikdebatte in Paris zum internationalen Kampftag der Arbeiter_innen erklärt. Dennoch verlor die starke anarchistische Bewegung in den USA völlig an Bedeutung und das Wort „Anarchie“ wird
seither von der weltweiten Öffentlichkeit mit Gewalt und Chaos in Verbindung gebracht.

Im Jahr 1893 wurde der Prozess offiziell zum Justizmord erklärt und die drei noch Inhaftierten freigelassen.

„Der Anarchismus bedeutet nicht Blutvergießen, bedeutet nicht Räuberei, Brandstiftung usw. Diese Ungeheuerlichkeiten sind vielmehr charakteristische Züge des Kapitalismus. Anarchismus und Sozialismus bedeuten Friede und Ruhe für alle.“
August Spieß aus seiner „Anklage der Angeklagten“

Kapitalistische Gegenwart und anarchistische Utopie

Die Situation der Arbeitnehmer_innen ist zumindest in den reichen Ländern des Nordens nicht mehr vergleichbar mit
den Bedingungungen am Ende des 19. Jahrhunderts. Errungenschaften, wie das Streikrecht, der 8-Stunden Tag, soziale Absicherung usw. wurden erkämpft. Seit Jahren werden diese jedoch von der kapitalistischen Realität in Frage gestellt und nach und nach zerschlagen. Unabhängig von diesen kosmetischen Verschönerungen waren die Grundstrukturen der Ausbeutung über die Jahre hinweg immer die Gleichen.

Ein Zustand der auch nicht mehr in Frage gestellt wird seit die radikale Arbeiter_innenbewegung in der Bedeutungslosigkeit versank. Heute bestimmen Diskussionen über 2% mehr oder weniger Lohn die Arbeitskämpfe. Die hierarchisch aufgebauten Gewerkschaften bieten keine Lösungen sondern sind inzwischen selbst Teil der kapitalistischen Verwertungslogik geworden.
Letzendlich wird nur an Symptomen herumgedoktert – eine grundlegende Kritik an den Ursachen und eine Utopie abseits kapitalistischer Verhältnisse findet in der breiten Öffentlichkeit nicht statt.

Aber genau das und die Umsetzung dieser Utopie ist notwendig, wenn wir eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung wollen.
Dabei können und dürfen wir nicht darauf hoffen, dass uns jemand zu dieser Utopie hinführt. Nur wenn wir aus eigener Motivation selbstorganisierte widerständige Netzwerke aufbauen, die herrschaftsfrei organisierte Alternativen aufzeigen und leben – und aus diesen heraus die kapitalistische Realität angreifen und in Frage stellen – wird unser Widerstand von Dauer sein und zu einer konkreten Bedrohung für die bestehenden Verhältnisse werden.

Dafür ist es wichtig unsere Nischenkämpfe zusammenzuführen. Egal ob soziale Kämpfe, Antifaschismus, Widerstand gegen Bildungsabbau oder Ökologiebewegung: es muss der Kampf ums Ganze sein. Denn das eine hängt mit dem anderen untrennbar zusammen.

Wir fordern alle Menschen auf, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, anstatt die Verantwortung bei Wahlen an Politiker_innen
und Funktionär_innen abzugeben.

Und jetzt?

In diesem Jahr finden im Südwesten* viele Demonstrationen und Aktionen rund um den 1. Mai statt. Hier findet ihr eine kleine Übersicht, was wann wo geht:

Mannheim: Antifaschistische Demo, danach: Naziaufmarsch verhindern! | 09:00 Uhr, Gewerkschaftshaus
Villingen-Schwenningen: Revolutionärer Block auf DGB-Demo | 10:00 Uhr, Bahnhof Schwenningen
Heilbronn: Antikapitalistischer Block auf DGB-Demo | 10:30 Uhr, DGB-Haus |
Freiburg: Sozialrevolutionärer Block auf DGB-Demo | 11:00 Uhr, Stühlinger Kirchplatz
Stuttgart: Revolutionäre 1. Mai-Demo | 11:30 Uhr, Schlossplatz
Karlsruhe: Revolutionäre 1. Mai-Demo | 13:00 Uhr, Werderplatz

Quelle: linksunten.indymedia