Anarchistischer Funke http://afunke.blogsport.de Sun, 26 Jul 2015 05:58:18 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Einstellung unseres Blogs http://afunke.blogsport.de/2015/05/14/einstellung-unseres-blogs/ http://afunke.blogsport.de/2015/05/14/einstellung-unseres-blogs/#comments Thu, 14 May 2015 19:51:19 +0000 Administrator Allgemein Texte von anarchistischer Funke http://afunke.blogsport.de/2015/05/14/einstellung-unseres-blogs/ (Update 03.06.): Ein Radio Interview mit einem von uns zur Einstellung unseres Blogs findet ihr hier: A Radio Berlin

Funke, Feuer, Flächenbrand.

Dies ist der letzte Artikel unseres Blogs „Anarchistischer Funke“. Nach sechseinhalb Jahren werden wir diesen nun einstellen.
- Aber warum denn? Und was ist dieser Anarchistische Funke? Häää?

Als wir im November 2009 angefangen haben war der Anarchistische Funke mehr als nur copy+paste von interessanten Artikeln, die wir auf anderen Internetseiten gefunden haben; das ist ja seit einiger Zeit leider die einzige Funktion dieses Blogs. Angefangen haben wir als eine kleine junge anarchistische Gruppe. Der Blog diente als Plattform zur Veröffentlichung unserer Texte und Aktivitäten. Wir waren jung und wollten unsere Gedanken und Überlegungen öffentlich dokumentieren, in der Hoffnung, dass andere junge Menschen sie lesen und sich politisieren. Wir wollten; und zum Teil ist uns das auch gelungen; einen Blog schaffen auf dem leicht verständliche Kritik über die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse als auch Texte über anarchistische Ideale und Theorien gelesen werden können. Diese sollten als Funke den Freiheitsdrang in anderen Menschen entfachen. Unseren Flyer „Anarchie ungleich Anomie“ lassen wir auch heute noch gerne auf Infoständen liegen, falls wir noch ein paar alte Exemplare davon finden.

In gewisser Weise spiegelt dieser Blog auch unsere eigene Entwicklung wieder. Über viele unserer früheren Artikel würden „erfahrene und belesene Linksradikale“ wohl einfach nur lachen; und über aktuellere vielleicht auch; manche Texte oder Textstellen würden auch wir heute wohl nicht mehr so schreiben, aber all das ist ein Teil von uns und unserer Entwicklung und wir sind glücklich diesen Weg gegangen zu sein. Von daher werden wir auch keine alten Artikel, die wir heute vielleicht nicht mehr gut finden, löschen. Wir waren nie perfekt und werden es auch nie sein, aber das Feuer in unseren Herzen wird nie erlischen.

Der Grund für die Einstellung dieses Blogs ist recht simpel: „keine Zeit“.
Das bedeutet aber nicht Lohnarbeit, Studium oder Partybesäufnisse. Mittlerweile gibt es so viele anarchistische, libertäre und antiautoritäre Projekte im Ruhrgebiet, die wir am liebsten alle gleichzeitig unterstützen würden. Da bleibt leider weder Zeit noch Kraft diesen niedeschwelligen Blog mit Inhalten zu füttern.

Und auch wenn wir schon ein wenig traurig darüber sind, dass dieser Blog, also ein Teil von uns, nun nur noch als Onlinearchiv unserer Texte dienen wird, so blicken wir in diesem Moment mehr denn je mit voller Zuversicht in die Zukunft. Nennt uns Träumer oder Irre, Utopisten oder Spinner, aber wir haben das Gefühl, dass uns hier zumindest ein kleiner Flächenbrand bevorsteht. Nein wir sprechen nicht von Revolte oder gar Revolution. Was wir meinen ist die Entstehung einer schlagkräftigen, radikalen Bewegung, die sich allen Feinden der Freiheit entgegenstellt und gleichzeitig wirkliche Alternativen zum Bestehenden aufbaut.

Warum haben wir dieses Gefühl? Wenn wir in den letzten Jahren eines gelernt haben, dann dass Eigeninitiative und Selbstorganisation besser sind als Hoffnungen und Forderungen. Politiker sind korrupt und machtgeil und einen Messias hat es und wird es nie geben. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen wir selbst dafür sorgen. Und so wollen wir diesen letzten Artikel nutzen um euch nochmal aufzufordern aktiv zu werden und euch zu organiseren. Wir könnten diesen Text nun mit viele schönen und immernoch richtigen Sprüche wie „Allein machen sie dich ein“ oder „Bildet Banden“ beenden. Stattdessen tun wir es mit etwas mehr Pathos und Gefühl. Ein selbstgeschriebenes Gedicht, welches ziemlich gut zu diesem Ende passt und für uns einen würdigen Abschluss dieses Blogs darstellt.

Der Funke

Eine Inspiration.
Ein Gedanke.
Eine Idee.
Ein Funke.
Ein Wort.
Ein Lied.
Ein Bild.
Ein Funke.
Der Duft der Revolte liegt in der Luft.
Der Duft der dein Herz zum Rasen bringt.
Der Duft einer brennenden Barrikade.
Der Duft eines Buches voller Wissen.
Wunsch. Lied.
Inspiration. Bild.
Gedanke. Wort.

Ein Lied.
Findet den engen Weg
in dein fast taubes Gehör
wie ein kleiner Funke
auf eine Pfütze Benzin.

Ein Bild.
Dessen einmalige Schönheit
deine Augen berührt
und endlich vertreibt
was dich einst hat geblendet.

Ein Wort.
Simpel und klein
doch es beschreibt
deine endlose Suche
nach Freiheit und Liebe.

Ein Wunsch.
Allein in deinem Kopf
irrt er umher
auf der Suche
nach dem Ausgang.

Lass ihn raus!
Leg ab deine Zweifel!
Öffne deinen Kopf!
Schrei die Gedanken heraus!

Ergib dich der Explosion,
die deine Einsamkeit zerstört.

Organisationen in NRW:

Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr – http://afrheinruhr.blogsport.de/

* Anarchistische Gruppe Dortmund – http://ag-do.de/
* Anarchistische Gruppe Krefeld – http://agkrefeld.blogsport.de/
* Libertäre Gruppe aus Bochum – http://lgausbo.noblogs.org/
* Anarchistische Gruppe östliches Ruhrgebiet
* Einfach machen (Duisburg)

Anarchistisches Forum Ostwestfalen Lippe – http://afowl.noblogs.org/

Freie Arbeiter*innen Union – http://www.fau.org/

* Bielefeld – faubielefeld.blogsport.de
* Bonn – http://www.fau-bonn.de/
* Duisburg – http://duisburg.fau.org/
* Düsseldorf – http://www.fau-duesseldorf.org/
* Köln – http://allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de/
* Moers – http://www.fau.org/ortsgruppen/moers
* Münster – http://www.fau-muensterland.de/
* Solingen – http://www.fau.org/ortsgruppen/solingen

weitere Gruppen:

* Anarchistisch Syndikalistische Jugend Bonn – http://asjbonn.blogsport.de/
* Anarchistisches Forum Köln – http://anarchistischesforumkoeln.blogsport.de/
* Anarchopazifistische Jugend Köln – http://apjkoeln.blogsport.de/
* Anarchistische Gruppe Nordstadt (Dortmund)
* Eisbrecher Wuppertal – https://eisbrecherwuppertal.wordpress.com/
* Schwarze Ruhr Uni Bochum – http://schwarzerub.blogsport.de/
* Autonomes Knastprojekt Köln – http://autonomes-knastprojekt.blogspot.de/

Freiräume/Projekte/Zentren in NRW

Bielefeld:
-AJZ Bielefeld: http://ajz-bielefeld.de/

Recklingshausen:
-AKZ Recklingshausen: http://akz-re.de/

Aachen:
-AZ Aachen: http://az-aachen.de/

Köln:
-AZ Köln: http://az-koeln.org/
-SSK Köln: http://www.sozialistischeselbsthilfekoeln.de/
-TTE Bücherei Köln: http://www.tte-buecherei.de/

Mühlheim:
-AZ Mühlheim: http://www.az-muelheim.de/

Wuppertal:
-AZ Wuppertal: http://www.az-wuppertal.de/

Moers:
-Barrikade Moers: http://www.barrikade-moers.de/

Düsseldorf:
-LZH Düsseldorf: http://beta.linkes-zentrum.de/
-V6 Düsseldorf: http://vsechs.blogsport.eu/

Bochum:
-SZ Bochum: http://www.sz-bochum.de/

Siegburg:
-SJZ Siegburg: http://www.sjz.de/

Bonn:
-Buchladen Le Sabot: http://www.lesabot.de/

Dortmund:
-Langer August: http://www.langer-august.de/
-Taranta Babu: http://www.tarantababu.de/
-Black Pigeon Buchladen: http://blackpigeon.blogsport.eu/

Leverkusen:
-Kulturausbesserungswerk: http://www.kulturausbesserungswerk.de/

Krefeld:
-35 Blumen: http://www.35blumen.de/

Duisburg:
-Syntopia: http://www.syntopia.info/

Witten:
-Trotz Allem: http://trotzallem.blogsport.de/

Auch Interessant:

* Föderation Deutschsprachiger Anarchist*innen – http://fda-ifa.org/
* Anarchismus im Pott – https://www.rebelmouse.com/anarchismus_im_pott/
* Anarchismus.at – https://www.anarchismus.at/
* Contra Info – http://de.contrainfo.espiv.net/
* Radio Chiflada – http://digitalresist.blogspot.de/
* Anarchopedia – http://de.anarchopedia.org/Hauptseite
* Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis – http://audioarchiv.blogsport.de/tag/anarchismus/
* Anarchismus.de – http://www.anarchismus.de/
* Syndikalismus.tk – https://syndikalismus.wordpress.com/
* Anarchosyndikalismus.blogsport – http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/
* No Prison No State – http://noprisonnostate.blogsport.de/
* Anarkismo – www.anarkismo.net/features
* ABC Berlin – http://www.abc-berlin.net/
* Gefangenengewerkschaft – http://www.gefangenengewerkschaft.de/

Anarchistisch/Libertäre Bücher/Zeitschriften/Medien
* a propos verlag – http://www.aproposverlag.ch/
* Anares Bücher – http://www.ziegelbrenner.com/
* Assoziation A – http://www.assoziation-a.de/
* Zeitung Barrikade – https://muckracker.wordpress.com/verlag-barrikade/download/
* Contraste – http://www.contraste.org/index.php?id=6
* Direkte Aktion – https://www.direkteaktion.org/
* Edition Assemblage – http://www.edition-assemblage.de/
* Edition AV – www.edition-av.de
* Edition Nautilus – www.edition-nautilus.de/index.html
* Filmpiraten – http://www.filmpiraten.org/
* Freie Radios – freie-radios.net
* Gaidao – http://fda-ifa.org/category/gai-dao/
* Graswurzel Revolution – http://www.graswurzel.net/
* Kanal B – http://kanalb.org/
* Karin Kramer Verlag – http://www.karin-kramer-verlag.de/
* Packpapierverlag – www.packpapier-verlag.de
* Verlag Barrikade – verlagbarrikade.wordpress.com
* A-Radio Berlin – http://aradio.blogsport.de/

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Mobivideo für die 1.Mai Demonstration in Dortmund http://afunke.blogsport.de/2015/04/08/mobivideo-fuer-die-1-mai-demonstration-in-dortmund/ http://afunke.blogsport.de/2015/04/08/mobivideo-fuer-die-1-mai-demonstration-in-dortmund/#comments Wed, 08 Apr 2015 11:55:21 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/04/08/mobivideo-fuer-die-1-mai-demonstration-in-dortmund/

Alle weiteren Infos zur Kampagne und Demonstration unter 1maidortmund.noblogs.org

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Gǎi Dào Nr. 52 – April 2015 http://afunke.blogsport.de/2015/04/01/gi-dao-nr-52-april-2015/ http://afunke.blogsport.de/2015/04/01/gi-dao-nr-52-april-2015/#comments Wed, 01 Apr 2015 11:52:11 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/04/01/gi-dao-nr-52-april-2015/
Hier gehts zur Ausgabe!

Hallo Menschen,

manche Ideen benötigen Zeit, bis ersichtlich wird, wie sie umgesetzt werden können. Schon im September 2014 gab es die Idee für eine Gaidao-Sonderausgabe mit Berichten und inhaltlichen Beiträgen von der anarcha-feministischen Konferenz (AFem2014), welche Mitte Oktober 2014 in London stattgefunden hat. Diese Sonderausgabe hätte im Frühjahr 2015 erscheinen sollen, so die ersten Planungen. Die Idee konnte jedoch auf diese Weise nicht umgesetzt werden. Umso mehr freut es uns, dass wir euch in dieser Ausgabe den Start der Artikelserie zu AFem2014 ankündigen können: In dieser und den folgenden Gaidao-Ausgaben soll jeweils ein Text zur AFem2014 veröffentlicht werden – Berichte von Teilnehmenden der Konferenz, Zusammenfassungen von inhaltlichen Workshops und Diskussionen, die Bedeutung der Konferenz für die anarchistische Bewegung sowie weitere Artikel zum Thema Anarcha-Feminismus. Falls ihr an der Konferenz teilgenommen habt und selbst etwas schreiben wollt, freuen wir uns, wenn ihr Kontakt zu uns aufnehmt.
Passenderweise zum Thema Anarcha-Feminismus blickt die Libertäre Aktion Frankfurt Oder mit einem Artikel auf ihren (anarcha-)feministischen Aktionstag zum Weltfrauenkampftag.

Ein weiterer Schwerpunkt in dieser Ausgabe bildet das Thema Wahlen. Ihr findet drei Übersetzungen unserer britischen Schwesterföderation “Anarchist Federation”, die sich in ihrer Zeitschrift “resistance” mit genau diesem Thema beschäftigen. Neben einer Einschätzung zu Syriza nach der Wahl in Griechenland und einem anarchistischen Statement zu Wahlen wird auch im Artikel “Was die Frauenrechtler*innen für uns taten” ein Blick auf (anarcha-)feministische Kämpfe in der Vergangenheit geworfen.

Neben der Fortsetzung der Reihe “Auszüge aus dem ‘Anarchistischen Wörterbuch’” und weiteren spannenden Artikeln zu aktuellen und historischen Themen haben wir auch in dieser Ausgabe wieder zwei Aufrufe abgedruckt, die uns wichtig erscheinen: Zum einen der Aufruf zum anarchistischen 1. Mai in Dortmund. Zum anderen die Bewerbung zur bundesweiten Demo “Hände weg zum Streikrecht” am 18. April in Frankfurt am Main sowie einen Hintergrundartikel zum geplanten Tarifeinheitsgesetz, welches das Streikrecht in Deutschland massiv einschränkt – sollte es im Mai verabschiedet werden.

Wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!

ma für die Gaidao-Redaktiont

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Freiraumtage Dortmund 06.-12.04. http://afunke.blogsport.de/2015/03/27/freiraumtage-dortmund-06-12-04/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/27/freiraumtage-dortmund-06-12-04/#comments Thu, 26 Mar 2015 23:07:21 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/27/freiraumtage-dortmund-06-12-04/

avantizentrum.noblogs.org

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Syriza kann Griechenland nicht retten http://afunke.blogsport.de/2015/03/12/syriza-kann-griechenland-nicht-retten/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/12/syriza-kann-griechenland-nicht-retten/#comments Thu, 12 Mar 2015 11:23:42 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/12/syriza-kann-griechenland-nicht-retten/

Warum keine Wahl aus der Krise herausführt

Nach Jahren der Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen entschieden sich am 25. Januar die griechischen Wähler dafür, dass die politische Partei Syriza die Zügel des Staates in die Hand bekommt. Syriza – bestehend aus einer Koalition von Sozialisten, Kommunisten und Grünen – scheint autonomen sozialen Bewegungen wohlgesonnen; ihre Führer versprechen gegen die Sparpolitik und die Polizeigewalt vorzugehen.
Viele außerhalb Griechenlands haben von Syriza zum ersten Mal im Dezember 2008 gehört, die damals – als eine über weniger als 5% der Wähler verfügende linksradikale Gruppe – praktisch die einzige Partei war, die die Ausschreitungen nicht verdammte, die auf die Ermordung von Alexandros Grigoropoulos durch die Polizei folgten. Mittlerweile ist Syriza zur mächtigsten Partei Griechenlands geworden. Sie bekommt viele Stimmen von Wählern, die davor weniger radikale Parteien unterstützt haben – und auch von einigen, die an den Bewegungen beteiligt waren und davor überhaupt keine Parteien unterstützt haben. Sogar einige griechische Anarchisten hoffen, dass die Wahl von Syriza ihnen eine dringend benötigte Verschnaufpause gewähren wird, nach Jahren sich verstärkender staatlicher Gewalt und Unterdrückung.

Aber wird der Sieg von Syriza den Bewegungen für einen gesellschaftlichen Wandel Luft zum Atmen verschaffen – oder sie ersticken? Wir haben solche Versprechen von „Hoffnung und Wandel“ schon erlebt; namentlich als Obama die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten gewonnen hatte, aber auch als Lula und andere linke Politiker in Lateinamerika an die Macht kamen. Als Lula 2002 gewählt wurde, gab es in Brasilien einige der weltweit mächtigsten sozialen Bewegungen; sein Sieg war solch ein Rückschlag für die Graswurzelbewegungen, dass es für die Brasilianer bis 2013 brauchte, bis sie wieder eine wirkliche Herausforderung für das neoliberale Projekt aufbauen konnten, das er von seinen Vorgängern übernommen hatte.
Die Auswirkungen des Erfolges von Syriza wird man rund um die Welt spüren, besonders bei den Teilnehmern der gesellschaftlichen Bewegungen, die diese Partei repräsentieren will. Syriza nachempfundene Parteien sind überall in Europa auf dem Vormarsch. Die internationalen Finanzinstitutionen beobachten die griechische Versuchsanstalt, Millionen von Menschen, die es satt haben, auf der Verliererseite des Kapitalismus zu stehen ebenso – aber auch nationalistische und faschistische Gruppen, die hoffen, aus der Wut der Vielen Nutzen zu ziehen. Wir müssen verstehen, warum solche Parteien soviel Unterstützung erlangen, worin ihre strukturelle Rolle für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus und des Staates besteht und wie ihr Aufstieg und unvermeidlicher Fall den Rahmen des Widerstandes verschieben wird. Anarchisten müssen sich insbesondere auf intensive Kämpfe vorbereiten, die folgen werden, wenn die Lage sich ändert, sonst finden wir uns alleine wieder und in eine Ecke gedrängt.

Politische Parteien im Zeitalter der Aufstände

Armut, Arbeitslosigkeit, unerschwingliche Kosten für Bildungs- und Gesundheitswesen, Obdachlosigkeit, Hunger, von der Not erzwungene Abwanderungen, Rassismus, Kriminalisierung, Entfremdung, Demütigung, Selbstmord… Das sind nicht einfach Konsequenzen der Finanzkrise, sondern die Bedingungen, mit denen Milliarden von Prekären seit Jahrzehnten alltäglich konfrontiert sind, weil sie als Laborratten im neoliberalen Experiment dienen. Allerdings wurden durch die ungleiche Verteilung der Auswirkungen des fordistischen Kompromisses viele Europäer lange von dieser Wirklichkeit verschont, bis zum Beginn des Zusammenbruchs des Wohlfahrtsstaates im Jahr 2008.
Mit dem Beginn der Finanzkrise wurden viele, die zuvor ein relativ komfortables Mittelklassenleben führten, über Nacht in Armut gestürzt. Jahre des Aufbegehrens folgten überall in Europa – nicht nur in Griechenland, sondern auch in Island, Spanien, England und der Türkei. Fast jedes europäische Land hat nach 2008 eine breite Rebellion der Bevölkerung erlebt, bis hoch ins sozialdemokratische Schweden. Die meisten davon begannen als Bewegungen um Einzelforderungen – die Studentenrevolte in Kroatien, die Proteste gegen die Goldminen in Rumänien, die Proteste gegen Korruption in Slowenien –, haben dann rasch einen grundsätzlicheren Charakter angenommen und sich der Sparpolitik, dem politischen System oder sogar dem Kapitalismus und dem Staat entgegengesetzt. Bürgermeister und Minister traten zurück, Polizeiwachen und Parlamente brannten, Regierungen fielen. Im Kern dieser Bewegungen waren nicht nur Anarchisten – in einigen Ländern wie der Ukraine und Bulgarien steuerten die Bewegungen in eine nationalistische Richtung. Aber überall öffneten diese Proteste einen Raum in dem Leute, die sich vorher nie politisch assoziiert hatten, zusammen ihre Wut zum Ausdruck bringen konnten; an vielen Orten, etwa in Bosnien, bestanden die kämpferischsten Teilnehmer aus Menschen, die nie zuvor auf die Straße gegangen waren. Das Vertrauen in den Parlamentarismus stürzte auf ein Rekordtief, und Menschen entdeckten die direkte Aktion neu.
Diese Proteste waren alles andere als aus einem Guss und verblieben eher im Reformismus, als dass sie grundsätzlich wurden. Viele erreichten ihren Höhepunkt in kleinen Siegen, wie dem Rücktritt der Regierung (Slowenien) oder dem Versprechen auf Verhandlungen mit der politischen Elite (wie in Bosnien). Teilnehmer, die leicht erreichbare Veränderungen erwartet haben, blieben am Ende enttäuscht zurück. Aber die instabile Situation stellte eine wachsende Gefahr für die herrschende Ordnung dar.
Die erste Reaktion des Staates war die Kriminalisierung des Widerstandes. Einerseits sollte das diejenigen einschüchtern, die das erste Mal protestierten: Oft wurden die schärfsten Urteile gegen die unerfahrensten Teilnehmer ausgesprochen, die keine Unterstützung durch Netzwerke hatten. Andererseits nahm die Repression Anarchisten und andere entschiedene Gegner der herrschenden Ordnung ins Visier. Im letzten Jahrzehnt wurden zahlreiche autonome Zentren geräumt (Ungdomshuset in Dänemark, Villa Amalias in Griechenland, Klinika in Prag) und „Antiterror“-Razzien gegen jeden sich zeigenden Widerspruch durchgeführt wie bei der Operation Pandora in Spanien oder der weiter andauernden Drangsalierung von Anarchisten in Großbritannien. Spanien, Griechenland und andere Länder führten außerdem schärfere Demonstrationsgesetze ein.
Die andere Antwort bestand im Versuch, diese Bewegungen zu kooptieren. Die Protestierenden hatten ausgerufen: „KEINER REPRÄSENTIERT UNS!“ – gemeint nicht nur als Klage gegen die bestehenden Parteien, sondern als Ablehnung des Prinzips der Repräsentation und der liberalen Demokratie. Leute, die gerade erst ihre politische Macht entdeckt hatten, experimentierten mit direkter Aktion und kollektiven Entscheidungsprozessen wie den Volksversammlungen in Spanien, Griechenland und Bosnien. Als Antwort haben paternalistische Intellektuelle und die hysterische Medienlandschaft gefordert, dass die Protestler politische Parteien bilden, um ihre Stimmen zu vereinigen und mit dem Staat zu verhandeln. Zur gleichen Zeit positionierten sich neue politische Parteien in diesen Bewegungen, indem sie gefangengenommene Protestanten verteidigten (wie Syriza in Griechenland), die Ziele der Proteste in den Medien und im Parlament unterstützten (wie Združena levica in Slowenien) und ihnen ihre Mittel zur Verfügung stellten (wie Die Linke in Deutschland). Sie entwickelten scheinbar ein Partei-Bewegungs-Modell und banden die Protestgruppen sowie ihre Forderungen in ihre organisatorischen Strukturen ein.
Syriza hat seine eigenen, spezifischen Ursprünge im besonderen Kontext Griechenlands. Genauso Podemos in Spanien, Die Linke in Deutschland, die Parti de Gauche in Frankreich, Radnička fronta in Kroatien, Združena levica in Slowenien und Bloco de Esquerda in Portugal. In diesem geschichtlichen Augenblick erfüllen sie jedoch dieselbe grundlegende Funktion. Konfrontiert mit so starkem Unmut, kommen der herrschenden Ordnung neue radikale politische Parteien auf einmal sehr gelegen.Und zwar, wenn diese versprechen, die Rufe nach „wahrer Demokratie“ innerhalb des bestehenden Systems zu verkörpern. Was auch immer die Intention ihrer Mitglieder ist, die strukturelle Rolle der neuen Parteien wird darin bestehen, das Vertrauen in die repräsentative Demokratie wieder herzustellen, die unkontrollierbaren außerparlamentarischen Bewegungen zu neutralisieren und den Kapitalismus und den Staat wieder als einzig denkbare gesellschaftliche Ordnung zu etablieren. Wenn sie die Hallen der Macht betreten, verpflichten sie sich selbst dazu, die autoritären Institutionen und die ungleiche Verteilung des Wohlstandes zu verewigen, die die Bewegungen auslösten, aus denen sie selbst ursprünglich hervorgingen.
In solchen Zeiten werden diejenigen, die aus der herrschenden Ordnung ihren Nutzen ziehen, bereit sein, kleine Änderungen zu riskieren, um große zu verhindern. Die wachsende Beliebtheit all dieser Parteien bei den Wahlen überall in Europa zeigt, dass das mit dem griechischen Aufstand 2008 begonnene Kapitel geschlossen wurde. Läuft alles wie bei den bisherigen Beispielen, werden diese Parteien den Kapitalismus und die Staatsmacht wieder stabilisieren und dann von der Bühne der Geschichte verschwinden, um den nächsten Verteidigern des gegenwärtigen Zustands Platz zu machen – oder sie werden selbst zu diesen.

Griechenland, die Peripherie der Zukunft

Griechenland hat von Anfang an eine Vorreiterrolle bei diesen Vorgängen gespielt. Griechische Kameraden haben sich die Straßen genommen, schon Jahre, bevor sich die Revolten von Ägypten bis nach Brasilien ausbreiteten, und sie haben sie seither niemals wirklich verlassen. Währenddessen verhängten die Geldgeber, die der griechischen Wirtschaft aus der Klemme geholfen haben – die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond –, ein Sparpaket nach dem anderen.
Wie sieht das bei genauerer Betrachtung aus? Vor einigen Jahren sammelten anarchistische Gruppen überall in Europa Geld für eine griechische Kameradin, die ihr Kind wegen einer lebenswichtigen Operation außer Landes schaffen musste. Der Grund war, dass der griechische Staat im Zuge der finanziellen Einschnitte bestimmte Operationen schlicht eingestellt hatte. Diese Geschichte ist nur eine unter vielen, und viele Leute haben nicht das Privileg, eine Gemeinschaft zu haben, die sie auf diese Weise unterstützt. Während die Faschisten der Goldenen Morgenröte Genossen wie Pavlos Fyssas auf der Straße ermorden und die Polizei Migranten an den griechischen Grenzen der Festung Europa umbringt, tötet der Staat die armen Leute an den Pforten der Krankenhäuser, indem er ihnen die Gesundheitsversorgung verweigert.
Als der Staat Krankenhäuser, Fernsehstationen, Schulen und Kindergärten geschlossen hatte, organisierten sich Anarchisten und andere selbst, um unabhängige Kliniken, Erziehungsprojekte, öffentliche Küchen, Sozialprogramme und Nachbarschaftsversammlungen zu einzurichten. In den folgenden Jahren wurde die griechische anarchistische Bewegung zu einer der gesellschaftlichen Hauptkräfte, indem sie Tausende dazu mobilisierte, an ihrer Seite zu kämpfen. Gleichzeitig nützte diese ideologische Polarisierung auch den Faschisten in Griechenland. Die Goldene Morgenröte bekam Sitze im Parlament, während Polizeibeamte ihre Reihen anschwellen liessen. Die Polizeirepression gegen anarchistische Demonstrationen wurde nun permanent und gnadenlos gewaltsam. Die von der äußersten Rechten kontrollierten Medien deckten dies mit einer Mauer des Schweigens, und die neuen Hochsicherheitsgefängnisse, die von der konservativsten Regierung seit dem Fall der Militärjunta 1970 erbaut worden waren, füllten sich mit Gefangenen.
Das waren die Voraussetzungen unter denen eine kleine Koalition aus Trotzkisten, Maoisten, Grünen und Sozialdemokraten unter dem Namen Syriza und der Führung von Alexis Tsipras an Popularität gewann. Als Tausende Menschen, die weder zu anarchistischen noch linken Gruppen gehörten, mit den Anarchisten marschierten und mit der Polizei aneinander gerieten – im Kampf gegen den Goldabbau in Chalkidiki, bei der Verteidigung des autonomen Zentrums Villa Amalias, im Kampf gegen die Goldene Morgenröte und auf Solidaritätsdemonstrationen für Migranten – bezog Syriza zu denselben Themen Position. Sie sprachen sie im Parlament an, und ihre Mitglieder nahmen an Demonstrationen teil. Wann immer es möglich war, zogen sie aus diesen Kämpfen Vorteile, um mediale Aufmerksamkeit zu erlangen.
Syriza versprach das Ende der Sparmaßnahmen – auch wenn diese Rhetorik für die Wahl zum Versprechen abgemildert wurde, die Bedingungen der griechischen Schulden neu zu verhandeln. Sie versprach, die brutalsten Polizeieinheiten aufzulösen – wegen der Wahlen wurde das darauf reduziert, die Beamten zu entwaffnen, die mit Demonstranten in direkten Kontakt geraten. Syriza versprach den Austritt aus der NATO – wegen der Wahlen wurde das darauf reduziert, nicht an Auslandseinsätzen teilzunehmen. Syriza versprach, die Hochsicherheitsgefängnisse zu schließen und die Universitäten wieder zur No-Go-Zone für die Polizei zu machen, ein legales Privileg, welches die Bewegung nach dem Dezember 2008 verlor, was sich als ein großer Rückschlag in den Auseinandersetzungen mit der Polizei erwies.
Syriza hat weniger Macht, Menschen auf die Straße zu bringen, als Anarchisten, aber die Partei verstand es, die Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Das beschreibt treffend den Wandel, den die angeblichen Gegner Syrizas gerne bei den gesellschaftlichen Bewegungen in Griechenland und überall in Europa sehen würden. Während einige das Gerücht verbreiteten, nach einem Wahlsieg Syrizas könne es zu einem Wahlbetrug oder Militärputsch kommen, behaupteten andere, Syrizas Sieg würde zum Bankrott Griechenlands führen. Zur selben Zeit verbirgt die herrschende Klasse Europas die Tatsache, dass sie mit Syriza ein gutes Los gezogen hat – verglichen mit der gesellschaftlichen Bewegung, aus der die Partei hervorgegangen war. Genauso, wie Polizeigewalt Widerstand eher katalysiert, als ihn zu unterdrücken, könnte ein Wahlbetrug oder ein Eingreifen des Militärs eine neue Welle der Bewegung in Griechenland und in Europa auslösen. Die Reaktionen auf die Wahl Syrizas werden in ihrer Rhetorik harsch sein, aber versöhnlich in der Praxis. Mit der Herausforderung konfrontiert, die Staatsmacht zu behaupten, wird Syriza wahrscheinlich sehr viel weniger bieten, als die Partei versprochen hat. In einer globalisierten Welt, in der ein Land über Nacht bankrott gehen kann, brauchen die Kapitalisten keinen Coup zu organisieren, um ihren Willen zu bekommen.

Unsere Träume werden niemals in ihre Wahlurnen passen

Wer keinen Zusammenhang zwischen der Art und Weise sieht, wie die Politik der Wahlen und der Kapitalismus Macht konzentrieren, für den ist es verlockend, sich vorzustellen, dass eine neue politische Partei das System endlich so funktionieren lässt, „wie es eigentlich sein soll”. Aber sogar Anarchisten, die nicht an repräsentative Politik oder Reformen glauben, mögen die Hoffnung haben, dass eine Syriza-Regierung ein für Widerstand günstigeres Umfeld schaffen könnte. Tatsächlich ist es ein offenes Geheimnis, dass Syriza-Mitglieder als Anwälte für viele Anarchisten gearbeitet haben; warum sollten sie nicht weiter eine Beschützerrolle spielen, wenn sie an den Schalthebeln der Macht sitzen?
All das ist hoffnungslos naiv. Auf lange Sicht kann keine Partei die Probleme lösen, die vom Kapitalismus und vom Staat hervorgebracht wurden, und Syrizas Sieg wird die revolutionären Bewegungen, die wir brauchen, nur behindern. Das sind die Gründe:

Syriza wird die Legitimität der Institutionen wiederherstellen, die ursächlich für die Krise verantwortlich sind.

Tatsächlich hat bereits der Aufstieg von Syriza zur Macht die Regierungsinstitutionen für viele wieder legitimiert, die das Vertrauen in diese verloren hatten. Unabhängig von Syrizas Absichten ist dies derselbe Regierungsapparat, der den Menschen die Auswirkungen des Kapitalismus aufzwingt, indem er ihnen den Zugang zu den Mitteln verwehrt, die sie benötigen. Selbst wenn es Syriza möglich wäre, mithilfe der Staatsmacht die Folgen der Kapitalakkumulation zu bekämpfen, würde die Regierungsgewalt früher oder später wieder von denjenigen übernommen, die sie normalerweise innehaben. Wenn dies passiert, werden die Bemühungen, die Regierung zu delegitimieren, wieder ganz von vorn beginnen müssen.
Dieser Zyklus der Desillusionierung und Wiederherstellung der Legitimität dient schon seit Jahrhunderten dazu, die autoritären Strukturen des Staates zu bewahren, indem er den Kampf für wirkliche Freiheit immer auf die Zukunft verschoben hat. Es ist eine alte Geschichte, die von den französischen Revolutionen von 1789, 1848 und 1870 über die russische Revolution und die nationalen Befreiungsbewegungen des 20. Jahrhunderts bis zur Wahl von Obama reicht.
Syriza selbst wird nichts tun, um die grundlegenden Hierarchien der Politik zu untergraben. Viele dieser neuen Parteien begannen als scheinbar horizontale Netzwerke, die wahre Transparenz und demokratische Entscheidungsfindungsprozesse versprachen. Aber sobald sie größer werden, geben sie zwangsläufig horizontale Strukturen auf und beginnen, die älteren Parteien nachzuahmen, die sie zu bekämpfen vorgeben. Diese Veränderungen werden oft als politischer Pragmatismus oder als Lösungen für das Problem der großen Zahl gerechtfertigt – und in der Tat passen die Erfordernisse repräsentativer Politik nicht zu den horizontalen, autonomen Strukturen, die in echten sozialen Basisbewegungen entstehen können. Daher können wir sicher sein, an der Spitze jeder erfolgreichen Partei wie Syriza, Združena levica oder Podemos einen charismatischen Führer wie Alexis Tsipras, Luka Mesec oder Pablo Iglesias zu finden. Die Persönlichkeiten dieser Führer verschränken sich mit ihren Parteien auf eine Weise, die an Hugo Chavez oder andere berühmte Politiker der Linken erinnert. Wer eine Partei aufbaut, um nach den Regeln des Staates zu spielen, der wird mit einer Struktur enden, die ein Abbild des Staates ist. Diese interne Wandlung ist der erste Schritt der Wiederherstellung des status quo.
Linke Parteien haben immer eine widersprüchliche Haltung gegenüber dem Staat an den Tag gelegt. Theoretisch beteuern sie, dass der Staat nur ein notwendiges Übel auf dem Weg zu einer klassenlosen Gesellschaft sei; auf dem Feld der Realpolitik verteidigen sie jedoch immer dessen repressive Mechanismen – da keiner, der die Staatsmacht ausüben möchte, ohne sie auskommt. Manche dieser neuen Parteien warten nicht einmal ab, bis sie an die Macht kommen, um diesen Weg einzuschlagen; in Slowenien forderte die linke Oppositionspartei Združena levica als Teil ihres Kampfes gegen Sparmaßnahmen, dass die Polizei bessere Ausrüstung und mehr Personal erhalten soll. Heute sehen diese neuen politischen Parteien die Staatsgewalt als eine notwendige Voraussetzung für ihren Kampf gegen den Neoliberalismus; sie lehnen die Privatisierung von Staatsbetrieben ab und empfehlen Verstaatlichungen als eine der Hauptmaßnahmen gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Ihr Ziel ist nicht, den Staat und die von ihm durchgesetzten ökonomischen Ungleichheiten abzuschaffen, sondern, das bürgerliche Ideal des Sozialstaates durch ein neokeynesianisches Wirtschaftsprogramm zu bewahren.
Wenn dies in der Vergangenheit möglich war, so doch nur für ein paar privilegierte Länder und auf Kosten von Millionen Ausgebeuteten auf der ganzen Welt – und sogar die Nutznießer dieser Ordnung waren sich nicht sicher, ob sie diese wollten, wie die gegenkulturellen Rebellionen der 1960er zeigten. Heute, wo die Kapitalakkumulation sich in einem solchen Maße intensiviert hat, dass nur massive Sparprogramme die Wirtschaft am Laufen halten können, sind die alten Kompromisse der Sozialdemokratie unmöglich geworden, und keiner außer den linken Quacksalbern bezweifelt dies. Die Untergangsprophezeihungen deutscher Ökonomen, die vorhersagen, dass Syriza die griechische Wirtschaft ruinieren wird, sind durchaus wahr: In einer globalisierten Weltwirtschaft kann man keinen Reichtum umverteilen, ohne Kapitalflucht zu verursachen, es sei denn, man ist bereit, den Kapitalismus mitsamt den staatlichen Strukturen abzuschaffen, die ihn erhalten.
Die meisten Beteiligten der Bewegungen der letzten sieben Jahre sind noch nicht bereit, so weit zu gehen. Sie gingen aus Unzufriedenheit mit den bestehenden Regierungen auf die Straße, aber sie sahen diese Bewegungen als einen Weg, um eine unmittelbare Lösung zu finden, nicht als eine bloße Etappe in einem jahrhundertelangen Kampf gegen den Kapitalismus. Als die Proteste zu keinen unmittelbaren Ergebnissen führten, traten sie Parteien wie Syriza bei, die schnelle und einfache Lösungen versprachen. Aber was heute pragmatisch erscheint, wird ein peinlicher Fehler sein, an den sich morgen jeder mit Kopfschmerzen erinnert. Geht es mit Parteien nicht immer so?

Syriza hat jetzt keine andere Wahl, als Ruhe und Ordnung durchzusetzen, indem sie die Bewegungen, durch die die Partei zur Macht emporgeschwungen wurde, ruhig stellt.

Noch ist es zu früh, das genaue Verhältnis zwischen der neuen Regierungspartei und den Bewegungen, die ihr zur Macht verhalfen, zu antizipieren. Wir können nur anhand vergangener Beispiele spekulieren.
Kommen wir zurück zum brasilianischen Beispiel. Nach Lulas Machtübernahme fand sich Brasiliens stärkste soziale Bewegung, die 1,5 Millionen Mitglieder umfassende Landreformbewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Sem Terra) in einer deutlich schlechteren Position wieder, als noch unter der vorhergehenden konservativen Regierung. Obwohl viele Mitglieder und Führer der Bewegung auch in Lula’s Partei aktiv waren, hinderten die Sachzwänge der Staatsführung Lula daran, die Bewegung zu unterstützen. Wenngleich die MST der Vorregierung noch viele Landbesetzungslegalisierungen abringen konnte, waren ihr unter Lula keinerlei Fortschritte mehr möglich. Nach demselben Muster spielte es sich überall in Lateinamerika ab. Die Politiker verrieten diejenigen Bewegungen, welche sie zuvor ins Amt gebracht hatten. Das ist ein gutes Argument dafür, eigenständig Kräfte aufzubauen, anstatt zu versuchen, wohlgesonnenen Politikern ins Amt zu verhelfen – denn sobald diese erst einmal im Amt sind, müssen sie nach der Logik ihres Postens handeln, nicht nach derjenigen der Bewegung.
Syriza kam an die Macht, indem die Partei aggressiv um Wählerstimmen warb und ihre Forderungen verwässerte. Repräsentative Demokratie tendiert dazu, Politik zu einer Angelegenheit des kleinsten gemeinsamen Nenners zu reduzieren, da Parteien um Wählerstimmen und Koalitionen rangeln. So war auch Syrizas erste Amtshandlung, eine Koalition mit den rechten Unabhängigen Griechen einzugehen. Um diese Koalition aufrecht erhalten zu können, wird Syriza Zugeständnisse an die Ziele ihrer Partner machen müssen. Das wird erstens bedeuten, ungewollte rechte Politik bei der eigenen Mitgliedschaft durchzusetzen – und diese dann allen anderen aufzudrängen. Es gibt keinen Weg an der wesentlich unterdrückerischen Natur allen Regierens vorbei.
Zahlreiche Anarchisten hoffen, Syriza werde der staatlichen Repression sozialer Bewegungen Einhalt gebieten und ihnen dadurch die Möglichkeit geben, sich freier zu entwickeln. Unterstützte Syriza nicht von Grund auf die Aufstände von 2008? Damals waren sie jedoch eine kleine Partei auf der Suche nach Verbündeten; nun stellen sie die herrschende Elite. Um an der Macht zu bleiben, müssen sie zeigen, dass sie bereit sind, die Herrschaft des Gesetzes durchzusetzen. Auch wenn sie vielleicht kleinere Proteste nicht so aggressiv verfolgen werden, wie es eine rechte Regierung täte, werden sie Aktivisten in legitime und illegitime aufteilen müssen – ein Vorgehen aus dem Handbuch der Aufstandsbekämpfung, an dem sich Regierungen und Besatzungsarmeen weltweit orientieren. Das wäre nichts Neues für Griechenland; genau das passierte unter den Sozialdemokraten der PASOK in den frühen 1980ern. Selbst wenn Syriza die vorherige Intensität der Repression nicht aufrechtzuerhalten sucht, ihre Funktion wird sein, die Bewegungen zu spalten, die Fügsamen zu assimilieren und den Rest zu marginalisieren. Das könnte sich als wirksamere repressive Strategie herausstellen als der Einsatz roher Gewalt.
Unter diesen neuen Voraussetzungen werden sich die Bewegungen selbst verändern. Syriza ist schon an vielen sozialen Graswurzelprogrammen beteiligt; sie werden wohl den kooperativsten unter ihnen mehr Ressourcen anbieten, allerdings nur unter Einflussnahme des Staates. Es wird immer schwerer für Graswurzelaktivisten werden, wirklich autonom zu bleiben und den Unterschied zwischen Selbstorganisation und Management von oben aufzuzeigen. Ähnliches ist schon im gemeinnützigen Sektor der USA passiert, mit verheerender Wirkung. Wir können hier auch auf den Regierungseinfluss auf angeblich selbstorganisierte Nachbarschaftshilfe im Venezuela unter Hugo Chavez verweisen.
Diese Art der Einverleibung in die Logik des Staates ist Parteien wie Syriza wesentlich. Sie brauchen Bewegungen, die wissen, wie man sich benimmt und die ohne zuviel Aufhebens dazu herhalten können, parlamentarische Entscheidungen zu legitimieren. In der Tat hat von 2012 an die bloße Aussicht auf die Machtergreifung Syrizas die Straßen Griechenlands weitgehend von Protesten frei gehalten und dadurch das Risiko für Anarchisten und andere, die weiterhin demonstrierten, erhöht. Parteien wie Syriza können die Öffentlichkeit also befrieden, ohne auch nur ins Amt zu gelangen.
Was passiert nun mit dem Rest der Bewegung, mit denen, die weiterhin Ihre Autonomie aufrechterhalten und versuchen, ihre eigene Macht nach ihren eigenen Regeln außerhalb der Institutionen aufzubauen? Das ist die Frage, die sich uns stellt.

Wo Syriza versagt, wird der Faschismus wachsen.

Internationalem Druck, einer gespaltenen Wählerschaft und dem strukturellen Verhältnis zwischen Staat und Kapital gegenüberstehend, kann Syriza nicht darauf hoffen, die alltäglichen Probleme zu lösen, die sich den meisten Griechen als Ergebnis eines ungezügelten Kapitalismus stellen. Langfristig könnte das Tür und Tor für die einzige Regierungsform öffnen, die Griechenland noch nicht ausprobiert hat: den Faschismus.
Eine gewinnorientierte Wirtschaftsordnung konzentriert Reichtum unweigerlich in den Händen immer weniger Menschen. In einer globalisierten Welt verschreckt jedes Land Investoren, wenn es versucht, diesen Prozess umzukehren. Daran liegt es auch, dass heute die sozialdemokratische Infrastruktur sogar in den reichsten Ländern unter Beschuss gerät, indem Marktmechanismen auf Kosten der gewöhnlichen Bevölkerung am Laufen gehalten werden. Dieses Problem könnte mit der revolutionären Abschaffung des Privateigentums und des dieses beschützenden Staates gelöst werden. Für für die gleichzeitige Aufrechterhaltung der sozialdemokratischen Infrastruktur und des Kapitalismus gibt es allerdings nur einen Weg: die zahlenmäßige Begrenzung derjenigen, die von ihr profitieren. Diesen Zweck verfolgt das Essensverteilungsprogramms, das die Partei Goldene Morgenröte „nur für Griechen“ organisiert. So gesehen, haben nationalistische und faschistische Parteien einen realistischeren Plan, um das soziale Netz für die weiße Mittelklasse aufrechtzuerhalten als die üblichen sozialistischen Parteien.
Aus diesem Grund ist es für Parteien wie Syriza so gefährlich, wenn sie der Idee Nachdruck verleihen, die Probleme des Kapitalismus ließen sich mit sozialpolitischen Maßnahmen lösen. Lösen sie ihre Versprechen nicht ein, werden sich einige von denen, die an diese geglaubt haben, rechtsradikalen Parteien zuwenden, die vorgeben, über einen pragmatischeren Ansatz zum Erreichen derselben Ziele zu verfügen. Das passiert schon jetzt in ganz Europa. In Schweden, dem Aushängeschild der Sozialdemokratie, wurde die Aufrechterhaltung staatlicher Sozialpolitik jahrzehntelang durch linke Agitation propagiert. Dies ebnete dann der Forderung der Faschisten den Weg, die Grenzen schließen zu müssen, um diese Programme beibehalten zu können.
Aber Faschisten brauchen nicht erst an die Macht zu kommen, um gefährlich zu werden. Gefährlich sind sie schon deshalb, weil sie, genau wie Anarchisten, ihre Ziele auch direkt verfolgen können, ohne der Hilfe des Staatsapparates zu bedürfen. Wir könnten tatsächlich in eine Ära eintreten, in der es eine Vielzahl politischer Akteure zielführender findet, sich außerhalb der Regierung zu positionieren, anstatt sich mit ihr diskreditieren zu lassen. Jetzt, da der Staat nicht länger die Auswirkungen des Kapitalismus abmildern kann, werden die Menschen zwangsläufig immer desillusionierter und rebellischer werden. Wo immer linke Parteien die Staatsmacht innehaben und versuchen, ihre ehemaligen Kameraden zu beschwichtigen, die immer noch auf die Straße gehen, wird es für rechtsextreme Gruppen immer einfacher, sich als die wirklichen Widerstandskämpfer zu präsentieren – wie beispielsweise in Venezuela. Mit Sicherheit werden die Aufstände der letzten Jahrzehnte anhalten, es fragt sich nur, in welcher Art und Weise. Werden sie die Menschen mit ihren Kollektivkräften vereinen und die endgültige Abschaffung des Kapitalismus einleiten oder werden sie eher dem gleichen, was letztes Jahr in der Ukraine geschehen ist?
Angesichts der europaweiten Erstarkung antiislamischer Hysterie und nationalistischer Bewegungen wie der deutschen PEGIDA ist Faschismus nicht nur eine zukünftige Bedrohung, sondern eine deutliche und akute Gefahr. Es den Regierungen zu überlassen, der faschistischen Bedrohung mit rechtsstaatlichen Mitteln zu begegnen, ist in zweifacher Hinsicht gefährlich: Es ersetzt die Handlungsfähigkeit von Basisbewegungen mit der Vermittlung durch Autoritäten, und – noch einmal – es legitimiert staatliche Institutionen, die in die Hände von Faschisten fallen könnten. Einige mögen Syriza als ein Bollwerk gegen den Faschismus sehen, aber nur autonome Bewegungen können ihn besiegen und zwar nicht nur durch reaktive Bekämpfung, sondern vor allem durch das Aufzeigen einer verlockenderen Vision gesellschaftlichen Wandels.

Härter kämpfen, mehr wollen

Wenn Syrizas Sieg dazu führt, diejenigen, die einst auf der Straße zusammenkamen, wieder in der Rolle des Zuschauers und der Vereinzelung einzulullen, wird sich das Zeitfenster wieder schließen, das während der Aufstände Möglichkeiten zu Veränderung eröffnet hatte. Das würde Syriza selbst überflüssig machen und eine Blaupause dafür liefern, wie man gesellschaftliche Bewegungen überall in der Welt befrieden kann. Syriza spielt mit dem Feuer, verspricht Lösungen, die die Partei nicht umsetzen kann. Wenngleich ihr Fehlschlag dem Faschismus die Tür öffnen könnte, so könnte er auch eine neue Phase von Bewegungen jenseits und gegen jegliche Autorität hervorbringen.
Um das möglich zu machen, müssen sich Anarchisten in Griechenland und überall in der Welt von allen politischen Parteien unterscheiden und die Allgemeinheit dazu einladen, sich ihnen in Räumen jenseits des Einflusses selbst der großherzigsten Sozialdemokraten anzuschließen. Dazu gehört es, sich von den opportunistischen Politikern abzuwenden, die sich ihnen einst auf der Straße angeschlossen hatten. Das wird nicht einfach sein, ist aber der einzige Weg. Wenn es auch das Einzige ist, so sind jetzt, wo die Wahl vorbei ist und Syriza sich auf der anderen Seite des Machtwalls befindet, wenigstens die Grenzlinien klar.
Den Kapitalismus und den Staat abzuschaffen, ist für die meisten Leute immer noch undenkbar. Allerdings sind – wie Griechenland erfahren musste – die Maßnahmen, die den Kapitalismus für die nächste Generation stabilisieren könnten, noch undenkbarer. In der alltäglichen Praxis der griechischen Anarchisten – dem Besetzen von Sozialzentren und Universitätsgebäuden, den Selbstverteidigungspatrouillen gegen die Goldene Morgenröte, den Sozialprogrammen und Versammlungen – können wir die ersten Schritte hin zu einer Welt ohne Eigentum und Regierung sehen. Wenn diese Praktiken 2012 in eine Sackgasse führten, so lag dies auch daran, dass so viele Menschen, in Hoffnung auf einen Wahlsieg Syrizas, die Straßen wieder aufgaben. Und doch sind genau das die Beispiele, an denen man sich ein Vorbild nehmen muss – und nicht das Modell Syriza. Lasst uns damit aufhören, mit falschen Lösungsansätzen die Zeit zu verspielen.

Quelle: klick

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Anarchistisches Statement: Kapitalistische Normalität angreifen! – EZB Feierlichkeiten stören http://afunke.blogsport.de/2015/03/10/anarchistisches-statement-kapitalistische-normalitaet-angreifen-ezb-feierlichkeiten-stoeren/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/10/anarchistisches-statement-kapitalistische-normalitaet-angreifen-ezb-feierlichkeiten-stoeren/#comments Tue, 10 Mar 2015 13:29:21 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/10/anarchistisches-statement-kapitalistische-normalitaet-angreifen-ezb-feierlichkeiten-stoeren/

Am 18.März 2015 findet in Frankfurt am Main die Eröffnungsfeier des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank statt. Auch Anarchist*innen werden sich an diesen Protesten beteiligen. Allerdimausngs fahren wir nicht in das Zentrum der Finanzpolitik Europas, um für eine bessere Finanzpolitik oder gegen die Sparmaßnahmen, sondern um gegen das Bestehende und seine Anhänger*innen zu demonstrieren und klar zu machen, dass unsere Ziele jenseits von Krisen und Wirtschaftswachstum, von Schulden und Sparpolitik liegen. Die EZB stellt dabei zum einen einen Ort dar, an dem sich die Herrschenden verschiedenster europäischer Länder treffen, um im Einklang mit ihren nationalen Interessen in der Wirtschafts- und Währungspolitik eine gemeinsame Linie zu finden; allen voran Deutschland mit seiner sagenumwobenen “deutschen Sparmentalität”. Zum anderen ist die EZB eine der zentralen Kräfte hinter der Austeritäts-Politik, die gerade im Süden Europas zu sozialem Kahlschlag und massiver Verarmung geführt hat. Seit dem Anfang der Krise wird Armut nun auch in Europa sichtbarer. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sie vorher nicht vorhanden war. Im Gegenteil: Armut und Kapitalismus gehen miteinander einher. Während einige wenige enorme Reichtümer anhäufen und selbst in Krisenzeiten weiterhin Profite machen, spüren Menschen mit geringeren Einkommen selbst in Zeiten des Booms nur unbedeutende Verbesserungen. Es nützt also nichts, die Krise als die Verursacherin der Armut auszumachen und nur die Krisenpolitik der EZB zu kritisieren. Es ist der Kapitalismus, den es zu kritisieren gilt und der überwunden werden muss, um ein schönes Leben für alle möglich zu machen.

Alles verändern
Als Antiautoritäre und Menschen, die Herrschaft ablehnen, stellen wir uns mit unserer Idee einer Gesellschaft abseits von kapitalistischer Logik auch gegen die repräsentative Demokratie als solche, da sie die Herrschaft eines Teils der Gesellschaft über einen anderen bedeutet. Dies stellt für uns keinen Zustand dar, in dem wir frei und selbstbestimmt leben können. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Armut nicht möglich werden kann, in der jede*r frei und nach seinen*ihren Bedürfnissen leben und handeln kann. Diese, unsere Idee verstehen wir als Anarchie; dies ist es, was wir als Anarchist*innen anstreben.

Tag der politischen Gefangenen
Wenn wir an jenem Mittwoch dann auf die Straße gehen, tun wir dies, um unsere offene Feindschaft mit den herrschenden Verhältnissen zu artikulieren, ein Stück weit der täglichen Ohnmacht zu trotzen – im Gedanken bei den vielen Genoss*innen deren Kampf und Engagement für unsere gemeinsame Utopie mit Repression und Knast beantwortet wurde und wird. So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass dieses symbolische Datum nicht nur auf den Jahrestag der Pariser Kommune, sondern auch auf den internationalen Tag der politischen Gefangenen fällt. Durch die Verfasstheit des bürgerlichen Rechtsstaates mit seinen Repressionsinstrumenten wird rebellisches Verhalten mit der Androhung von Einsamkeit und dem gewaltsamen Herausreißen aus dem sozialen Umfeld sanktioniert – eine sehr alte und besonders erfolgreiche Methode der Herrschenden.

Für etwas ganz anderes
Wir fahren aber am 18. März auch nach Frankfurt um zu zeigen, dass wir für etwas ganz anderes sind. Wir sehnen uns selbst nach einer Welt, in der wir statt der täglichen Demütigung in einer von Konkurrenz und Ablehnung durchzogenen Gesellschaft unsere Stärke und unsere Verantwortung füreinander erkennen. Wir sehnen uns nach einer Welt, in der nicht mehr versucht wird, uns mit Hilfe von Grenzen, Geschlechterrollen, Standort- und Verwertungslogik, auseinander zu bringen, sondern in der wir erkennen, was uns eint.
Das werden wir am 18. März in Frankfurt zeigen, direkt vor dem hässlichen Neubau der hässlichen EZB als Symbol ihrer kapitalistischen Herrschaft.

Lasst uns die Party der Herrschenden unmöglich machen!
Gegen dieses System und seine Freund*innen!
Für den Anarchismus!


Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr und Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

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1.Mai Do Aufruf: An der Befreiung arbeiten – Die Anarchistische Bewegung vorantreiben! http://afunke.blogsport.de/2015/03/06/1-mai-do-aufruf-an-der-befreiung-arbeiten-die-anarchistische-bewegung-vorantreiben/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/06/1-mai-do-aufruf-an-der-befreiung-arbeiten-die-anarchistische-bewegung-vorantreiben/#comments Fri, 06 Mar 2015 15:21:39 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/06/1-mai-do-aufruf-an-der-befreiung-arbeiten-die-anarchistische-bewegung-vorantreiben/

Von vielen vergessen liegen die Ursprünge des 1.Mai in der US-Amerikanischen Arbeiterbewegung der 1880er Jahre,die entscheidend von anarchistischen Idealen und Forderungen geprägt war.

Als Höhepunkt einer Streikwelle sollte am 01.05.1886 mit einem Generalstreik der Forderung nach dem 8-Stunden Tag Nachdruck verliehen werden. Allein in Chicago folgten 40.000 Arbeiter*innen diesem Aufruf und auch in den folgenden Tagen gingen Tausende auf die Straße, trotzten Streikbrechern, privaten Söldnertruppen der Unternehmer und der Polizei, die am 03.05. vier Arbeiter erschoss. Eine erneute Versammlung am 04.05. auf dem Haymarket versuchte die Polizei (auch mit Schusswaffen) gewaltsam aufzulösen. In diesem Gemenge explodierte eine Bombe. Die Polizei fing an wild zu schießen und mindestens vier Arbeiter*innen und sieben Polizisten wurden dabei getötet. Wer die Bombe geworfen hatte ist bis heute unklar. Allerdings diente dieser Vorfall als Vorwand hunderte von Arbeiter*innen zu verhaften. Darunter waren auch einige bekannte Anarchist*innen. Trotz gegenteiliger Beweise wurden 7 bekannte Anarchisten in einem Schauprozess zum Tode verurteilt, 4x wurde dieses Urteil (bei einem Selbstmord vorher) vollstreckt. Die anderen Angeklagten wurden zu Haftstrafen verurteilt und nach 7 Jahren, ebenso wie die Hingerichteten vom neuen Gouverneur für unschuldig und zu „Opfern eines Justizmordes“ erklärt.

Während der 2.Internationale (bei der es zum Ausschluss der Anarchist*innen kam) wurde 1891 der 1.Mai als jährlicher “Arbeiterkampftag” ausgerufen und seit 1904 insbesondere von den großen sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften für Demonstrationen genutzt. Während der Zeit der Nazi-Diktatur wurde der Tag propagandistisch als “Tag der Nationalen Arbeit” vom Staat als Feiertag organisiert. Auch in der DDR gehörten die Mai-Paraden zur Staatsräson und in der BRD blieb der Feiertag mit leicht veränderten Namen als “Tag der Arbeit” bestehen. Passend, da die Lohnarbeit auch hier als wichtigstes, Lebensinhalt spendendes Element gesehen werden soll.

Seit dem Ende des Ost/West-Konflikts erleben wir einen sich immer weiter verschärfenden Kapitalismus. Wer arm ist oder keiner Lohnarbeit nachgeht gilt als faul und wird als Belastung der Gesamtgesellschaft gesehen. Weit verbreitet ist die Ansicht, Armut sei nur die Folge von Eigenverschuldung. Es gibt immer weniger Jobs und die, die es noch gibt sind oft entfremdet und sinnentleert.

Heute finden die Demos und Kundgebungen zum 1. Mai größtenteils unter der Schirmherrschaft des DGB statt. Dabei ist kein Platz für eine grundsätzliche Kritik an diesem Gesellschaftssystem. Es gibt lediglich Forderungen nach mehr Lohn oder nach geringer Reduzierung von Arbeitsstunden. Über eine vom DGB unterstützte Betriebsbesetzung bei Massenentlassungen, wie sie in der Vergangenheit selten vorgekommen sind, würden wir uns schon sehr wundern. Selbst solche Forderungen und Aktionen dienen nur dazu den Frust, Zorn und Unmut der Arbeiter*Innen zu kanalisieren und diese zu befrieden. Obwohl sich die weichgespülten, reformistischen und am Ende staatstreuen Gewerkschaften bei den 1. Mai Kundgebungen kämpferisch geben werden in den Betrieben keine grundlegende Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen erkämpft. An dem Wiederspruch zwischen Arbeit und Kapital wird nicht gerüttelt.

Während jeder “Krise” wird nach mehr Arbeitsstellen verlangt und es werden alte Zeiten beschworen in denen jede*r noch Arbeit hatte und es keine Arbeitslosigkeit gegeben hat. Es wird aber nicht an der grundlegenden Idee von Lohnarbeit und ihrer Funktion als Herrschaftsintstrument gerüttelt. Die heutige Wirtschaft wird durch Förderprogramme wie “Leitzinssenkung” und “Staatsinvestitionen” künstlich vermehrt. Die Schattenseiten werden dabei oft verdrängt oder als notwendiges Übel hingenommen. Dabei ist die heutige Gesellschaft geprägt vom Leistungszwang, wodurch die Menschen in ständiger Konkurrenz zueinander stehen. Es muss immer mehr für immer weniger Geld gearbeitet werden. Daran ändert auch ein lächerlicher Mindestlohn von 8,50 € nichts. Die Rechte der Arbeiter*innen werden immer weiter in Frage gestellt oder gleich beschnitten. Wenn nicht direkt durch Lohnkürzungen und unbezahlte Überstunden dann durch die Hintertür über Zeitarbeits- oder Werkverträge, durch die Verschiebung in schlechter bezahlte Branchen (siehe Amazon), durch Auffanggesellschaften, unbezahlte Praktika usw. Die Freizeit dient einzig und allein dazu sich wieder für die Arbeit zu regenerieren und es bleibt kaum Zeit sich einer Beschäftigung zu widmen, die keine kommerziell gewinnbringenden Ziele verfolgt. Selbst Dinge wie Bildung, Kunst, Kultur, Hobbys oder Freundschaften sollen auf jeden Fall konsumierbar und somit für den Kapitalismus von Nutzen sein. Wir sollen arbeiten um zu konsumieren. Sie zwingen uns in einen Kreislauf aus Arbeit und Konsum. Ein selbstbestimmtes Leben ist im Kapitalismus nicht möglich.

Arbeit ist zu einem Ideal geworden unter dem sich alles unterordnen muss. Es werden Betreuungsstellen und –programme für Kleinkinder geschaffen, um Eltern weiterhin das Arbeiten zu “ermöglichen”. Unsere persönliche Verwirklichung und unsere gesamte Lebensplanung wird der Arbeit untergeordnet. Auch unsere “persönlichen” Beziehungen werden mehr immer zum Gegenstand für Werbung und Konsum. Selbst Ruhe lässt sich im Erreichbarkeitszwang der multimedialen Gesellschaft oft nicht wirklich finden, da zum Beispiel die meisten Unternehmen die multimedialen Möglichkeiten dazu nutzen, um die Arbeitsverdichtung weiter voranzutreiben. Zur ständigen Flexibilität kommt jetzt noch der ständige Erreichbarkeitszwang. Nicht zuletzt kommt es zu immer mehr Krankheiten infolge der Arbeit und des damit verbundenen Leistungszwangs. Sei es körperlich, wie u.A. Rückenschäden oder psychische Krankheiten, Burn-Out oder Depressionen. Doch eine radikale Änderung dieses Systems der Ausbeutung wird nicht in Erwägung gezogen. Es wird an alten Legenden, wie der “Vollbeschäftigung” oder der “sozialen Marktwirtschaft” festgehalten und sich mit kleinen Entschädigungen zufrieden gegeben. Ziele von Arbeitskämpfen werden von oben vorgegeben und die Arbeiter*innen haben nach den Plänen der Funktionär*innen zu agieren. Von solchen Arbeitskämpfen können wir keine tiefgreifenden Veränderungen erwarten.

Lasst uns gemeinsam das Leben in die Hand nehmen, uns organisieren und eigenständig handeln. Nur wir selbst wissen, was für uns wichtig und notwendig ist. Wir dürfen die Verantwortung in allen Bereichen unseres Lebens nicht abgeben und können uns nicht in den hierachischen Systemen ausruhen. Wir müssen uns selbstbestimmt organisieren, das Bestehende kritisch hinterfragen und durch direkte Aktionen Veränderungen herbeiführen, um ein Leben in Freiheit zu führen. Denn Freiheit ist in einem kapitalistischen System nicht möglich. Darum kämpfen wir für eine Gesellschaft frei von Kapitalismus und Staat mit den damit verbundenen Repressionsorganen. Wir müssen nicht regiert werden! Die nationale Ab– und Ausgrenzung kotzt uns an und verhindert nur ein solidarisches und friedliches Miteinander aller Menschen. Wir kennen die Realität der heutigen Arbeitswelt aus den verschiedensten Perspektiven, ob als gewählte oder unfreiwillige Erwerbslose, Student*Innen oder “normal” Beschäftigte. Daher erleben wir auch tagtäglich die Repression des Systems gegen all jene, die sich nicht genügend anpassen wollen bzw. “leisten” können.

In Dortmund wurde der 1.Mai in den letzten Jahren neben der Gewerkschaftsfolklore von den lokalen Neo-Nazis in Beschlag genommen. Blockaden und andere Aktionen, die sich gegen Nazis richten sind wichtig und müssen auch in Zukunft laufen. Doch wir dürfen uns nicht auf das “Reagieren” auf Ihre Aktionen beschränken. Wir müssen agieren und unsere Handlungs- und Initiativspielräume erweitern. Wir müssen uns die Straße (nicht nur) am 1. Mai zurückholen und unsere Inhalte und Aktionen auf die Straße tragen.

Wir wollen an diesem Tag keine Forderungen an Parteien, Gewerkschaften, Konzerne/Firmen oder andere Autoritäten stellen, sondern wollen alle ermutigen selbst zu handeln! Der 1. Mai ist kein Tag für Forderungen! Es ist ein Tag für selbstbestimmtes und selbstbewusstes Handeln. Der 1. Mai ist ein Kampftag gegen den Arbeitswahn und gegen den Kapitalismus. Es geht um die Befreiung aller Menschen aus der Abhängigkeit der Lohnsklaverei. An diesem Tag geht es darum, unsere Vorstellung einer herrschaftsfreien Gesellschaft zu propagieren und unmissverständlich und kompromisslos zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht verblenden und befrieden lassen.

Wir wollen den Prozess zu einer befreiten Gesellschaft vorantreiben in dem wir unsere Ideen verbreiten, uns weiterbilden, in eigenen Strukturen versuchen die verheerendsten Auswirkungen von Staat und Kapital abzufedern, uns mit politischen Aktionen in Debatten einschalten und gegen das einstehen, was uns nicht passt. Wir wollen gemeinsam lernen durch freiwillige Vereinbarungen miteinander zu leben.

In den letzten Jahren gab es ein Erstarken des antiautoritären Widerstand und der anarchistischen Bewegung im Ruhrgebiet. Daraus sind bereits einige freiheitliche Strukturen entstanden. Dies motiviert uns und wir sind fest entschlossen diesen Organisierungsprozess weiter voranzutreiben. Deshalb ist es uns wichtig, an diesem historischen Tag auch für die anarchistische Bewegung kreativ und laut auf die Straße zu gehen.

Sollten die Neo-Nazis auch dieses Jahr wieder in Dortmund marschieren wollen, rufen wir auf dieses nicht ungestört geschehen zu lassen und anschließend mit uns auf die Straße zu gehen. Brechen wir (nicht nur an diesem Tag) aus, aus einer gesellschaftlichen Normalität des stillen Wegschauens bei Armut, Vertreibung, Ausbeutung und Unterdrückung sowie Vortäuschung einer heilen und alternativlosen Welt.

Wir wollen am 1. Mai mit allen freiheitsliebenden Menschen für unsere Ziele demonstrieren.
Deshalb rufen wir unter dem Motto “An der Befreiung arbeiten! Die Anarchistische Bewegung vorantreiben!” zur 1. Mai Demonstration am Platz vor der Kirche in der Münsterstraße in Dortmund um 18Uhr auf.

FÜR EIN LEBEN OHNE ARBEITSZWANG UND JOBCENTER !
AN DER BEFREIUNG ARBEITEN!
DIE ANARCHISTISCHE BEWEGUNG VORANTREIBEN!

Mehr Infos unter: 1maidortmund.noblogs.org

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Gǎi Dào Nr. 51 – März 2015 http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/gi-dao-nr-51-maerz-2015/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/gi-dao-nr-51-maerz-2015/#comments Tue, 03 Mar 2015 16:22:12 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/gi-dao-nr-51-maerz-2015/
Hier gehts direkt zur Ausgabe!

Editorial:

Hallo Menschen,

die Zeit geht dahin, PEGIDA hoffentlich auch. Und zu Ende geht vorerst auch unsere Debatte zum Thema Nationalismus/Patriotismus, da wir uns gerne auch anderen Themen widmen wollen.

In dieser Ausgabe gibt es gleich 3 Texte zu den Aktivitäten der Föderation. Neben einem Bericht vom letzten FdA-Treffen im Januar 2015 geben weitere Artikel Einblicke in die Zusammenarbeit und Projekte der Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA). Wir hoffen, dass durch diese Berichterstattung der Föderationsgedanke im Allgemeinen und besonders die Vernetzung auf weltweiter Ebene etwas greifbarer und nachvollziehbarer wird.

Wie ihr im Bericht zum FdA-Treffen ausführlicher nachlesen könnt, gibt es auch bei der Gaidao etwas Neues. Wir wollen versuchen, die bisherige Audioversion, die durch eine Computerstimme produziert wird, etwas menschlicher zu gestalten. Sprich: Es gibt eine Gruppe von Leuten, die Lust haben, die Texte aus der Gaidao einzulesen. Und dafür suchen wir Support. Wenn ihr euch also am Audioprojekt “Gaidao” beteiligen möchtet, meldet euch einfach unter unserer Redaktionsadresse. Meldet euch auch, wenn ihr prinzipiell Lust habt, aber technisch nicht so richtig wisst, wie ihr das anstellen sollt.

In Arbeit sind aktuell ein Extrablatt zu Emma Goldman sowie eine Sonderausgabe zum Thema “Alternative Ökonomie”. Ihr dürft gespannt sein.

Bis zum nächsten Mal,

die Redaktion der Gaidao

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Kopenhagen: Ungdomshuset-Demo auch 8 Jahre nach der Räumung noch kampfbereit http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/kopenhagen-ungdomshuset-demo-auch-8-jahre-nach-der-raeumung-noch-kampfbereit/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/kopenhagen-ungdomshuset-demo-auch-8-jahre-nach-der-raeumung-noch-kampfbereit/#comments Tue, 03 Mar 2015 14:59:30 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/03/kopenhagen-ungdomshuset-demo-auch-8-jahre-nach-der-raeumung-noch-kampfbereit/

Ungdomshuset-Demo auch 8 Jahre nach der Räumung noch kampfbereit

Vor 8 Jahren wurde das Ungdomshuset im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro geräumt, nachdem es von der christlichen Sekte Faderhuset gekauft worden war, welche das Haus kurz nach der Räumung abreißen ließ und das Grundstück weiterverkaufte. Die Räumung führte zu den größten Unruhen, die Kopenhagen seit langem gesehen hatte. Durch die aktiven Proteste konnte sich das Ungdomshuset ein Jahr später ein neues Haus erkämpfen, wenn auch deutlich unattraktiver gelegen. Aus dem alten Grundstück machten Aktivisten vor einem Jahr einen Stadtgarten, welcher jedoch bedroht ist, da der Eigentümer Procasa dieses Sahneschnittchen gerne bebauen möchte.

Grund genug auch nach 8 Jahren noch auf die Straße zu gehen, zumal die Gentrifizierung Nørrebros ungebremst fortschreitet und die Wohnungssituation in Kopenhagen eine Katastrophe für alle mit schmalem Geldbeutel ist. Auch die Repression treibt wie überall immer neue Blüten, so gab es am Vorabend im Hausprojekt Bumzen eine Soliparty für vier Aktivistinnen, welche auf Grund von Farbangriffen auf repräsentative Gebäude auf Grundlage des Terrorismusparagraphen überwacht worden waren.

Die Demo begann auf dem Blågårds Plads unter dem Motto „Intet glemt, intet tilgivet“ (Nichts vergessen, nichts vergeben). Sie zog über die zentrale Nørrebrogade hin zum altem Standort des Ungdomshusets im Jagtvej 69. Mit 300 Teilnehmern erreichte sie die übliche Größe von linksradikalen und anarchistischen Demos in Kopenhagen. Während der Demo wurde wie üblich reichlich Pyrotechnik gezündet. Am Zielort wurden dann die Spraydosen rausgeholt und wieder Feuerwerk. Dann wurde die Straßenbeleuchtung lahmgelegt und die Bullen mit Mollis angegriffen. Diese zogen daraufhin ihre Dienstwaffen. Danach deeskalierte die Situation, offiziell nur eine Festnahme.

Interessant daran ist, dass es bei den letzten linksradikalen Demos in Kopenhagen keine Mollis, dafür aber immer reichlich Festnahmen und Polizeikessel gab, während es dieses Mal genau umgedreht war. Obwohl auch diesen Sonntag das Aufgebot an sowohl uniformierten als auch an Ziften beträchtlich war.

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Schwarzenbek: Erneut Naziprovokation am Infotisch http://afunke.blogsport.de/2015/03/01/schwarzenbek-erneut-naziprovokation-am-infotisch/ http://afunke.blogsport.de/2015/03/01/schwarzenbek-erneut-naziprovokation-am-infotisch/#comments Sun, 01 Mar 2015 12:06:38 +0000 Administrator Allgemein http://afunke.blogsport.de/2015/03/01/schwarzenbek-erneut-naziprovokation-am-infotisch/

Am 28. Februar organisierten mehrere Anarchist_Innen in Schwarzenbek am Wochenmarkt einen Infotisch. Bis auf einige Ausnahmen waren die Menschen offen und interessiert.

Kurz nachdem zusammengepackt wurde kam ein stadtbekannter Nazi vorbei und wollte die Anwesende abfotografieren. Wovon er allerdings abließ, da ihn ein Mittelfinger offenbar so sehr provozierte, dass er die Konfrontation suchte und „Ihr habt euch mit dem Falschen angelegt!“ sagte. Bevor die Situation eskalierte solidarisierten sich mehrere Passant_Innen und machten dem Nazi deutlich, dass es besser wäre jetzt zu gehen. Dass sich noch mehr Menschen einmischten, brachte den Nazi, kaum zu übersehen, in Erklärungsnot und versuchte eine Rechtfertigung für sein Verhalten zu finden.

Gerade die Solidarität der Passant_Innen empfanden wir als schöne und erfreuliche Überraschung, wenn man bedenkt, dass bei dem versuchten Übergriff am 22.11.2014 alle Herumstehenden sich entweder wegdrehten oder nur zuschauten.

Dieser weitere Einschüchterungsversuch wird nichts daran ändern. Der nächste Infotisch findet am 28. März am selben Ort statt.

Anarchistischer Infotisch | 28. März | 10 – 13 Uhr | Ritter-Wulf-Platz

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