Die verschiedenen kommunistischen Parteien und Organisationen bezeichnen sich alle als emanzipatorisch. Wir wollen in diesem Beitrag analysieren, ob dies wirklich zutrifft.

Theorie des Kommunismus

Laut der kommunistischen Theorie soll die Macht im Staat vom Proletariat – also der arbeitenden Bevölkerung – mittels der Kommunistischen Partei erlangt werden. Durch diese „Diktatur des Proletariats“ soll eine neue Gesellschaft entstehen, in der die Menschen auf den endgültigen Status der Revolution vorbereitet bzw. getrimmt werden.

Nach dem Motto „Die Partei hat immer Recht“ wird jegliche Kritik an den Entscheidungen der führenden Organisation als konterrevolutionär deklariert und kriminalisiert. Dadurch, dass bereits vor der „Revolution“ in den Organisationen eine kleine Anzahl von Parteikadern Entscheidungen trifft und die Basis nicht in Entscheidungsprozesse mit einbezogen wird und die kommunistischen Organisationen in der Gesellschaft eine Minderheit sind wird nach der Machtergreifung der Kommunisten diese Politik über die Köpfe der Menschen fortgesetzt.

Wie sollen durch Zwang freie Menschen, wie durch Herrschaft eine herrschaftslose Gesellschaft und wie durch hierarchische Strukturen eine klassenlose Gesellschaft entstehen? Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Der Weg muss sich nach dem Ziel richten.
Nach den Theorien des Kommunismus soll der neue Staat nach unbestimmter Zeit automatisch mit all seinen Machtstrukturen absterben und schließlich eine klassenlose Gesellschaft entstehen lassen. Ähnliches lassen auch kapitalistische Theoretiker verlauten, welche behaupten der Markt würde sich selbst regulieren.

Bis heute haben die Kommunisten keine überzeugenden Argumente geliefert wieso die neuen Herrscher der kommunistischen Partei ihre Privilegien und ihre Herrschaft einfach so abgeben würden. Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit dem Thema Herrschaft auseinandergesetzt hat wird spätestens an dieser Stelle merken, dass der Kommunismus mithilfe der Diktatur der Kommunistischen Partei allein wegen dieser Tatsache unmöglich bleibt. Dies beweist die Geschichte, worauf wir später noch eingehen.

Viele Faktoren, die uns im heutigen System Freiheiten rauben, gibt es auch nach einer kommunistischen Übernahme des Staates:
Polizei/Gerichte/Gefängnisse/Geheimdienste, Verwertung fürs Zwangskollektiv, Pädagogik, Zentralisierung, Geld.
Alle diese Zustände bleiben laut kommunistischer Theorie zunächst bestehen. Alle diese Zustände haben Herrschaft und Kontrolle als Ziel und können deshalb gar nicht zu einer klassenlosen Gesellschaft beitragen.

Wir könnten noch sehr lange die Missstände der kommunistischen Theorie analysieren, letztendlich ist der alles entscheidende Punkt und Fehler der Kommunistischen Theorie die Herrschaft und der Zwang zur „Freiheit“.

Praxis des Kommunismus

Sowjetunion, Rumänien, China, Nordkorea, Kuba, Vietnam, Kambodscha, Jugoslawien, Venezuela, DDR, Albanien.

All diese Staaten sprechen für das Scheitern des Kommunismus. Kommunisten versuchen diese Staaten oft zu verteidigen, indem sie sagen, dort gäbe es nur „Sozialismus“ und keinen wirklichen Kommunismus. Das ist zwar nach kommunistischer Theorie richtig, aber gerade die Tatsache dass diese kommunistischen Gesellschaftsversuche nur bis zum „Sozialismus“ kamen/kommen, zeigt die gescheiterte Theorie des Kommunismus in der Praxis. Das Beispiel Sowjetunion zeigt wohl am besten den kategorischen Ablauf des Kommunismus. Als am Anfang der „Revolution“ Räte gebildet wurden konnte mensch noch die Hoffnung haben, dass eine freie Gesellschaft entstehen könne. Denn vielerorts entstanden sogar freiheitliche Strukturen, wie das bekannte Beispiel der Kronstädter Matrosen zeigt. Als sich dann jedoch die Kommunisten begannen durchzusetzen und ihren roten ultrabürokratischen Staat errichteten passierte genau das, was die heutigen Kommunisten nicht wahrhaben wollen. Die Eigendynamik der Macht zerstörte den letzten revolutionären Willen eines jeden Sowjets. Viele Genossen ließen ihr Leben für eine Illusion; vom Gemetzel in Kronstadt über die GULAGS und Hungersnöte im ganzen Land starben bis zum Ende der Sowjetunion viele Millionen Menschen. Nichts kann solch einen Massenmord rechtfertigen, genauso wenig wie alle anderen Opfer des totalitären Kommunismus.
Allein das Beispiel Sowjetunion reicht aus um das praktische Scheitern der kommunistischen Theorie zu beweisen.

Auch das heutige Kuba untermauert dies. Gewerkschaften wurden zerschlagen, Homosexuelle in Arbeitslager gesteckt und die Presse zensiert. Die Lebensbedingungen unter denen die Menschen in Kuba leiden müssen drücken sich in den hunderttausenden von Flüchtlingen aus. Kommunisten argumentieren, dass die Lebensbedingungen Folge des Boykotts der kapitalistischen Länder wären. Allerdings konnte aufgrund der marxistischen Planwirtschaft die kommunistische Regierung weiterhin nicht einmal die eigene Bevölkerung ausreichend versorgen.
Vor allem aber spielt auch hier der Zwang eine große Rolle und die oben genannten Punkte sprechen nicht für das System Kubas. Es gab vor der „Revolution“ der Kommunisten eine relativ große sozialrevolutionäre/anarchistische Bewegung, welche durch die Herrschaftsansprüche der Kommunisten verdrängt wurde und somit eine umfassende Revolution in allen Bereichen nicht mehr möglich machte.

Heutige Kommunistische Organisation

Alle sich als kommunistisch definierende Organisationen sind hierarchisch strukturiert. Die Struktur dieser Organisationen hat sich seit Jahrzehnten so gut wie gar nicht verändert. In manchen gibt es sogar Zentralkomitees, die die Aktivitäten der verschiedenen kleinen lokalen Gruppen steuern. Auch Machtkämpfe in den heutigen kommunistischen Organisationen sind üblich. Weiterhin gibt es das dogmatische Festhalten an schon durch die Geschichte widerlegten Strukturen.
Eine Strategie der Kommunisten war schon immer die Unterwanderung sozialer Bewegungen und Widerstandsgruppen. Um diese Gruppen übernehmen zu können, spielen sich geschulte Kader gegenseitig die Bälle zu, um Machtpositionen zu besetzen. Besonders gut gelingt das beispielsweise in der „Antifa-Bewegung“ oder in der Friedensbewegung wo vor allem junge Menschen mit wenig politischem Bewusstsein oder linke Mitläufer leicht geködert werden können.
Auch heute noch ist der Führerkult in der kommunistischen Szene zu dubiosen Massenmördern weit verbreitet. Anstatt an eigenen Ideen zu arbeiten halten sich viele an den Theorien und Namen von früheren Diktatoren fest. Der Führerkult ist ein wichtiger Faktor weshalb die kommunistische Szene so zerstritten und gespalten ist. Der Hass zwischen den verschiedenen kommunistischen Lagern setzt sich auch heute noch nahtlos fort. Die oft erlogene „Einheitsfront“ scheitert also schon bei den Kommunisten selbst.

Fazit

Wir stellen also fest, dass weder Theorie noch Praxis des Kommunismus heute wie damals eine freie Gesellschaft möglich machen können, da der Weg dorthin von Herrschaft und Unterdrückung bestimmt ist. In vielen Punkten ähnelt der Kommunismus mit seinem Führerkult, hierarchischen Strukturen und nicht greifbaren weit entfernten Illusionen sogar einer Religion. „Das Kapital“ ist für viele Kommunisten so wertvoll und unantastbar wie die Bibel für Christen. Der Anspruch auf die absolute Wahrheit und unkritisierbare Dogmen findet mensch in jeder totalitären Weltanschauung.
Nicht erst an diesem Punkt zeigt sich die Unvereinbarkeit der kommunistischen Ideologie mit der Idee des Anarchismus. Anarchisten propagieren kein Paradies in ferner Zukunft, sondern treten für eine Veränderung im Hier und Jetzt ein, die jeder Mensch auch im Kleinen schon leben kann. Des Weiteren geht es nicht um das zwanghafte Erreichen der Freiheit, sondern um die Emanzipation jedes Individuums. Die anarchistische Bewegung ist bunt, vielfältig, dezentral und widersprüchlich so wie die Freiheit selbst, denn Freiheit ist nicht uniform!